BESCHLUSSANTRAG.

Die Luftverschmutzung ist ein chronisches Problem in Südtirols Städten und entlang der Haupttransitrouten. Besonders ernst ist die Situation für die Menschen, die an der Brennerachse leben: Die A22 ist der Hauptverursacher in puncto Umweltverschmutzung. Aber auch an den Verkehrsachsen entlang der Etsch bis Bozen und im
Pustertal gibt es Grund zur Sorge. In den Städten, die an diesen Routen liegen, ist das gesundheitliche Risiko besonders hoch, wobei zu diesem Aspekt noch weitere Faktoren hinzukommen und die Gefahr daher um Einiges steigt.

Die Corona-Pandemie hat uns auch gelehrt, wie wichtig die Gesundheit der Menschen ist und wie sehr diese von der Umgebung abhängt.

Eine Studie (siehe: „Long-term exposure to air pollution and COVID-19 incidence: a prospective study of residents in the city of Varese, Northern Italy. Giovanni Veronesi, Sara De Matteis, Giuseppe Calori, Nicola Pepe, Marco M Ferrario – Occupational and Environmental Medicine, 2022) der Universität Insubrien (Varese) hat aufgezeigt,
dass es einen engen Zusammenhang zwischen der chronischen Exposition gegenüber einer hohen Luftverschmutzung, der daraus resultierenden schwachen Gesundheit der Bevölkerung und einer Zunahme der COVID-19-Symptome gibt. Für jeden weiteren Anstieg der Exposition gegenüber PM2,5-Feinstaubpartikeln um 1 µg/m3 (im Vergleich zu den Werten, die derzeit aus gesundheitlicher Sicht als Vorsichtsmaßnahme gelten), wurde ein Zuwachs an COVID-19-Fällen um 5,1 % festgestellt, was einem jährlichen Anstieg von 294 Fällen pro 100.000 Personen entspricht.

Es wird davon ausgegangen, dass die anhaltend hohe Zahl an Asthma- und Lungenkrebserkrankungen weitgehend auf den Verkehr zurückzuführen ist. Seit Jahren berichten Allgemeinmediziner, die z.B. im Eisacktal tätig sind, über häufig auftretende Beeinträchtigungen der Lebensqualität wie Schlafstörungen, Kopf- und Gelenkschmerzen, Konzentrations- und Leistungsminderung sowie Allergien. Grund dafür ist die ständige verkehrsbedingte Umweltbelastung. Auch in Tirol haben
von Umweltmedizinern im Auftrag des Landes durchgeführte Untersuchungen einen Zusammenhang zwischen verkehrsbedingter Luftverschmutzung und Gesundheitsschäden aufgezeigt; die aus diesen systematischen Untersuchungen hervorgegangenen Erkenntnisse haben die Behörden dazu bewogen, nach wirksamen Lösungen zu suchen.

Sogar im Jahr 2021, das laut den vom Land veröffentlichten Daten im Vergleich zu den Jahren vor der Pandemie bessere Werte verzeichnete, wurden an den Messstationen von Brixen (AB3) und Neumarkt (ML5), die laut Gesetz eh recht hoch liegenden Stickstoffdioxid-Grenzwerte (NO2)  überschritten; und dabei sind Stickstoffdioxide für die menschliche Gesundheit besonders schädlich.

Der Bericht von Legambiente, „Mal’Aria di città, quanto manca alle città italiane per diventare delle clean cities“, vom Februar 2022 analysiert die Ergebnisse von 238 Luftmessstationen in 102 Provinzhauptstädten Italiens. Demzufolge reiht sich Bozen – eine Stadt, in der alle Verkehrsachsen zusammenlaufen – unter den 13 am stärksten durch Stickstoffdioxide (NO2) belasteten italienischen Städten auf Platz 10 ein.

Die PM10- und PM2,5-Werte sind zwar etwas besser, entsprechen aber keineswegs den neuen, strengeren Vorschriften, die die Europäische Union in Kürze einführen wird. Die EU wird somit in Zukunft nicht mehr die derzeitigen, stark abgeschwächten gesetzlichen Grenzwerte anwenden, sondern diejenigen Grenzwerte, die von der WHO zum Schutz der Gesundheit festgelegt wurden.

Derzeit wird nämlich die europäische Richtlinie zur Luftqualität überarbeitet. Im Einklang mit dem „Green Deal“, dem Aktionsplan „Zero Pollution“ und dem „Fit for 55“-Paket zielt diese Überarbeitung auf eine Senkung der Grenzwerte für Luftqualität ab, die sich in den kommenden Jahren den von der WHO empfohlenen Werten annähern
werden. Das heißt, dass die derzeit „zu strengen“ und „unerreichbar scheinenden“ Grenzwerte, bald auch in den Mitgliedstaaten als verpflichtend und somit als rechtlich verbindlich gelten werden.

Die neuen Grenzwerte werden drastische Veränderungen mit sich bringen: Die Grenzwerte für PM10 werden von derzeit 40 mg/m3 auf 15 mg/m3 gesenkt, jene für PM2,5 werden von derzeit 25 mg/m3 auf 5 mg/m3 herabgesetzt und die für Stickstoffdioxid (NO2) von 40 mg/m3 auf 10 mg/m3. Um diese neuen Grenzwerte einzuhalten,
müsste Bozen die PM10-Konzentrationen um 17 %, die PM2,5-Konzentrationen um 57 % und die NO2-Konzentrationen um 69 % reduzieren.

