Der Landtag genehmigt heute den Beschlussantrag der Grünen Fraktion, der faire Preise für studentischen Wohnraum in Südtirol schaffen möchte.

In den vergangenen Jahren sind die Kosten für Wohnungen und Zimmer in unserem Land für viele Studierende unerschwinglich geworden: Heute kostet ein Zimmer im Durchschnitt zwischen 450 und 700 Euro pro Monat. Eine Summe, die für viele Familien kaum zu stemmen ist.

„Die Zimmerpreise sind zu hoch, um das Recht auf Hochschulbildung zu gewährleisten. Mit der Annahme unseres Beschlussantrags ist es uns gelungen, ein konkretes Ergebnis zu erzielen, um auch auf die Preise auf den freien Markt Einfluss zu nehmen.“ erklären die Grünen Landtagsabgeordneten Zeno Oberkofler, Brigitte Foppa und Madeleine Rohrer.

Über eine Ausschreibung soll das Land einen finanziellen Beitrag leisten, um die Preise in Studierendenheimen zu senken. Konkret soll die Differenz zwischen einem durchschnittlichen Marktpreis und einem gedeckelten, niedrigeren Mietpreis vom Land bezuschusst werden.

Ein wichtiges Ergebnis auch für das neue Studentenwohnheim am Siegesplatz: Das Land hat sich verpflichtet, einen Mietzins von 360 Euro für ein Einzelzimmer zu garantieren. Außerdem wird die Möglichkeit geprüft, Investitionsbeiträge für Heime gemeinnütziger Organisationen wieder zu aktivieren.

„Das Recht auf Hochschulbildung darf nicht von Marktlogiken abhängig sein. Es braucht öffentliche Instrumente, um leistbare Zimmer zu garantieren und für junge Studierende attraktiv zu sein“, betont Zeno Oberkofler, Erstunterzeichner des heute im Landtag angenommenen Antrags.

Weitere Informationen: Wohnraum für Studierende

Landtagsabgeordnete

Zeno Oberkofler
Brigitte Foppa
Madeleine Rohrer

Angesichts der Massaker im Iran und der brutalen Repression eines fundamentalistischen Regimes gegen friedliche Demonstrierende halten der Partito Democratico (PD) und die Grünen ein Schweigen für inakzeptabel. Deshalb wurde im Südtiroler Landtag ein gemeinsamer Antrag eingebracht, der Solidarität mit den Protestierenden ausdrückt.

Die Proteste im Iran sind Ausdruck einer tiefen Wirtschaftskrise: hohe Inflation, Engpässe bei lebenswichtigen Gütern und eine Energiekrise. Gleichzeitig fordern die Menschen mehr Freiheiten, soziale Gerechtigkeit und Frauenrechte. Die Reaktion des Regimes ist erneut Gewalt, Internetabschaltungen und die systematische Einschränkung grundlegender Freiheiten: ein Muster, das sich wiederholt.

Frauenrechte, persönliche Freiheit, körperliche Unversehrtheit, Meinungs- und Versammlungsfreiheit sowie das Recht auf ein menschenwürdiges Leben sind universell gültig. Sie sind in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und im Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte verankert. Obwohl der Iran diese Instrumente anerkannt hat, werden sie weiterhin missachtet. Schweigen oder fehlendes politisches Handeln stärkt nur ein System, das Gewalt als Herrschaftsinstrument einsetzt.

Der Begehrensantrag fordert, dass der Landtag eine klare, öffentliche und unmissverständliche Position zugunsten der iranischen Demonstrierenden einnimmt. Er soll sich eindeutig auf die Seite derjenigen stellen, die für Meinungsfreiheit, Frauenrechte und gegen Diskriminierung kämpfen – und gegen die repressiven Maßnahmen des Regimes.

Darüber hinaus soll die Landesregierung auf Staatsebene Initiativen unterstützen, die Menschenrechtsverletzungen verurteilen, die Freilassung willkürlich Inhaftierter fordern und den Schutz friedlicher Demonstrierender garantieren. Symbolische Akte und Sensibilisierungskampagnen sollen dazu beitragen, die institutionelle Aufmerksamkeit auf die Lage im Iran hochzuhalten.

Die Antragstellenden betonen, dass Stellungnahme angesichts der Ereignisse nicht nur politisches Handeln, sondern moralische Pflicht ist. Ziel des Antrags ist es, den iranischen Protestierenden zu zeigen, dass auch Südtirol ihre Proteste genau verfolgt und die Bevölkerung unterstützt, die Freiheit, Rechte und Gerechtigkeit einfordert.

Brigitte Foppa (Grüne Fraktion)
Zeno Oberkofler (Grüne Fraktion)
Madeleine Rohrer (Grüne Fraktion)

Der Südtiroler Landtag hat heute einen Beschlussantrag der Grünen zum Drug Checking abgelehnt. Politisch folgenlos bleibt die Debatte dennoch nicht. Denn Landesrat für Gesundheit Hubert Messner stellte im Plenum klar: Das Drug Checking soll auf Landesebene umgesetzt werden.

Ausgangspunkt des Antrags war die zunehmende Verbreitung synthetischer Drogen sowie die deutlich gestiegene Zahl von Menschen, die in Südtirol von Suchthilfediensten betreut werden. Die Grünen forderten ein strukturiertes und kostenloses Angebot, das es Konsumentinnen und Konsumenten ermöglicht, Substanzen anonym analysieren zu lassen. Ergänzt werden sollte dies durch fachliche Beratung zu Risiken, Dosierung und Inhaltsstoffen, sowie durch ein Frühwarnsystem für besonders gefährliche Stoffe.

In der Debatte im Landtag erkannten mehrere Abgeordnete den präventiven Wert des Drug Checkings an. Es fördere nicht den Drogenkonsum, so der Tenor, könne aber Risiken senken und Leben retten.

