Abschied von Christoph Hartung von Hartungen (1955-2013)

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Bozen, den 25. Februar 2013

Dass Christoph Hartung von Hartungen urplötzlich verstorben ist, mag man sich kaum vorstellen. Mit seiner Frau Dorothea gehörte er zum Erscheinungsbild Bozens und Südtirols, als Lehrer, Historiker, öffentliche Person und genauer Beobachter von sanfter, nie verletzender Ironie.

Christoph fühlte sich zu öffentlichem Einsatz wie selbstverständlich verpflichtet, neben der Sorge für die Familie und seiner beruflichen Arbeit als Oberschullehrer am Gymnasium „Walther von der Vogelweide“. Engagement und Einmischung waren ihm Lebenselixier, seit der Oberschulzeit am Franziskanergymnasium und als Aktiver in der Südtiroler Hochschülerschaft in den späten siebziger Jahren.

Seine große Begabung als Historiker trat auch bald öffentlich zu Tage: Schon um 1980 war er an der Wiederentdeckung des Bauernrebells Michael Gaismair in Südtirol maßgebend beteiligt, er hinterfragte bereits 1984 den Mythos von Andreas Hofer und legte mit Reinhold Staffler 1985 die erste handliche, gut lesbare Geschichte Südtirols im 20. Jahrhundert vor. Von konservativen Publizisten des Landes als einer der „selbsternannten Historiker“ geschmäht, war Hartungen damals unter einer jüngeren Historiker-Generation gewiss die Persönlichkeit mit dem universalsten Geschichtsbild und -wissen – von der Antike über Oswald von Wolkenstein bis zu den Weltkriegen. Und er war begnadeter Geschichtsvermittler, in unzähligen Vorträgen und Publikationen, als Mitarbeiter an Dorfbüchern, bei Führungen vor Ort, vor allem als mitreißender, anregender Lehrer mehrerer Schüler-Generationen. Hartungen war Mittler zwischen den Sprachgruppen, der ein italienischsprachigem Publikum ebenso souverän einzunehmen wusste wie ein deutschsprachiges Auditorium.

Ein wenig umwehte Christoph die altösterreichische, übernationale Aura der Habsburgermonarchie, mit deren Geschichte seine Familie tief verbunden war; die Idee eines weltoffenen und gerechten Tirol war ihm Selbstverständlichkeit.

Nach ersten kommunalpolitischen Erfahrungen in Seis stellte sich Christoph von Hartungen für eine Amtsperiode auch als Gemeinderat von Bozen 2000 bis 2005 zur Verfügung, in einer schwierigen Phase, in der das Referendum über den Sieges- oder Friedensplatz in Bozen 2002 das politische Klima ebenso aufheizte ebenso wie die Debatte um den Verkauf von Etschwerke-Anteilen. Der enorme Druck des politischen Konflikts machte ihm zweifellos zu schaffen und setzte auch seiner Gesundheit zu.

Als Vertreter der Lehrerschaft und als Vorsitzender des Landesschulrats steuerte Hartungen ab 2006 seinen Einsatz in ruhigeres, wiewohl zuweilen turbulentes Fahrwasser. Ruhige, überlegte Positionen und ausgeprägter Gerechtigkeitssinn erhoben ihn zur Integrationsfigur und wie berufen zu Ausgleich und Mediation. Sein intellektuelles Potenzial, dazu Offenheit, Lebensfreude und ausgleichende Umgänglichkeit machten Christoph von Hartungen zur hoch geschätzten Persönlichkeit unverwechselbaren Formats.

Die Grünen denken an ihn als Vertreter eines europäischen und bodenständigen Südtirols, als Wanderer zwischen unterschiedlichsten Zeiten und Welten. Er hat sein Land als Lehrer, kulturelle und öffentliche Persönlichkeit dauerhaft bereichert. Dafür gebührt ihm große Dankbarkeit, seiner Frau Dorothea, seiner Tochter Charlotte und den Brüdern Max und Anton gilt aber freundschaftliche Anteilnahme.

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