Es besteht also Handlungsbedarf. Um handeln zu können, müssen wir allerdings auch in Südtirol besser verstehen, welche Zusammenhänge es zwischen Umweltverschmutzung und Gesundheit gibt. Ein System zum fortlaufenden Monitoring der gesundheitlichen Folgen von Verkehrsemissionen ist nicht nur eine notwendige Voraussetzung für dringende verkehrspolitische Maßnahmen, sondern auch ein grundlegendes Instrument, um nachvollziehen zu können, ob solche Maßnahmen wirksam sind und wie sie im Laufe der Zeit angepasst werden können.

Daher ist es wichtig, ein Monitoring der gesundheitlichen Daten der entlang der Transitstrecken lebenden Bevölkerung einzuleiten. Dadurch hätten wir konkrete Erkenntnisse über die gesundheitlichen Folgen der Umweltverschmutzung, über die Häufigkeit von Krankheiten und Todesursachen, sowie über Belastungen für die Menschen und ihre Lebensqualität in den Gebieten, die von der verkehrsbedingten Umweltverschmutzung am stärksten betroffenen sind.

Aus diesen Gründen, verpflichtet der Südtiroler Landtag die Landesregierung,

  1. unverzüglich, auch durch die Einsetzung einer eigenen Arbeitsgruppe aus Umwelt- und Allgemeinmedizinern, einen Plan für das systematische Monitoring der gesundheitlichen Folgen der Luftverschmutzung für die Südtiroler Bevölkerung zu erstellen, die entlang der Hauptverkehrsachsen lebt, wobei im Rahmen eines Pilotprojekts als Erstes mit der am stärksten betroffenen Brennerachse begonnen werden sollte;
  2. den oben genannten Plan für eine Gesundheitserhebung nach dessen Erstellung durch ein langfristiges Monitoring der umweltmedizinischen Daten entlang der am stärksten der Luftverschmutzung ausgesetzten Transitstrecken umzusetzen, und hierfür mit der Brennerachse zu beginnen;
  3.  im Rahmen dieses Projekts zur Erhebung der gesundheitlichen Folgen verkehrsbedingter Luftverschmutzung eine möglichst enge Zusammenarbeit mit der Provinz Trient und dem Land Tirol anzustreben, die – genauso wie wir – von der Brennerautobahn, der am stärksten verschmutzten Verkehrsachse der Euregio, durchquert werden.

Bozen, 23.02.2022

Landtagsabgeordnete

Riccardo Dello Sbarba

Brigitte Foppa

Hanspeter Staffler

 

Der Beschlussantrag wurde am 29.06.2022 in folgender Fassung angenommen:

Der beschließende Teil wird so ersetzt: „im Rahmen der Gesundheitsbeobachtung des Landes und auf Basis bereits bestehender und der bereits in Auftrag befindlichen Erhebungsinstrumente die gesundheitlichen Folgen verkehrsbedingter Luftverschmutzung insbesondere entlang der Hauptverkehrsachsen zu erheben und zu bewerten. Die Ergebnisse dieser Untersuchung wer-den den Abgeordneten im Landtag präsentiert.“

BESCHLUSSANTRAG.

Bodenversiegelung ist ein riesengroßes Problem, und das weltweit. Der Mensch verbaut mehr als ihm langfristig guttut. Und wenn wir uns den aktuellen IPCC-Bericht oder andere Dokumente zum Klimawandel ansehen, dann ist uns dieses „langfristig“ schon dicht auf den Fersen.

Wie allgemein bekannt, ist die besiedelbare Fläche in Südtirol begrenzter als anderswo. Sie entspricht laut „Eurac-Klimareport“ grade einmal ca. 5 % der Fläche unseres Landes. Umso klüger muss mit der zur Verfügung stehenden bebaubaren Fläche umgegangen werden, um katastrophale Folgen für Mensch und Natur zu vermeiden. Laut Landesstatistikinstitut ASTAT wie auch der Umweltbehörde EEA hat auch in Südtirol die Versiegelung in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen, und dabei wird die Versiegelung durch Straßen gar nicht miteinkalkuliert, sondern nur die besiedelte Fläche.

Auch ISPRA (Istituto superiore per la protezione e la ricerca ambientale) zufolge ist der Bodenverbrauch seit 2006 kontinuierlich am Steigen: Im Jahr 2006 waren ca. 19.000 Land Hektar verbaut, im Jahr 2020 bereits etwa 20.000. In Prozent ausgedrückt bedeutet dies, dass 2020 2,7% der Provinz Südtirol versiegelt sind. Führen wir uns vor Augen, dass wie oben erwähnt nur ca. 5% der hiesigen Fläche überhaupt bebaubar sind, ist diese Zahl durchaus beeindruckend.

Konkret ausgedrückt: Die Natur wird immer weniger; denn auf versiegelten Flächen wächst nichts, Wasser kann nicht abrinnen und die Hitze staut sich. Kurzum: Die Lebensqualität wird mit jedem Quadratzentimeter weiterer Versiegelung mehr eingeschränkt.

Viele Länder haben dieses Problem auch als solches erfasst und versuchen, mal mit besseren und mal mit schlechteren Resultaten, die Versiegelung einzuschränken. Andere Staaten gehen noch weiter. Wie der österreichische „Standard“ im Januar dieses Jahres berichtete (Titel: „Entsiegelung: Wie aus Straßen und Parkplätzen wieder Natur wird“), soll mittels Zauberwortes „Entsiegelung“ dem Flächenfraß im Land entgegengewirkt werden. Dabei werden Asphalt oder Beton von einer Fläche entfernt und durch wasseraufnahmefähige Beläge ersetzt. In Kärnten wurde so beispielsweise eine Landesstraße um insgesamt drei Meter verschmälert.