„Die Ablehnung des Antrags ändert nichts am politischen Ergebnis dieser Diskussion“, sagt Zeno Oberkofler, Erstunterzeichner des Beschlussantrags. „Der Landesrat hat eine klare Zusage gemacht: Drug Checking wird in Südtirol in absehbarer Zeit umgesetzt. Die Auseinandersetzung war konstruktiv und hat gezeigt, dass das Problembewusstsein da ist und wächst.“

„Drogen und die damit verbunden Problematiken gehören auf die politische Agenda. Das hat auch die Landesregierung anerkannt. Wir werden die zeitnahe Einführung des Drug Checking als zentrales Instrument der öffentlichen Gesundheitsvorsorge verfolgen.”, betonen die Grünen-Abgeordneten Zeno Oberkofler, Brigitte Foppa und Madeleine Rohrer abschließend.

Weitere Informationen: Drug Checking in Südtirol

Landtagsabgeordnete

Zeno Oberkofler
Brigitte Foppa
Madeleine Rohrer

„Nach dem gestrigen Treffen im Ministerium besteht die Hoffnung, dass sich die Angelegenheit um die Stahlwerke Valbruna in den nächsten Tagen endgültig klären wird. An diesem Punkt ist der einzige mögliche Weg die Rücknahme einer Ausschreibung, die zu viele Aspekte des allgemeinen Interesses gefährdet hat. Die Provinz Bozen hat diese leider mit zu großer Ungenauigkeit behandelt.“

Dies bekräftigt in einer Mitteilung die Senatorin der Grünen – Südtirol, Aurora Floridia, von der Fraktion für Autonomie, die die Angelegenheit gemeinsam mit den Grünen von Bozen aufmerksam verfolgt.

„Die Priorität“, so Floridia weiter, „ist der Schutz der Arbeitsplätze, der sowohl das Werk in Bozen als auch das in Vicenza betrifft. Die Sorgen und Bedürfnisse der 570 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die mit einer ungewissen Zukunft konfrontiert sind, erfordern klare und zeitnahe Antworten. Nicht zu vergessen sind dabei das Thema des nationalen strategischen Interesses und die Notwendigkeit, der gesamten Zulieferindustrie, die ebenfalls einem Klima starker Unsicherheit ausgesetzt ist, diese Sicherheit wieder zu geben.

Es war ein Fehler, eine Ausschreibung zu erstellen, die diese wesentlichen Faktoren, die für den Schutz der Interessen der Gemeinschaft, des Produktionssystems und der Beschäftigung entscheidend sind, nicht berücksichtigt hat. Jetzt liegt die Verantwortung wieder in den Händen der Provinz. Aber die Zeit drängt: Die Frist für die Ausschreibung nähert sich, und es muss schnell und klar gehandelt werden, um irreversible Folgen zu vermeiden.“

In der Januarsitzung des Südtiroler Landtags bringt die Grüne Fraktion zwei Beschlussanträge ein: eine zur Stärkung der Gesundheits- und Drogenprävention und eine zur Analyse der langfristigen Auswirkungen der Olympischen Winterspiele 2026.

 

Drug Checking: Risiken senken, Leben schützen

Mit einem Beschlussantrag greift die Grüne Fraktion eine zunehmend dringliche gesundheitspolitische Herausforderung auf: den wachsenden Konsum synthetischer Drogen und die damit verbundenen schwer kalkulierbaren Risiken. Auch in Südtirol ist die Zahl der Menschen, die von den Suchthilfediensten betreut werden, in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, während neue Substanzen den Konsum gefährlicher machen.

Die Grünen fordern daher die Einführung eines strukturierten Drug-Checking-Angebots in Südtirol. Konsumierende sollen die Möglichkeit erhalten, Substanzen anonym analysieren zu lassen und gleichzeitig fachlich fundierte Beratung über Zusammensetzung, Dosierung und Risiken zu erhalten. Ziel ist es, gesundheitliche Schäden zu vermeiden, Überdosierungen vorzubeugen und frühzeitig vor besonders gefährlichen Stoffen zu warnen.

Ein solches Angebot würde auch wertvolle Daten liefern, um problematische Entwicklungen rasch zu erkennen und gezielt darauf reagieren zu können, etwa durch ein Frühwarnsystem für besonders riskante Substanzen. Internationale Erfahrungen zeigen, dass Drug Checking den Konsum nicht erhöht, sondern die Risikokompetenz stärkt und Menschen besser erreicht, die sonst keinen Kontakt zu Hilfsangeboten haben.

„Wir dürfen nicht wegschauen: wir haben in Südtirol ein Problem mit Drogenkonsum. Das Drug Checking ist eine Möglichkeit Risiken zu reduzieren und kann im Zweifel Leben retten. Ein wichtiger Baustein für eine landesweite Präventionsstrategie.” sagt Zeno Oberkofler, Erstunterzeichner des Beschlussantrag. Voraussetzung sei eine enge Anbindung an bestehende Suchthilfe- und Präventionsstrukturen sowie eine kontinuierliche fachliche Begleitung.

 

Olympische Spiele 2026: Blick über das Event hinaus

Mit einem zweiten Beschlussantrag richten die Grünen den Fokus auf die Zeit nach den in Südtirol erstmals stattfindenden Olympischen Winterspielen. Angesichts der enormen Investitionen in Infrastruktur und Sportanlagen fordern sie eine umfassende Bewertung der sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Folgen des Großevents.

Konkret soll erhoben werden, wie sich die Spiele auf Wohnungspreise und Tourismus im ganzen Land auswirken, um bei künftigen Großveranstaltungen ein weiteres Steigen der Kosten für den Lebensunterhalt und einen überbordenden Tourismus zu unterbinden. Zudem verlangen die Grünen eine umfassende Klimabilanz für Bau der Infrastrukturen und Durchführung der Spiele. Schließlich soll eine landesweite Sportstrategie entwickelt werden, die insbesondere Kinder, Menschen mit Behinderungen und Personen mit Migrationshintergrund stärker in den Breitensport einbindet.

