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Geschichte der Grünen

Verdi·Grüne·Vërc: Die Geschichte einer Grünen Partei in einer alpinen Region.

 

Wir Grünen Südtirols, Verdi·Grüne·Vërc (VGV), sind eine grüne, regionale und linke politische Partei, die in der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol, an der nördlichen Grenze Italiens gelegen, aktiv ist. Wir verstehen uns als politischen Ausdruck dieser mehrsprachigen Region, in der die deutsch-, italienisch- und ladinischsprachige Bevölkerung mit 140 anderen Nationalitäten zusammenlebt.

In einer Region wie Südtirol, die seit 1919 zu Italien gehört und von politischen Bewegungen und Parteien gekennzeichnet ist, die sich vor allem an der ethnischen Spaltung ausrichten, versuchen wir Grüne inklusive und multikulturelle Politik zu realisieren – und dies immer mit Respekt gegenüber der Natur und Umwelt in diesem so wichtigen Biosphären- und Lebensraum der Alpen.

Die VGV wurden 1978 gegründet und sind nach der Südtiroler Volkspartei (SVP), die bereits 1945 aus der Taufe gehoben wurde, die politische Partei mit der längsten Tradition im Südtiroler Landtag.

Bis vor einigen Jahren waren wir ein Teil der „Federazione dei Verdi“, doch nun sind wir eine autonome Partei, die 2013 bei den letzten Landtagswahlen 8,7% der Stimmen erreicht hat.

Wir VGV haben unsere Wurzeln in der „Neuen Linken/Nuova Sinistra“ und den Umweltbewegungen der 1970er Jahre. Gründer der Bewegung war Alexander „Alex“ Langer (1946-1995), geboren in Sterzing, ein charismatischer Brückenbauer der grünen Bewegung in Italien und Europa, der von 1989 bis zu seinem frühzeitigen Tod 1995 Mitglied des Europäischen Parlaments (EP) war. Monica Frassoni, Daniel Cohn-Bendit und Sepp Kusstatscher erklärten 2005, „einige von Alex’ Ideen und Vorschlägen bekamen Zustimmung weit über unser politisches Milieu hinaus und an ihn erinnert man sich immer noch als eines der bedeutenderen Mitglieder unserer Institution [EP]“.

Seit 1978 stellen wir Grünen uns den Wahlen, die formale und statutarische Gründung von „Verdi·Grüne·Vërc“ als Partei erfolgte erst im Jahre 1996. Von 1978 bis 1996 traten wir und unsere Vorgänger unter verschiedenen Namen an: „Neue Linke/Nuova Sinistra“ (1978), „Alternative Liste für das andere Südtirol/Lista alternativa per l’altro Sudtirolo“ (1983), „Grün-Alternative Liste – Lista Verde Alternativa“ (1988) und schlussendlich „Verdi·Grüne·Vërc“.

Die letzten Jahre waren fast durchweg sehr erfolgreich. Bei den Landtagswahlen 2003 erreichten wir 7,9% und damit drei Landtagsabgeordnete: Cristina Kury (*1949), bereits 1993 das erste Mal gewählt, war (und ist immer noch) eine herausragende Politikerin, die nach Alex Langers Tod Kontinuität garantierte; Sepp Kusstatscher (*1947), ein ehemaliges SVP-Mitglied und Hans Heiss (*1952).

Bei den Wahlen zum Europäischen Parlament 2004 erreichten wir Grünen 13,1% der Stimmen in Südtirol, unser bislang bestes Ergebnis, und brachten damit Sepp Kusstatscher, der Reinhold Messner ersetzte, ins EP.

Nachdem sich Cristina Kury 2008 nicht mehr bei den Landtagswahlen aufstellte, erhielten wir nur noch 5,8% und verloren damit einen Sitz. Die zwei gewählten Landtagsabgeordneten waren Hans Heiss und Ricardo Dello Sbarba. Letzterer war in der vorausgegangen Legislaturperiode, nach der Wahl Kusstatschers ins EP, in den Landtag nachgerückt.

Riccardo Dello Sbarba war von 2006 bis 2008 Landtagspräsident, obwohl wir uns als Grüne Fraktion in der Opposition befanden. Bereits Alessandra Zendron, die 1993 zur grünen Abgeordneten gewählt wurde, übernahm von 2001 bis 2003 dieses wichtige Amt. Dies brachte auch zum Ausdruck, welche zentrale Rolle Frauen bei uns innehaben: Von der Anfangszeit mit Andreina Emeri (1935-1985) bis hin zur führenden Position von Brigitte Foppa heute.

Bei den Italienischen Parlamentswahlen 2013 folgten wir VGV nicht der nationalen grünen Partei in die Allianz „Rivoluzione Civile“, sondern entschieden uns dafür, „Sinistra Ecologia Libertà“ zu unterstützen, mit Florian Kronbichler auf der KandidatInnenliste. Er war der erste deutschsprachige Südtiroler, der von einer anderen Partei als der SVP ins Parlament gewählt wurde.

Bei den Landtagswahlen 2013 erreichten wir Grünen 8,7% der Stimmen, was einem Plus von 2,9% und unserem besten Ergebnis bei einer Landtagswahl entsprach. Es konnten wieder drei Abgeordnete in den Landtag einziehen: Hans Heiss, Brigitte Foppa und Riccardo dello Sbarba. Bei den Europawahlen 2014 unterstützen wir mit unserer Kandidatin Oktavia Brugger das linke Wahlbündnis „L’Altra Europa con Tispras“.

Generell sind wir Grünen in den Städten stärker vertreten als im ländlichen Gebiet. Seit 2000 sind die Grünen Bozens Teil der Mehrheit in der Landeshauptstadt. In Meran traten die VGV unter der Führung von Cristina Kury 2015 in Koalition mit einer BürgerInnenliste an, welche die Gemeinderatswahlen für sich entscheiden konnte. Ihr gemeinsamer Kandidat Paul Rösch ist seitdem Merans Bürgermeister. In Brixen führte Hans Heiss 2005 eine grüne BürgerInnenliste an, welche mit mehr als 27% der Stimmen ein respektables Ergebnis erhielt.

Ein Blick auf die Sprachgruppenzugehörigkeit der grünen Wählerinnen verrät, dass die WählerInnenbasis der VGV zu 80% aus deutsch- und ladinischsprachigen WählerInnen besteht, aber eine recht starke Minderheit der italienischsprachigen BürgerInnen die Grünen wählt, obwohl es auf nationaler Ebene keine grüne Vertretung mehr gibt.

Wir Grünen sind in Südtirol eine der führenden politischen Kräfte. Unsere Kompetenzen erstrecken sich über verschiedene Themen, von Bildung, über Umwelt und Autonomiepolitik bis hin zu Wirtschaft und Energie. Unsere Partei unterstützt die Südtiroler Autonomie, weil wir davon ausgehen, dass dies die beste Regierungsform ist, um Rechte, Nachhaltigkeit und Gesundheit in dieser besonderen Region zu garantieren.