Das Land Bayern hat bereits 2018 damit begonnen (Quelle: Mitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr vom 30. Mai 2018), die Gemeinden einerseits beim „Fläche sparen“ zu unterstützen, wenn sie leerstehende Gebäude revitalisieren. Zusätzlich wurde eine so genannte „Entsiegelungsprämie“ eingeführt, mit der beispielsweise zu große Verkehrsflächen wie oben beschrieben entsiegelt werden sollen. Für solcherlei Maßnahmen werden bayerische Gemeinden stark vom Bundesland gefördert.

Die beste Gegensteuerung ist immer noch jene, den Boden gar nicht erst zu versiegeln. Würden wir uns öfters die Frage stellen: „Brauchen wir das wirklich?“ könnte viel Schaden a priori verhindert werden. Gerade bei Parkplätzen täte oft die Frage Not, ob es wirklich – wie immer kolportiert – zu wenig davon, oder vielleicht doch zu viele Autos gibt. Dieser Zuschnitt eröffnete gleich neue Lösungen, die mehr in Richtung Ausbau des ÖPNV gehen würden.

Doch Fakt ist leider, dass Parkplätze gebaut werden, und das en masse. In Sigmundkron wurde beispielsweise vor kurzem der „Park and Ride-Parkplatz“ als Negativbeispiel mit Totalversiegelung ausgeführt Und auch in Eppan hat man jüngst den Tetterparkplatz erweitert. Solche Beispiele ließen sich landauf landab beliebig viele finden. Doch dieser unnötigsten aller Versiegelungen (weil vermeidbar) können wir mit Alternativen entgegenwirken. Hier kommt eine versickerungsfähige Bebodung von Parkplätzen ins Spiel.

Im Jahr 2012 veröffentlichte die Europäische Kommission die „Leitlinien für bewährte Praktiken zur Begrenzung, Milderung und Kompensierung der Bodenversiegelung“. Darin schreibt sie, dass Parkplätze ein großes Potenzial für eine Bebodung mit wasserdurchlässiger Oberfläche darstellen würden. Besonders für Parkplätze, die nicht das ganze Jahr hinweg in gleicher Auslastung benutzt werden (beispielsweise in Skigebieten) böten sich solche Bodensysteme an. Aber auch regelmäßig genutzte Parkplätze könnten prinzipiell auf diese Art und Weise errichtet werden. Von Schotterrasen über Kunststoffrasengitter über spezielle Bepflasterung, bei der zwischen den einzelnen Steinen extra viel Platz für Gras gelassen wird, gibt es mehrere solcher schonender Methoden der Bebodung. Um zusätzlich dazu Parkplätze nicht zu Hitzeinseln werden zu lassen, müssen sie a priori mit ausreichend Bäumen und Sträuchern bepflanzt werden.

Und wenn schon Hitze, kann man diese auch produktiv nutzen. An anderer Stelle hat man es bereits vorgemacht. So gibt es in den deutschen Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg seit dem Jahr 2022 die Pflicht, bestimmte neu errichtete Parkplätze mit Photovoltaik-Dächern zu versehen. Der Ausbau von erneuerbarer Energie kann auf diese Weise Hand in Hand mit einem schonenden Umgang von Fläche geschehen.

Versiegelung und deren Notwendigkeit will von vornherein immer gut überlegt sein und nur wo wirklich notwendig passieren. Schaffen wir bei gewissen Flächen wie Parkplätzen künftig Alternativen für Boden, Bepflanzung und Überdachung, ist dies ein kleiner Schritt zu einem besseren Umgang mit unseren Ressourcen. Zusätzlich dazu erfahren auch Mensch und Tier durch die Vermeidung von Hitzeinseln Linderung in diesen immer heißer werdenden Sommern.

Daher beauftragt der Südtiroler Landtag die Landesregierung

  1. Im Rahmen einer Raumordnungsverordnung laut Art. 21 des Landesgesetzes vom 10. Juli 2018, Nr. 9 (Raum und Landschaft) vorzusehen, dass beim Neubau eines Parkplatzes stets ein versickerungsfähiger Boden verwendet wird.
  2. Im Rahmen einer Raumordnungsverordnung vorzusehen, dass beim Neubau eines Parkplatzes stets eine Bepflanzung mit schattenspendenden Bäumen und Sträuchern oder alternativ dazu, die Überdachung des Parkplatzes mit einer Photovoltaikanlage einzuplanen ist.
  3. Eine Prüfung in Auftrag zu geben, wie viel versiegelte Fläche in Südtirol wieder entsiegelt werden könnte.

Bozen, 18.05.2022

 

Landtagsabgeordnete

Hanspeter Staffler

Brigitte Foppa

Riccardo Dello Sbarba

ANFRAGE ZUR SCHRIFTLICHEN BEANTWORTUNG.

Mit Beginn des Sommers kommt auch der Almbetrieb wieder in Fahrt und mit ihm der angemessene Schutz der Weidetiere vor Beutegreifern. Schutz der Tiere und Förderungen dafür von Land und EU spielen dabei eine nicht unerhebliche Rolle.

Daher richten wir folgende Fragen an die Landesregierung:

  1. Wie viel an Förderungen bekommt die Südtiroler Berglandwirtschaft für die Alm- und Weidetätigkeit vom Land pro Jahr? Wir bitten um die Zahlen von 2018-2022!
  2. Wie viel an Förderungen bekommt die Südtiroler Berglandwirtschaft für die Alm- und Weidetätigkeit von der EU pro Jahr? Wir bitten um die Zahlen von 2018-2022!
  3. Sind diese Förderungen an Herdenschutzmaßnahmen gebunden?
    1. Wenn ja, an welche?
  4. Werden diese Auflagen erfüllt und wie wird das garantiert?
  5. Wie erfolgen die Kontrollen?