“Diese Olympischen Spiele wurden als die nachhaltigsten aller Zeiten angekündigt. Dafür wurde nachhaltig viel Beton, Asphalt und Stahl verbaut. Jetzt muss endlich in die Software investiert werden: eine Grenze für Wohnungspreise und Tourismus, eine inklusivere Gesellschaft und ein besseres Klima”, erklärt Madeleine Rohrer, Erstunterzeichnerin des Beschlussantrags. Die Olympischen Spiele enden nicht mit dem Erlöschen der Flamme.

 

Weitere Informationen:

 

Landtagsabgeordnete

Madeleine Rohrer
Zeno Oberkofler
Brigitte Foppa

Seit ein paar Wochen kann man die Empörung unter den BürgerInnen vom Gadertal spüren, eine Empörung, die Richtung Verzweiflung geht. Das Schloss, die Gran Ciasa in La Villa steht nun tatsächlich zum Verkauf. „Ein zeitloses Schloss im Herzen der Dolomiten“ kann man auf der Webseite von Sotheby‘s lesen. „Vertrauliche Verhandlung“, natürlich. Man munkelt von über 20 Millionen Euro.

Schon vor ein paar Jahren wollte man das Schloss verkaufen, an die Gemeinde. Eine von der Gemeinde beauftragte Schätzung hatte die historische Immobilie auf einen Wert von ca. 3,5 Millionen Euro geschätzt. Das Schloss steht unter Denkmalschutz, die Gemeinde hätte ein Vorverkaufsrecht. Aber wie kann eine Gemeinde eine Investition von 20 Millionen Euro für ein Schloss rechtfertigen? Das historische Erbe der Ladiner wird wohl in der Hand irgendeines Investitionsfonds oder eines superreichen Menschen landen. Der Ausverkauf der Heimat in seiner besten Weste.

„Es geht hier nicht darum, jene zu kritisieren, die diese Immobilie zum Verkauf freigeben, sondern die Perversität eines Systems aufzuzeigen, dass keine soziale Nachhaltigkeit mehr kennt. Das Immobiliensystem in Südtirol ist der Spekulation verfallen.”, so Elide Mussner, Co-Sprecherin der Südtiroler Grünen und Gemeinderätin in Abtei. Die Gründe sind mehrere, darüber könnte man viel – und wird auch viel – diskutieren. Unter anderem die weltweite Bekanntheit des Landes und im gleichen Moment die geringe Verfügbarkeit von Immobilien auf dem Markt, beide Faktoren lassen die Preise nach oben schnellen. 45 Quadratmeter für 500.000 Euro u.s.w. Wenn es dann um historische Gebäude geht, da fehlt es an öffentlicher Unterstützung. Es ist fast unmöglich geworden, ein historisches Gebäude wie die Gran Ciasa mit privaten Mitteln zu erhalten, außer, man könnte daraus ein Geschäft machen, alias ein Hotel. Der Bettenstopp lässt es im Moment aber nicht zu.

Die Situation ist verzwickt. Die Menschen enttäuscht. „Unsere ladinische Identität wird verkauft“, heißt es unter den Bürgern.

Wenn das Land Südtirol gemeinsam mit den Gemeinden hier was tun könnte, wie aus dem Schloss einen öffentlich zugänglichen Raum machen, der Kultur, Kunst und Begegnung fördert. Für die LadinerInnen. Das wäre eine konkrete Investition in die soziale Nachhaltigkeit!

Elide Mussner
Co-Sprecherin Verdi Grüne Vërc
Gemeinderätin Abtei

Die Generalversammlung der FYEG federation of young european greens wird 2026 nach Südtirol kommen, sie ist das wichtigste Event für Entscheidungen und wird vom 28. – 30. Mai 2026 in Bozen stattfinden.

Die young greens southtyrol (YGS) haben etwas Großartiges geschafft. Sie wurden ausgewählt, die jährliche Generalversammlung der jungen Europäischen Grünen zu hosten. Die jungen europäischen Grünen sind junge, motivierte Menschen, die auf europäischem Level für die gleichen Ziele einstehen. Seit mehr als 30 Jahren kämpfen die Mitgliedsorganisationen zusammen für ein gerechteres Europa. Gemeinsam organisieren wir Kampagnen und setzen uns für Bildung ein. Zum Beispiel durch verschiedene Bildungskampagnen, wie dem Sommercamp zum Thema soziale Gerechtigkeit. Wir kämpfen für ein offenes und feministisches Europa, welches sich für queere und körperlich beeinträchtigte Personen stark macht und anti-rassistisch und anti-faschistisch ist. Wir wollen ein demokratisches Europa, welches die Rechte der Menschen schützt und sich dafür einsetzt, dass junge Menschen aktiv ihre Zukunft mitgestalten können.

Wir fordern eine grüne und gerechte Zukunft, die fundiert auf Wirtschaftsdemokratie, gerechter Verteilung von Reichtum, sozialer Gerechtigkeit und einem Austausch zwischen den Generationen. Die zwei Co-Sprecherinnen YGS, Camilla Cristofoletti und Lisa Wierer sind sehr erfreut darüber, dass Bozen ausgewählt wurde. Denn Südtirol ist Europa im Kleinen. Hier werden verschiedene Sprachen gesprochen, wir sind ein Melting Pot der Kulturen und darauf können wir stolz sein. Hier haben wir die Gelegenheit, dies auf europäischer Ebene zu zeigen.

„Es werden mehr als 120 Personen zu diesem Event anreisen und wir hoffen auch auf eine rege Beteiligung der Bevölkerung von Südtirol, lasst uns gemeinsam eine bessere Zukunft gestalten!“, so Camilla Cristofoletti. Lisa Wierer ergänzt: „Für die lokale Politik ist das DIE Gelegenheit, die Anliegen der jungen Menschen besser zu verstehen und anzupacken. Im Landtag sowie auch in der Gemeindepolitik sind die jungen Menschen von Südtirol kaum vertreten, vielleicht auch deshalb wandern so viele junge Menschen aus“.

„Es ist uns eine große Ehre, die nächste GA in Bozen halten zu dürfen, besonders als kleinstes Organisationsmitglied ist dies ein unglaublicher wichtiger Moment, vor allem auch dieses Jahr, wo Olympia stattfinden wird, ist es uns wichtig zu zeigen wie man respektvoll mit Menschen und Umwelt umgehen kann“, schließen Cristofoletti und Wierer.

Co Sprecherinnen der YGS
Camilla Cristofoletti
Lisa Wierer

Der Konflikt um die Arbeitsbedingungen bei der SASA, dem Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs in Bozen, Meran und Leifers, ist längst mehr als ein Gewerkschaftsstreit. Er hat sich zu einem sozialen und politischen Problem entwickelt. Streiks, Personalmangel, belastende Arbeitszeiten und zunehmende Gewalt in den Fahrzeugen gefährden einen grundlegenden öffentlichen Dienst.

Die aktuellen Proteste sind kein neues Phänomen. Seit Jahren werden schlechte Arbeitsbedingungen, unzureichende Löhne und Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung kritisiert. Maßnahmen wie der Einsatz von Bodycams können hilfreich sein, ersetzen aber keine strukturellen Lösungen für Sicherheit, Prävention und berufliche Anerkennung.

Die Ablehnung des am 27. November unterzeichneten Tarifabkommens in einem internen Referendum, das lediglich symbolische Nacht- und Sonntagszulagen sowie einmalige Welfareleistungen vorsieht, stellt ein unmissverständliches politisches Signal dar: Die vorgeschlagenen Maßnahmen werden weder der Würde der Arbeit noch der gesellschaftlichen Bedeutung des öffentlichen Verkehrs gerecht.

„Es geht nicht um Privilegien, sondern um Respekt gegenüber jenen, die täglich einen unverzichtbaren Dienst leisten.“, erklärt Luca Bertolini, Co-Sprecher der Grünen Südtirols. „Das Land muss als Mehrheitsgesellschafter der SASA Verantwortung übernehmen und ernsthafte, transparente Verhandlungen ermöglichen.“

Die Grünen werden das Thema in Gemeinderäten und im Landtag aufgreifen und klare Antworten zu Arbeitsbedingungen, Sicherheit, Bezahlung, Personalmangel und Zukunftsperspektiven verlangen. Als mehrheitlich vom Land kontrolliertes Unternehmen darf sich die SASA dem Dialog nicht entziehen.

„Wir können uns keinen geschwächten öffentlichen Verkehr leisten“, so Bertolini abschließend. „Es braucht politischen Mut, strukturelle Investitionen und eine langfristige Strategie. Ohne würdige Arbeitsbedingungen gibt es keinen funktionierenden öffentlichen Verkehr und keine glaubwürdige nachhaltige Mobilität.“

Der Landtag hat heute zwei Tagesordnungen der Grünen Landtagsfraktion im Rahmen der Haushaltsdebatte angenommen: einer zum Ausbau und zur Anpassung des Betreuungspfades „Rund um die Geburt“, der andere zur Mobilität rund um die neuen Krankenhhausstrukturen in Meran. Abgelehnt wurde der Antrag zur Anpassung der Fixpreisabos für junge Menschen.

Ausbau und Anpassung des Betreuungspfades „Rund um die Geburt“

Der Betreuungspfad „Rund um die Geburt“ ist ein zentraler Bestandteil des Gesundheitswesens. Er gewährleistet Frauen während Schwangerschaft, Geburt und Nachbetreuung eine sichere und kontinuierliche Versorgung und schützt gleichzeitig die Gesundheit der Neugeborenen im ersten Lebensjahr. In Südtirol ist seine Umsetzung jedoch uneinheitlich: Nur der Gesundheitsbezirk Bozen hat den Großteil der in der Beschlussvorlage von den 2018 vorgesehenen Maßnahmen umgesetzt. In den anderen Gesundheitsbezirken bestehen Verzögerungen, Personalmangel und ein seit 2021 inaktiver Koordinierungsausschuss.

„Dank unseres Vorschlags wird der Betreuungspfad Rund um die Geburt nun endlich vollständig umgesetzt, ebenso wie die diagnostisch-therapeutischen Betreuungspfade in allen Bezirken, und das notwendige Personal dazu eingestellt. Außerdem wird die berufsübergreifende Steuerungsgruppe auf Landesebene wieder eingerichtet“, erklärt Zeno Oberkofler, Erstunterzeichner des Antrags. Der Beschluss von 2018 wird aktualisiert, sodass sie mit den staatlichen Vorgaben und den WHO-Empfehlungen übereinstimmt und unterschiedliche Betreuungspfade für Schwangerschaften mit verschiedenen Risikostufen definiert.

„Ein qualitativ hochwertiger Betreuungspfad Rund um die Geburt schützt die Rechte der Frauen, der Kinder und der Familien. Dafür muss die Arbeit der Hebammen in allen Gesundheitsbezirken des Landes aufgewertet werden“, betont Oberkofler.