Bozen, 20.06.2022

Landtagsabgeordnete

Brigitte Foppa

Riccardo Dello Sbarba

Hanspeter Staffler

Hier könnt ihr die Antwort der Landesregierung lesen.

ANFRAGE ZUR AKTUELLEN FRAGESTUNDE.

Kürzlich wurde in den Medien berichtet, dass sich die Fronten in Natz verhärtet hätten: Einerseits möchte das BVK Natz einen Teil des NATO-Areals für ein landwirtschaftliches Speicherbecken nutzen, andererseits beharre das Bürgerkomitee auf eine Volksbefragung. Tatsächlich gibt es derzeit aber einen gültigen Konzessionsvertrag mit der Autonomen Provinz Bozen, worin das Land der Gemeinde Natz-Schabs das Areal ausschließlich als Naherholungszone überlässt. Damit ist die Errichtung eines Speicherbeckens prinzipiell ausgeschlossen. Im besagten Medienbericht wird aber angedeutet, dass der BM in Absprache mit dem Gemeinderat auf eine Änderung der Konzession hinarbeite und das Land dies befürworte.

Daher richten wir folgende Fragen an die Landesregierung:

1. Stimmt es, dass das Land bereit sei, einen Teil des NATO-Areals für ein Beregnungsbecken zur Verfügung zu stellen?
2. Stimmt es, dass Gemeinde und Land die bestehende Konzession zu Gunsten des BVK Natz abändern wollen, noch bevor das Ergebnis der Volksbefragung vorliege?
3. Es solle außerhalb des NATO-Areals ausreichend Flächen geben, wo das landwirtschaftliche Beregnungsbecken errichtet werden kann. Warum pocht das Land nicht auf die bestehende Konzession und wie lässt sich die Zerstörung von einer naturnahen Erholungszone mit den Nachhaltigkeitszielen der Landesregierung vereinbaren?

Bozen, 17.06.2022

Landtagsabgeordnete
Hanspeter Staffler
Brigitte Foppa
Riccardo Dello Sbarba

Hier könnt ihr die Antwort der Landesregierung lesen.

ANFRAGE ZUR AKTUELLEN FRAGESTUNDE.

Medienberichten zufolge durchqueren täglich mehrere mit Müll beladene Züge Südtirol in Richtung Brenner. Ziel der Fracht ist Deutschland. Anfang Juni sorgte ein solcher Zug für Aufsehen, der – beladen mit übel riechendem Müll – mehrere Tage in Waidbruck „parkte“ und die Luft verpestete. Es kommen Zweifel auf, wie gut solche Transporte generell kontrolliert sind und wie sichergestellt wird, dass keine gefährlichen Substanzen auslaufen und Mensch, Tier und Natur nicht zu Schaden kommen. In der Vergangenheit hat die Grüne Fraktion mehrere Anfragen zu diesem Thema eingereicht. Jüngste Ereignisse geben Anlass, wiedermal nachzuhaken

Daher richten wir folgende Fragen an die Landesregierung:

  1. Wie viele solcher Müllzüge und Gefahrenguttransporte durchqueren Südtirol pro Woche?
  2. Woher kommen sie und was ist ihr Bestimmungsort?
  3. Warum steckte der mülltransportierende Zug Anfang Juni in Waidbruck mehrere Tage fest?
  4. Wird es Konsequenzen für diesen Transport geben und wie sehen die aus?
  5. Wie wird sichergestellt, dass solche Gefahrenguttransporte sicher über die Bühne gehen es nicht dazu kommt, dass gefährliche Substanzen in der Natur landen?

Bozen, 16.06.2022

Landtagsabgeordnete
Riccardo Dello Sbarba
Brigitte Foppa
Hanspeter Staffler

Hier könnt ihr die Antwort der Landesregierung herunterladen.

ANFRAGE ZUR AKTUELLEN FRAGESTUNDE.
Anfang 2015 wurde der in Südtirol aufgewachsene Usman R. Khan im wahrsten Sinne des Wortes nach kurzem Prozess aufgrund weniger Indizien als Terrorverdächtiger von Südtirol nach Pakistan abgeschoben. Die Vorgehensweise war bereits damals höchst fragwürdig und die Grüne Fraktion hat umgehend darauf hingewiesen. Auf Anfrage teilte uns die Landesregierung damals lediglich mit, dass Südtirol keine Informationen zu dieser Ausweisung hätte. Nach 7 Jahren hat Herr Khan recht bekommen und es wurde gerichtlich bestätigt, dass die Abschiebung damals rechtswidrig war. Dieser Umstand macht äußerst betroffen und lässt die Frage aufkommen, wie durchdacht und rechtlich fundiert der Iter der Abschiebepraxis in Südtirol überhaupt ist.

Daher richten wir folgende Fragen an die Landesregierung:

  1. Wie bewertet die Landesregierung den Umstand, dass die damalige Abschiebung von Usman Rayen Khan als unrechtmäßig befunden wurde?
  2. Welche Schlüsse will die Landesregierung aus diesem Fall für die Zukunft ziehen?
  3. Möchte Südtirol sich für den ehemaligen Landesmitarbeiter Usman R. Khan einsetzen und in welcher Form? Falls nein, aus welchem Grund nicht?
  4. Wie bewertet die Antidiskriminierungsstelle diesen Fall und was hat sie in diesem unternommen bzw. wird sie unternehmen?

Bozen, 16.06.2022

Landtagsabgeordnete
Riccardo Dello Sbarba
Brigitte Foppa
Hanspeter Staffler

Hier könnt ihr die Antwort im Plenum und die Zusatzfrage nachlesen.