Krankenhausstrukturen (noch nicht) in Bewegung

„In Meran ist die Verkehrssituation rund um das Krankenhaus komplex, und es fehlt an Koordination und Planung. Auch die geplante Erhöhung der Anzahl der Parkplätze wird die Probleme kaum lösen, wenn sie nicht von einem echten Konzept für integrierte Mobilität begleitet wird“, so Madeleine Rohrer, Erstunterzeichnerin des im Landtag angenommenen Antrags. Der Beschlussantrag zum Haushaltsgesetz verpflichtet die Landesregierung, einen detaillierten Mobilitätsplan für das Krankenhaus, das neue Seniorenheim und das neue Gemeinschaftshaus zu erstellen – in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Meran und der Bezirksgemeinschaft Burggrafenamt.

„Gute Gesundheitsversorgung betrifft nicht nur Abteilungen und Personal, sondern auch, wie Menschen dorthin gelangen können. Wir wollen die Schwierigkeiten für Patientinnen und Patienten, Angehörige und Beschäftigte abbauen“, so Rohrer.

Anpassung der Fixpreisabos für junge Menschen

Abgelehnt wurde hingegen der Vorschlag, junge Menschen durch günstige Öffi-Tickets finanziell zu entlasten. „Unsere Forderung beruhte auf der Feststellung, dass heute viele junge Menschen länger für ihr Studium benötigen, viele müssen arbeiten oder sich um Familienangehörige kümmern“, betont Brigitte Foppa, Erstunterzeichnerin des Antrags. In einer Tagesordnung forderte sie, die Altersgrenze für den südtirolmobil U26 Pass für Universitätsstudierende auf 28 Jahre und jene für das Euregio Ticket Students auf 30 Jahre anzuheben.

„Wir hätten den Studierenden gerne eine konkrete Unterstützung geboten, da die Kosten während des Studiums immer weiter steigen. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, damit das Recht auf Bildung nicht vom Einkommen der Eltern abhängt“, schließt Foppa.

Weitere Informationen:

Landtagsabgeordnete

Brigitte Foppa
Madeleine Rohrer
Zeno Oberkofler

Rede von  Madeleine Rohrer zum Haushalt.

Sehr geehrter Herr Präsident,

sehr geehrter Herr Landeshauptmann,

geschätzte Kolleginnen und Kollegen,

der Landeshauptmann hat letzte Woche eine Haushaltsrede gehalten, die für viele beeindruckend war. Ein Haushalt von 8,76 Milliarden Euro, über sechshundert Millionen mehr als im Vorjahr. Ein neuer Rekordhaushalt.

So außergewöhnlich ist das nicht: Ein Rekordhaushalt, wie es der im letzten Jahr einer war. Und der im Jahr davor. Und der im Jahr davor. Wie überhaupt in jedem der letzten sieben Jahre. Seit Arno Kompatscher 2014 seine erste Rede zum Landeshaushalt gehalten hat, ist er um 65 Prozent gewachsen. Auf heute fast 9 Milliarden Euro – das sind schon beeindruckende Zahlen. Und wir brauchen ja nicht so zu tun, als würde es Südtirol wirtschaftlich schlecht gehen.

Mindestens genauso beeindruckend ist für mich angesichts dieser Rekordhaushalte die Liste der Probleme, die sich in Südtirol seit Jahren und Jahrzehnten aufzustauen scheinen wie am letzten Wochenende die Autos auf unseren Straßen. All das Geld, von dem jedes Jahr noch mehr vorhanden ist, reicht nicht aus, um echte Lösungen voranzutreiben für einige ganz grundlegende Herausforderungen. Herausforderungen, die uns in Südtirol nicht erst seit heute beschäftigen oder seit gestern, sondern genauso seit Jahren, seit Jahrzehnten sogar.

Dinge, die in unserem Land mit all seinem Geld – trotz all seines Geldes – aus dem Gleichgewicht und ins Rutschen geraten sind. Dinge, die mit jedem Jahr schlimmer zu werden scheinen. Und die Landesregierung? Sie versucht durch Bewegungslosigkeit die Balance wiederherzustellen.

Vielleicht ist all das Geld sogar mit Schuld daran, dass Veränderungen und Reformen nur in marginalen Portionen möglich sind, und dass wir statt mit Mut und Optimismus mit vorsichtigen Babyschritten in die Zukunft trippeln.

Jene, die wie meine Kollegin Brigitte Foppa schon länger hier sind, haben den Eindruck, dass der Landeshauptmann jedes Jahr die gleiche Rede zum Haushalt hält. Und da ist etwas dran. Jedes Jahr heißt es: Alles ist gut, es gibt wieder mehr Geld zu verteilen, und zwar hier und dort, für dieses und für jenes: Wir können ja alle zufrieden sein. Und vieles von dem, was der Landeshauptmann da angekündigt hat, sind lobenswerte Initiativen, alle natürlich in wohlklingenden Sätzen gepackt

Auch das ist nichts Neues: Bei den Ankündigungen, da brechen diese Landesregierung und insbesondere der Landeshauptmann nämlich ebenfalls Rekorde – ob es um mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung geht, um den Bozner Flughafen, um die Nachhaltigkeit und die erinnerungswürdigen Sustainability Days, oder um die inzwischen legendäre Konzession der Brennerautobahn.

Aber viel Geld allein macht noch keine gute Politik. Und auch von all dem Geld, das es zu verteilen gibt, kann man sich keine Visionen kaufen, keine innovativen Ideen und auch nicht die Bereitschaft, verkrustete Strukturen aufzubrechen. Kein Mut zu echten Reformen, und auch nicht die Geradlinigkeit und Konsequenz, wenn die gut vernetzten Lobbys wieder ihr gesamtes Gewicht in die Waagschale werfen.

Womit wir wieder beim Gleichgewicht sind, das verloren gegangen ist.

Ist doch alles gut, sagt der Landeshauptmann – immerhin gibt es wieder mehr Geld zu verteilen. Doch all das Geld scheint nicht zu genügen, um beim Tourismus ein Gleichgewicht zu finden.