BESCHLUSSANTRAG.

Seit Beginn der 1950er Jahre ist Blei aus fast all seinen vorherigen Anwendungsbereichen entfernt worden, anfangend beim Benzin über Lacke bis hin zum Einsatz in Druckereien und Rohrleitungen. Denn es handelt sich um ein hochgiftiges Material, das schwerwiegende Auswirkungen auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit hat. Eine der wenigen Ausnahmen stellt Schrotmunition dar, die vor allem zum Jagen verwendet wird.

Laut WWF landen in Europa jedes Jahr 21.000 Tonnen Bleimunition in der Umwelt. Von den Bleivergiftungen – auch unter dem Begriff „Saturnismus“ bekannt – sind verschiedene Tierarten,
insbesondere Vögel betroffen. Umfassende Studien haben bereits gezeigt, dass Bleimunition sehr problematisch ist; dies war auch Gegenstand zahlreicher Kampagnen, die sich für das Verbot von Bleikugeln und deren Ersetzung durch ungiftige Metalle einsetzten.

Erst kürzlich hat das Netzwerk Stop al piombo sulle Alpi („Kein Blei mehr in den Alpen“) über 21.000 Unterschriften gesammelt. In Europa sind Dänemark und die Niederlande bei diesem Thema Vorreiter; dort ist der Einsatz von Bleikugeln verboten. Für die anderen europäischen Länder sieht die EU-Verordnung Nr. 57/2021, die 2023 in Kraft treten wird, das Verbot von Schrotmunition mit Bleikügelchen in allen Feuchtgebieten vor, da diese Art von Munition vor allem bei der Entenjagd eingesetzt wird. In Europa sterben jedes Jahr eine Million Wasservögel an Bleivergiftungen. Für großes Aufsehen sorgte 2008 etwa das Massensterben der Rosaflamingos im Po-Delta.

In Italien ist das Verbot in den besonderen Schutzgebieten (BSG) sowie in den Schutzgebieten im Sinne der Vogelschutzrichtlinie, das heißt, in den Natura-2000-Gebieten, bereits vorgesehen. Aber der Einsatz von Blei hat auch außerhalb dieser Gebiete schwerwiegende Folgen, vor allem für Raubvögel.

Ein Team aus britischen und deutschen Forschern hat kürzlich eine Studie vorgestellt, laut der 55.000 Raubvögel in Europa bereits Bleivergiftungen zum Opfer gefallen sind. Die Populationen der See- und Steinadler sind aufgrund von Bleivergiftungen etwa je um 14 % und um 13 % geschrumpft. Diese können auftreten, wenn die Raubvögel Tiere fressen, die mit bleihaltiger Munition angeschossen wurden.

Die chemische Reaktion zwischen Blei und saurem pH-Wert innerhalb des Organismus führt zu schwerwiegenden Vergiftungen, die als Saturnismus bekannt sind. Die Folgen sind in erster Linie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Niere, des Verdauungstrakts sowie des Nervensystems – und eine Reihe schwerwiegender Verhaltensstörungen bis hin zum Koma und zum Tod.

Schätzungen zufolge führt der Einsatz von Blei in Jagdmunition europaweit jährlich zum Tod von etwa 1,3 Millionen Exemplaren.

Der Ablauf des Saturnismus ist inzwischen bekannt: Oft werden in der Natur die Innereien von Schalenwild oder auch ganze Tierkadaver zurückgelassen, die mit Bleimuninition erlegt wurden. Beim Aufprall zerspringt das Bleischrot in hunderte kleine Splitter, welche die Umwelt und das Gewebe der Beutetiere kontaminieren. Wenn die Aasfresser (Geier, Milane, Rabenvögel, Bussarde, Adler und Rohrweier) diese Reste fressen, verschlingen sie automatisch auch die Bleisplitter mit und vergiften sich.

Die ersten Anzeichen von Saturnismus wurden bei Bartgeiern entdeckt, die ab 1986, als sie kurz vor dem Aussterben standen, aktiv wieder in den Alpen angesiedelt wurden. Bartgeier ernähren sich hauptsächlich von Knochen. Im Jahr 2008 hat der Nationalpark Stilfserjoch im Rahmen des Wiederansiedlungsprojektes die letzten der elf Bartgeier freigesetzt. Einer von diesen war Ikarus, dessen Freisetzung im Martelltal mit einem großen Festakt begangen wurde. Vier Monate später fand man ihn, mit dem Leben ringend, im Rabbi-Tal wieder. Er wurde eingefangen und man stellte fest, dass er an einer akuten Bleivergiftung litt. Ein Jahr später wurde er nach erfolgter Genesung wieder freigelassen, um kurz danach in der Schweiz tot aufgefunden zu werden. Die giftigen Stoffe hatten seinen Knochenbau saturiert, dieser wies Bleiwerte von 58 mg/kg auf. Zum Vergleich: Die Schwellenwerte liegen bei 8 bis 16 mg/kg.

Der Ornithologe und wissenschaftliche Mitarbeiter des Nationalparks Stilfserjoch, Enrico Bassi, der dort die Monitoring-Projekte zu Steinadlern und Bartgeiern betreut, führte nach diesem Vorfall eine wissenschaftliche Studie durch. Hierfür sammelte und untersuchte er 252 Kadaver (von 92 Steinadlern, 112 Geiern, 19 Mönchs- und 29 Bartgeiern) aus dem Alpenraum und dem Apennin. Die Studie kam zu dem Schluss, dass 44 % der untersuchten Raubvögel, also 111 Exemplare, mindestens ein stark mit Blei verunreinigtes Gewebe aufwiesen.

Der Großteil der kontaminierten Raubvögel hielt sich im sogenannten „Viereck des Todes“, zwischen den Provinzen Trient, Bozen, Brescia und Sondrio auf – eines der neben Österreich am meisten von Saturnismus betroffenen Gebiete Europas.

In einer anderen, vom Nationalpark Stilfserjoch durchgeführten Studie, wurden Proben aus den Eingeweiden von 153 Huftieren genommen, um festzustellen, wie groß die Gefahr für Raubvögel
ist. Das Ergebnis lautete: 62 % der Proben enthielten Splitter von Bleimunition. Laut ISPRA bleiben in den Alpen jedes Jahr zwischen 34.087 und 44.266 verseuchte Eingeweide zurück – und diese Zahlen beziehen sich einzig auf die Jagd von Schalenwild.

Das Land Südtirol hat den Einsatz von Bleimunition in den Natura-2000-Feuchtgebieten und am Stilfserjoch per Gesetz verboten. Obwohl es kein allgemeingültiges Verbot gibt, präzisiert die Landesbestimmung, dass die Verwendung von nicht giftiger Munition statt bleihaltiger Munition bei der Schalenwildentnahme wünschenswert ist. Dies scheint jedoch nicht auszureichen.

Die Forschung von Enrico Bassi hat gezeigt, dass 50 % der im Land Südtirol geretteten Adler an Bleivergiftungen leiden. Vier von elf Adlern weisen ein klinisches Krankheitsbild von Saturnismus auf, mit Werten, die zu den höchsten im gesamten Alpenraum zählen. Im Jahr 2013 wurde in Laas ein Steinadler gefunden, der deutliche Symptome einer Vergiftung aufwies. Die Analysen, die nach seinem Tod aufgrund von Bleivergiftung durchgeführt wurden, zeigten letale Werte in Leber und Knochen – ein Zeichen für eine lange Exposition gegenüber Blei. In seinem Bauch wurden neben Hasenresten in der Tat 12 Bleikügelchen aufgefunden, die normalerweise nicht für Schalenwild, sondern eben für Kleintiere wie Hasen eingesetzt werden.

Die Landesverwaltung und der Südtiroler Jagdverband hatten sich vor geraumer Zeit um eine Teilnahme am LIFE-Projekt „AlpsLeadFree“ (bleifreie Alpen) beworben; dies zeigt, dass dieses Problem tatsächlich besteht und von Interesse ist. Das LIFE-Projekt sah den experimentellen Einsatz von nicht giftiger Schrotmunition für die Schalenwildjagd vor, die Bewerbung erhielt jedoch keine Finanzierung vonseiten der EU. Munition aus alternativen Materialien wie beispielsweise Kupfer ist bereits auf dem Markt und wurde ausgiebig getestet, auch in Südtirol. Der Nationalpark Stilfserjoch etwa ist eines der Gebiete, in denen der Einsatz bleihaltiger Munition nicht zulässig ist.

Das Land Südtirol hätte die Möglichkeit, dieses Verbot auszudehnen – für ein bleifreies Südtirol. Art. 9-bis des Landesgesetzes Nr. 14 aus dem Jahr 1987 ermöglicht dies. Der Artikel sieht vor, dass „die Verwendung von Bleischroten“ in Feuchtgebieten, die Teil der Zonen des europäischen Schutzgebietsnetzes sind (Schutzgebiete im Sinne der Vogelschutzrichtlinie und besondere Schutzgebiete), „[…] verboten“ ist. Zudem fügt der Artikel hinzu, dass der zuständige Landesrat „weitere Einschränkungen oder Verbote bezüglich der Jagdmittel und -zeiten verfügen“ kann.

Das Land hat also die Möglichkeit, das Verbot von Bleischrot auf andere Landesgebiete auszuweiten, indem es auf die Besonderheiten des alpinen Lebensraums und den Schutz der darin lebenden Arten pocht. Südtirol könnte so eine Vorreiterrolle im Schutz der Fauna übernehmen.

Aus diesen Gründen verpflichtet der Südtiroler Landtag die Landesregierung,

aufgrund der ihr gemäß Art. 9-bis des Landesgesetzes Nr. 14 aus dem Jahr 1987 übertragenen Befugnisse das Verbot des Einsatzes von Bleischrot im gesamten Gebiet des Landes Südtirol zu verfügen.

15.06.2022

Landtagsabgeordnete
Riccardo Dello Sbarba
Brigitte Foppa
Hanspeter Staffler

 

BESCHLUSSANTRAG.

Petitionen, kritische Medienartikel oder auch geharnischte Kommentare in Leserforen beschreiben den Zustand der Südtiroler Bildungswelt. Frust und Erschöpfung der Lehrkräfte aller Schulstufen würden dramatisch zunehmen. Altgediente Lehrer:innen würden aus Protest Pensionsfeiern verweigern, junge Lehrpersonen schauten sich immer häufiger in Österreich oder in der Schweiz nach passenden Arbeitsstellen um. In Südtirol kämen immer mehr Maturant:innen zum Einsatz, weil Pädagoginnen und Pädagogen der Schulwelt den Rücken kehren und große Lücken hinterlassen. Zustände wie in den Siebzigerjahren, wo es in Südtirol an allen Ecken und Enden an Lehrpersonal fehlte.

Im Herbst 2021 hat das ASTAT[1] über die Entlohnungen im öffentlichen Dienst informiert und dabei den Fokus auf die Schulen gelegt. Im Zeitraum zwischen 2014 und 2019 haben die öffentlich Bediensteten der Schulen einen Reallohnverlust von 2,5 Prozent hinnehmen müssen.