Sicher ist: Der Tourismus in unserem Land ist wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung. Er war historisch bedeutsam für den wirtschaftlichen Aufschwung und er ist es bis heute geblieben. Doch in seinen heutigen Ausmaßen belastet er wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig die Menschen, die dauerhaft hier wohnen. Und sehr viele dieser Menschen sagen: Stopp, es ist zu viel, es braucht Grenzen, es braucht einen Ausgleich.

In der Landesregierung ist davon noch immer nichts angekommen. Das hat vielleicht auch mit dem vielen Geld zu tun, das es zu verteilen gibt.

Die Touristenströme, sagt der Landeshauptmann, müssten nur besser gelenkt und jene Gegenden, die touristisch schwach entwickelt sind, gezielt unterstützt werden. Wie die Lenkung des Tourismus funktioniert, haben wir an diesem langen Wochenende erleben dürfen: mit einem abgeriegelten Waltherplatz und Straßen ohne Durchkommen.

Der für Tourismus zuständige Landesrat – der Kollege Walcher, der bisher eher mit seiner Politik zu Hund und Isegrim aufgefallen ist – meinte kürzlich erst weltabgewandt in der Tagesschau, wir hätten beim Wolf mehr Hotspots als im Tourismus. Bei 37 Millionen Übernachtungen auf etwas mehr als einer halben Million Einwohnerinnen und Einwohner.

In den letzten 15 Jahren haben wir fast 9 Mio. Nächtigungen „dazugewonnen“. Für dieselbe Steigerung haben wir zwischen 1980 und 2010 ganze 30 Jahre gebraucht – jetzt schaffen wir’s in der Hälfte Zeit. Diese Beschleunigung, dieses Immer-Mehr ist es, was die Menschen im Land überfordert.

Zur Beruhigung hat noch die vorige Landesregierung 2022 einen „Bettenstopp“ beschlossen. Nur ist der Bettenstopp gar keiner – nicht umsonst hat der Landeshauptmann in seiner Rede vorige Woche nur mehr vage von einer „Limitierung von Gästebetten“ gesprochen. Denn seit 2022 sind fast 34.000 Gästebetten neu hinzugekommen. Dazu gibt es eine Reihe von Ausnahmen, wie für den ständig wachsenden Urlaub am Bauernhof, oder die „erworbenen Rechte“, die noch bis Herbst 2026 verwirklich werden können, weil sie noch kurz vor Inkrafttreten des Bettenstopps in einer Torschlusspanik genehmigt wurden. Die Landesregierung weiß bis heute nicht einmal, wie viele es noch sind, aber denkt jetzt unter dem Druck der Lobbys nach, ob man diese Frist nicht eventuell doch verlängern könnte.

Keine Mäßigung, kein Ausgleich, kein Gleichgewicht. Im Gegenteil.

Damit uns noch mehr Menschen in aller Welt entdecken, wurde Südtirol zum Olympialand. „Millionen von Menschen weltweit werden unsere schöne Landschaft vor dem Fernsehgerät zu sehen bekommen“, so der Landeshauptmann in seiner Haushaltsrede. Werden diese Gäste aus aller Welt mit dem Zug anreisen, um Menschen und Straßen in Südtirol zu entlasten? Werden sie länger im Land bleiben als für einen Wochenendtrip mit Seceda, Seiseralm, Ötzi und Weihnachtsmarkt?

Wer auf weltweite Werbung setzt, braucht sich nicht zu wundern, wenn der Zirkus manchen langsam zu bunt wird – und zwar nicht nur den Menschen in Südtirol, sondern auch unseren traditionellen Gästen. Im Sommer dieses Jahres sind 3 % weniger Menschen aus Deutschland gekommen als noch im Sommer 2024. Dafür mehr Gäste aus den USA und aus asiatischen Ländern wie Südkorea. Und eines ist sicher: Wer von weit kommt und nur kurz bleibt, der scheut auch keine Kosten für Rundflüge mit dem Heli oder hohe Eintrittsgebühren.

Ist doch alles gut, sagt der Landeshauptmann – immerhin bedeutet das, dass wir wieder mehr Geld zu verteilen haben. Und wie im Rausch merken viele gar nicht, dass die Balance abhanden gekommen ist.

Aber jene, die unter den negativen Begleiterscheinungen leiden, die merken es. Die Menschen, die keine leistbare Wohnung mehr finden, weil Gäste aus aller Welt eben mehr Geld bringen. Südtirolerinnen und Südtiroler, arbeitende Menschen des Mittelstands, für die das Leben in ihrer Heimat ein (zu) teurer Spaß wird.Daran ändert auch eine aufgestockte Mindestrente für 3.000 Seniorinnen und Senioren nichts, die sich diese Unterstützung sicher verdienen.

Wir jagen von einem Rekordhaushalt zum nächsten, doch alle Versuche der Landesregierung, das Problem des überteuerten Wohnens in den Griff zu bekommen, sind in den letzten Jahren gescheitert. Und es mehren sich die Hinweise darauf, dass die groß angekündigte Wohnreform ein ähnliches Schicksal erleiden wird.

Trotz all der Rekordhaushalte stellt die Landesregierung heute für den öffentlichen Wohnungsbau kaum mehr Geld zur Verfügung. Zwar gab es noch nie viel Geld im Landeshaushalt, aber für Raumordnung und Wohnungsbau sind gerade einmal 1,5 Prozent vorgesehen. Es bleibt bei vagen Ankündigungen und Versprechen zum Nachtragshaushalt, und für den Mittelstand das Modell „Wohnen mit Preisbindung“, das so vielversprechend ist, dass der Landeshauptmann dazu in seiner Haushaltsrede kein Wort verloren hat.

Ist doch alles gut, sagt der Landeshauptmann – immerhin haben wir noch ein bisschen mehr Geld zu verteilen. Wir arbeiten ja schon längst daran, ihr könntet ja auch endlich zufrieden sein und aufhören mit dem Kritisieren.