Dies ist extrem schmerzhaft für die Lehrer:innen, welche bereits ein niedriges Jahresbruttoeinkommen im Vergleich zu anderen öffentlichen Tätigkeiten haben. Verliert ein niedriges Einkommen auch noch an Kaufkraft, dann trifft das die Betroffenen besonders hart.

Die Empörung über die mangelnde Wertschätzung ist in der Lehrerschaft groß, darauf deuten nicht nur Medienberichte und Aussagen von Gewerkschafter:innnen hin.

Damoklesschwert Pensionierungswelle

Die Schulen werden von der anrollenden Pensionierungswelle besonders schwer getroffen. Die Babyboomer-Jahrgänge aus den Sechzigerjahren treten bald in den Ruhestand. Die freien Stellen sollten idealerweise von in den Neunzigerjahren Geborenen besetzt werden, was rein rechnerisch schwierig ist.

Kamen in den Sechzigern noch 9000 Personen pro Jahr auf die Welt, waren es in den Neunzigerjahren nur mehr 5000. Da heutzutage Vollbeschäftigung herrscht, kann folglich nur mehr jede zweite freie Stelle nachbesetzt werden. Das heißt in anderen Worten, Arbeitssuchende können unter mehreren Angeboten auswählen. Die Logik der Vergangenheit, dass Arbeitgeber:innen Arbeitnehmer:innen aussuchen wird auf den Kopf gestellt: Arbeitnehmer:innen suchen sich zukünftig Arbeitgeber:in aus.

Es entsteht also Wettbewerb um die besten Köpfe und um die attraktivsten Stellen. Die Attraktivität einer Arbeitsstelle wird mittlerweile über ein gutes Einkommen und über Faktoren wie Arbeitsklima, flexible Arbeitszeitmodell, Freizeit und Smart Working definiert. Jene, die das beste Gesamtangebot haben, machen das Rennen um die Arbeitskraft. Ob die Schulen dabei mithalten können, ist unter den zurzeit herrschenden Rahmenbedingungen mehr als fraglich.

Gegensteuern ist angesagt

Was ist aber zu tun? Es bräuchte dringend ein Finanzierungspaket, um die Gehälter der Lehrer:innen auf ein gutes Niveau zu bringen. Mittelfristig wäre das Lohnniveau um mindestens 30 Prozent anzuheben, um nur einigermaßen mit anderen Sektoren und mit den benachbarten deutschsprachigen Regionen mithalten zu können.

Und zweitens bräuchte es flankierende Maßnahmen an den Schulen. Wie kann es gelingen, Lehrer:innen an den Schulen zu halten? Dafür braucht es kreative Lösungen, die von Schule zu Schule auch unterschiedlich ausfallen können. Gewerkschaften und Schulführungskräfte sind dabei besonders gefordert. Bereits eine leichte Streckung der Pensionswelle, könnte dem Bildungssektor helfen.

Die Gefahr des Bildungsnotstandes wird zwar gesehen, aber die Bildungspolitik wirkt erstarrt. Dabei gilt es rasch zu handeln. Eine mutige Bildungsinitiative bestehend aus einem Finanzierungspaket und neuen organisatorischen Ansätzen wie Age Management, moderne Arbeitszeitmodelle oder Smart Working sind zu lancieren. Dafür müsste die üppige Investitionsquote des Landeshaushaltes um ein paar Prozentpunkte gesenkt werden. Nur so kann der drohende Bildungsnotstand abgemildert werden.

Bildungs-Finanzierung im internationalen Vergleich

Damit es eine Vorstellung gibt, wie das Südtiroler Bildungsetat im internationalen Vergleich dasteht, benötigt es vergleichbare Zahlen. Politische Vertreter:innen der Mehrheit berufen sich immer wieder auf den außerordentlich hohen Anteil der Bildungsausgaben am Landeshaushalt und wollen damit beweisen, dass niemand so viel Geld für Bildung ausgeben würde wie Südtirol.

Die Bildungsausgaben bezogen auf den Landeshaushalt sind aber mit anderen Ländern nicht oder nur schwer vergleichbar, weil mit Ausnahme von Luxemburg die Bildungsausgaben der meisten Länder in den Haushalten von Bund, Land und Gemeinden abgebildet sind. Nur in Südtirol gibt es auf Landesebene einen klaren Zusammenhang zwischen Bildungsetat und Landeshaushalt.

Aus diesem Grund wäre es sinnvoll, die Bildungsausgaben pro Einwohner als geeignete Vergleichswerte zu ermitteln.

Südtirols Bildungsausgaben liegen im oder unter dem internationalen Durchschnitt der OECD-Staaten. Bezogen auf die italienischen Bildungsausgaben pro Einwohner steht Südtirol gut da, bezogen auf die Länder wie Belgien, Dänemark oder Schweden ziemlich schlecht. Im Vergleich mit der Schweiz liegt Südtirol weit abgeschlagen.

Bildungsoffensive 2030

Bildungsexpert:innen beklagen immer öfters den Bildungsnotstand, die finanzielle Schieflage, die außerordentlich hohe Belastung und die mangelnde Wertschätzung der Lehrkräfte. Manche Insider gehen sogar so weit und beklagen, dass das gesamte Bildungssystem im vergangenen Jahrzehnt von politischer Seite heruntergewirtschaftet worden sei. Es brauche dringend ein Umdenken und es müsse vielmehr Fokus auf eine gesamtheitliche Bildungs- und Personalpolitik gelegt werden. Um das Bildungssystem attraktiver zu gestalten, benötigt es dringend ein umfangreiches Maßnahmenpaket, welches im Wesentlichen folgende Punkte berücksichtigen soll:

  • Ständige Weiterentwicklung der Schulen und der Bildungswelt organisieren
  • Attraktivitätskampagnen für den Lehrer:innen-Beruf lancieren
  • Mittelfristiges Finanzpaket erstellen und rollende KV-Verhandlungen führen
  • Aus- und Weiterbildungsinitiativen erhöhen
  • Supervision und Coaching stärken

Daher beauftragt der Südtiroler Landtag die Landesregierung

  1. Innerhalb von acht Monaten einen Entwurf zur „Bildungsoffensive 2030“ ausarbeiten zu lassen und diesen dem zuständigen Gesetzgebungsausschuss zu präsentieren.
  2. Eine vergleichende Studie der Bildungsausgaben der OECD-Staaten erstellen zu lassen mit dem Ziel, strukturelle und finanzielle Schwachpunkte des Südtiroler Bildungssystems herauszuarbeiten.
  3. Zwischenzeitlich im Rahmen von Kollektivvertagsverhandlungen für das unterrichtende Personal aller Schulstufen finanzielle Pakete zu schnüren, welche mittelfristig eine substantielle Anhebung der realen Gehälter gewährleisten.
  4. Für das unterrichtende Personal aller Schulstufen flankierende Maßnahmen wie beispielsweise Age Management, alternative Arbeitszeitmodelle, Resilienzprogramme, Coachingangebote oder andere unterstützende und wertschätzende Projekte zu konzipieren.

 

Bozen, 4.11.2022

 

Landtagsabgeordnete

Hanspeter Staffler

Brigitte Foppa

Riccardo Dello Sbarba

 

[1] ASTATinfo Nr. 54/09/2021

ANFRAGE ZUR AKTUELLEN FRAGESTUNDE.

Verkehrslärm, davon kann Südtirol mehrere Lieder singen. Keine Musik sind indes die Motorräder auf unseren Passstraßen, vor allem in den Sommermonaten ein echtes Problem. Das wissen Anwohner:innen und jede:r, die oder der je auf diesen Straßen unterwegs war. Unsere Landesregierung möchte in dieser Legislatur vor allem prüfen, ob es dieses Problem wirklich gibt und stellt Lärmmessgeräte auf. Während auf der einen Seite fleißig gemessen wird, machen deutsche Motorradunternehmen nicht weniger fleißig Werbung mit dem Safety-Park (www.riding-experience.it ). Unter dem Stichwort „Riding Experience“ wird Motorradfahrer:innen die Schönheit der Destination Südtirol suggeriert. Es drängt sich die Frage auf, ob dies im Sinne unseres Mobilitäts-LRs ist, der sich 2020 im „Spiegel“ noch damit zitieren ließ, die Tiroler Fahrverbote für Motorräder seien „ein Schritt in die richtige Richtung“ ( www.bit.ly/3muxCGX).

Daher richten wir folgende Fragen an die Landesregierung:

  1. Wie kam die oben beschriebene Zusammenarbeit zustande?
  2. Verdient oder zahlt der Safety-Park durch bzw. für diese Zusammenarbeit? Falls ja, wie viel?
  3. Welche konkreten Schritte setzt die Landesregierung derzeit, um den Lärm durch Motorräder zu verringern (Lärmschutzmessgeräte abgesehen)?
  4. Wird Südtirol dem Tiroler Beispiel folgen und Fahrverbote für Motorräder erlassen?
  5. Wo genau überschneiden sich Nachhaltigkeitsstrategie und Werbung für Motorradtourist:innen?

Bozen, 14.06.2022

Landtagsabgeordnete

Brigitte Foppa

Riccardo Dello Sbarba

Hanspeter Staffler

Von 1. bis 3. September 2022 findet die Alpentagung 2022 in Matrei am Brenner (Tirol) statt.

Spannende Referate, Gelegenheiten zum Netzwerken, interessante Exkursionen, um gemeinsam über die Zukunft der Alpen nachzudenken.

Donnerstag, 1. September 2022

  • Wanderung zur Matreier Ochsenalm und zum Wallfahrtsort Maria Waldrast
  • Empfang im Gemeindeamt durch den Bürgermeister in Matrei am Brenner
  • Keynote „Die Zukunft der Alpen in Szenarien“

Freitag, 2. September 2022

  • Workshop-Reihe 1: Die Energieversorgung aus den Alpen
    Szenarien des Energieverbrauchs und der Erzeugung für Österreich bis 2030/40 mit dem AIT – Austrian Institute of Technology und dem Klimaklub Südtirol, Biomasse und ökologische Waldwirtschaft mit dem Bundesforschungszentrum für Wald und der Tiroler Umweltanwaltschaft.
  • Workshop-Reihe 2: Der Tourismus als Kreislaufwirtschaft
    Wie funktioniert Erholung? Ist klimaneutraler Tourismus überhaupt möglich? Mit Beispielen für sanften Tourismus und Vortragenden wie MEP Sarah Wiener, Prof. Thomas Bausch von der Freien Universität Bozen und Michael Schickhofer, Autor: Schwarzbuch Alpen.

Samstag, 3. September 2022

–      Exkursion 1 nach Mals in Südtirol
–      Exkursion 2 zur TIWAG Kraftwerksbaustelle nach Kühtai

 

Die Einladung mit Programm und Anmelde-Informationen kommt im Juni 2022.

Juliane Alton stellv. Obfrau FREDA

Hanspeter Staffler Grüne Fraktion im Südtiroler Landtag

 

Bei Interesse melde Dich bitte bei Ulrike Maria Pötscher per E-Mail:  ulrike.poetscher@freda.at oder
unter der Mobilnummer: +43 (0) 680 15 74 195.