Nur leider sind das ja nicht die einzigen Probleme, bei denen diese Landesregierung mit all dem Geld vor allem Ankündigungen produziert und nur wenig echte Lösungen. Ein weiteres Beispiel: die Klimapolitik.

In seiner Haushaltsrede listet der Landeshauptmann mit auffälliger Genauigkeit die Anzahl der installierten Photovoltaikanlagen auf, und die 47,5 Millionen für mehr Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Löblich die Ankündigung, wieder die OECD für eine Evaluierung der Nachhaltigkeitsstrategie „Everyday for Future“ einzubeziehen, und zwar freiwillig.

Doch was ist von dem ursprünglichen Ziel geblieben, Südtirol bis 2040 klimaneutral zu machen? Als wohlhabendes, vergleichsweise dünn besiedeltes Land, mit viel Wasserkraft: Kaum jemand hätte bessere Voraussetzungen als wir! Doch der Landeshauptmann verliert kein Wort mehr darüber.

Die Daten, die die Klima- und Umweltagentur und die Eurac über die klimaschädlichen Gase in Südtirol veröffentlicht haben, zeigen mit aller Deutlichkeit: Südtirol verfehlt die Zielvorgaben in der Klimapolitik, die selbst gesetzten ebenso wie die international vereinbarten. Auch da sind wir aus dem Gleichgewicht geraten. Dabei ist der Klimawandel inzwischen vor unserer Haustür spürbar: Der Juni war in den höheren Lagen wie dem Pustertal der wärmste überhaupt. Im Juni lagen die Temperaturen um rund 3,5 Grad Celsius über dem langjährigen Durchschnitt. Im Burggrafenamt und Vinschgau gab es nur die Hälfte des für Juni üblichen Niederschlags. Das macht etwas mit unserer Gesundheit, den Tieren und Pflanzen, der Landwirtschaft und damit auch mit einem Pfeiler der Südtiroler Wirtschaft.

Und was tut die Landesregierung in einem Moment historischer Dringlichkeit, um das Gleichgewicht wiederherzustellen? Die Vorschläge des Klimabürgerrats sind in irgendeiner Schublade verschwunden. Zu einem echten Klimaschutzgesetz, wie es dutzende Verbände in Südtirol fordern und mit dem man auch lokale Kreisläufe und Betriebe fördern könnte, kann man sich nicht durchringen. Und auch der Landeshaushalt selbst wurde natürlich nicht auf seine Klimatauglichkeit geprüft. Damit könnte man sicherstellen, dass öffentliche Gelder in Projekte investiert werden, die Südtirol nachhaltiger und enkeltauglicher machen.

Jetzt regt euch nicht auf, sagt der Landeshauptmann. Es ist doch alles gut – immerhin haben wir noch ein bisschen mehr Geld zu verteilen. Und mit dem Landeshaushalt fließen ja auch Millionen in die Nachhaltigkeit. Eben. 0,96 Prozent sind für Energie vorgesehen, gerade 1,62 Prozent für nachhaltige Entwicklung und Umwelt. Im Gegenzug leisten wir uns noch ein paar neue Straßen und Skipisten, noch ein paar von öffentlicher Hand großzügig geförderte Lifte und betonieren Auwälder zu.

Mehr Geld allein macht noch keine gute Umwelt- oder Klimapolitik. Nicht, wenn auf der anderen Seite zentrale Entscheidungen nicht getroffen und das allgemeine Wohl den Interessen einiger weniger geopfert wird. Ein paar Beispiele der Landesregierung:

1) Bis Ende 2024 hätte die Landesregierung die Maßnahmen und Ziele für die Natura-2000-Schutzgebiete beschließen müssen. Dazu läuft auch ein Vertragsverletzungsverfahren der EU gegen Italien. Der italienische Umweltminister hatte 2023 sogar mit einem Schreiben ans Land die möglichen wirtschaftlichen Konsequenzen, in Form von einbehaltenen Fördergeldern, bei Nichteinhaltung der Verpflichtung aufgezeigt. Aber bis heute ist die Landesregierung zu keinem Konsens gekommen und hat vor allem mit dem Bauernbund keine Einigung gefunden.

2) Die negativen Gutachten der Experten und Beiräte werden häufig ignoriert. So wurde das Projekt für die neue Kabinenbahn auf den Kronplatz trotzdem genehmigt, samt Steigerung der Transportkapazität und neuer Piste bis zur Mittelstation. Und damit es erst gar nicht möglichen negativen Gutachten kommt, wird möglichst an die Gemeinden delegiert (landschaftsrechtliche Genehmigung), die Beamten eingeschränkt (Kontrolle UVP-pflichtiger Projekte vor Ort) oder versetzt.

3) Das Land hat inzwischen mehr als 21 Millionen für die Gemeindeentwicklungsprogramme bereitgestellt. Gute Planung kostet. Aber für keines dieser aufwändig erstellten Dokumente muss nachgewiesen werden bzw. wird überprüft, ob sie positiv oder negativ für Südtirols Klimaneutralität sind. Von einem Klimacheck der Gemeindeentwicklungsprogramme wollte die Landesregierung bisher nichts wissen.

 

Ist doch alles gut, sagt der Landeshauptmann, ein paar Dinge muss man eben in Kauf nehmen. Erstens gibt es immerhin genug Geld zu verteilen und dann ist da auch noch die Sache mit der Autonomie.

Ja, die Autonomie.

Die Autonomie hat uns in Südtirol, zusammen mit Fleiß und einigen anderen glücklichen Umständen, zu Wohlstand geführt. Doch das viele Geld ist wie ein Schleier, der sich über viele Probleme legt. Es ist kein Kitt für Südtirol, es hilft dem Zusammenleben der verschiedenen Sprachgruppen und Menschen im Land nicht. Die Autonomie ist über ein Instrument zum Schutz der Sprachgruppen kaum hinausgekommen. Für viele Menschen bedeutet sie leider kein Miteinander, nicht einmal ein Nebeneinander, sondern ein Ohneeinander.

Die anstehenden Korrekturen am Autonomiestatut werden die Menschen in ihrem Alltag nicht weiter zusammenführen. Sie werden nicht die Beteilung und Lust an der Politik erhöhen. Wer heute schon das Gefühl hat, in unserer Gesellschaft keine Stimme zu haben und nicht gehört zu werden, wird sich weiter zurückziehen oder weiter empören.

Die meisten Menschen werden die Änderungen nicht einmal wahrnehmen. Was sie dagegen wahrnehmen, ist eine Politik, in der es keinen Platz für sie gibt, und die sie nicht hört. Das betrifft insbesondere Menschen, die sich der italienischen Sprachgruppe zugehörig erklären: Sie wirken immer weniger in den politischen Institutionen mit. Das sehen wir hier im Landtag. Das haben wir auch bei diesen Gemeindewahlen gesehen. Landesweit wurden nur mehr 134 Personen der italienischen Sprachgruppe gewählt. So wenige wie nie in diesem Jahrhundert. Vor zehn Jahren waren es noch 167 Personen.

Die italienische Sprachgruppe bewertet ihre Möglichkeiten der Teilnahme an der Gemeinschaft vor Ort und an der Politik als schlechter als die Deutschsprachigen. Das stellt die Uni Bozen (2023) in ihrer Studie zu Lebensqualität und Tourismus fest.

Ist das nur eine Frage der Generationen? Ändert sich das ohnehin mit den Jungen, die nachkommen?

Das Südtiroler Sprachbarometer 2025 zeigt, dass gerade die jüngsten Südtirolerinnen und Südtiroler (zwischen 16-34 Jahre) das Zusammenleben der Sprachgruppen am schlechtesten bewerten (26 Prozent ungenügend bis mangelhaft) und dass es gerade die Jüngsten mit der höchsten Ausbildung sind, die sich vorstellen können, unser Land zu verlassen (54 Prozent!).

Und nicht zuletzt sieht die Landesregierung mit ihrer Politik auch jenen Menschen nicht, die in mehreren Welten zuhause sind, in der deutschen Kultur, der italienischen und vielleicht noch einer ganz anderen – die wichtige Brücken bauen und damit auch unsere Gesellschaft zusammenhalten. Laut Sprachbarometer sind das in Südtirol immerhin 26.000 Menschen, also etwas mehr, als Brixen Einwohner hat. Genauso wenig erkennt die Landesregierung die Tatsache an, dass gerade jene die besseren Chancen und wirtschaftliche Aussichten haben, die in einem mehrsprachigen Land auch mehrsprachig sind.

Unsere Autonomie könnte so viel mehr sein, wenn die SVP nur endlich nach vorne schauen würde! Was wir bräuchten, ist ein großes, gemeinsames Projekt, das mit Mut und Optimismus in die Zukunft schaut und ein neues Gleichgewicht auch zwischen den Sprachgruppen und den Menschen im Land ermöglicht. Ein Projekt, das sich traut, verkrustete Strukturen aufzubrechen.

Nur ein Beispiel: Die Einrichtung von zweisprachigen Schulen auf freiwilliger Basis wird laut Sprachbarometer von 70 Prozent der Menschen im Land unterstützt! Wo gibt es heute noch solche Zustimmungsraten zu einer Frage? Aber der Landeshauptmann, die SVP und die Freiheitlichen erteilen diesem Vorschlag ein ums andere Mal eine klare Absage und diskutieren stattdessen lieber Einschränkungen bei der Schulwahl oder beim Wechsel zwischen den Schulstufen.

Dieser Haushalt hat auch gute Seiten, dass endlich mehr Geld für die Lehrkräfte vorgesehen ist, dass die Riggertalschleife im Bau ist, die Unterstützung der Aufzucht von Jungvieh zum Beispiel. Aber es ist eben bei weitem nicht alles gut – trotz Rekordhaushalt, trotz des ganzen Geldes, das zu verteilen ist.

Tatsächlich drängt sich nicht nur bei mir oder meinem Kollegen Zeno Oberkofler der Eindruck auf: Diese Landesregierung hat keine klare Idee, wo Südtirol überhaupt hinsoll. Sie kündigt groß an und verliert sich dann im Kleinklein zwischen Hundekothäufchen und Lobbyinteressen, die sie bedienen muss.

Was hat die Mehrheit in dieser Legislatur an neuen Gesetzen eingebracht? Praktisch nichts. Es gibt ein neues Gesetz zum Brandschutz, das bereits in der Legislaturperiode davor fix und fertig war. Und ein neues Gesetz zum Pflanzenschutz. Aber das ist eines, dass ein bestehendes Gleichgewicht aushebelt, statt den Ausgleich zu fördern.

Die großen Herausforderungen von den Lebenshaltungskosten bis zum Klimaschutz aber geht die Landesregierung zögerlich oder gar nicht an und verkauft jeden kleinen Schritt in die richtige Richtung, als hätte sie das warme Wasser erfunden.

Der Landesregierung sind, auch wegen des sprudelnden Geldes, die Ideen und der Mut ausgegangen. Sie klammert sich mit aller Macht an das Bestehende und ignoriert, dass Südtirol in etlichen Bereichen aus dem Gleichgewicht geraten ist. Das geht auf Kosten der Zukunft. Es schadet unserer Gesellschaft, dem Wirtschaftsstandort Südtirol und auch der Demokratie in unserem Land.

Und das ist angesichts des achten Rekordhaushalts in Folge, eine ernüchternde Diagnose.