Puflatsch und Orchideen

BESCHLUSSANTRAG.

Der Puflatsch im Nordwesten der Seiser Alm ist, wie die Seiser Alm selbst, Standort sensibler Lebensräume und über die Grenzen Südtirols hinaus bekannter Wuchsorte von besonderen Pflanzenarten. Unter den sensiblen Lebensräumen sind die Moore zu nennen mit Reliktarten von nationaler Bedeutung, sowie die Borstgrasrasen, die gemäß dem für Südtirol gültigen Natura2000-Handbuch von LASEN & WILHALM (2004) zum prioritären Habitat “Artenreiche montane Borstgrasrasen auf Silikatböden” (Natura 2000: Code 6230) zu stellen sind.

Neben den Reliktarten (Arten, die nach der Eiszeit eingewandert sind und am Ort bis heute überlebt haben, während sie ringsum ausgestorben sind) der Moorgebiete am Puflatsch und auf der Seiser Alm steht der Puflatsch für das Vorkommen einer weltweit einzigartigen Vielfalt von Farbvarianten der Brunelle (Nigritella rhellicani). „Die Nigritella rhellicani-Population am Puflatsch (Seiser Alm, Südtirol) ist durch eine außergewöhnliche Varianz der Blütenfarbe von schwarzbraun über rot, weißlichrot, rötlichweiß bis weiß, selten rötlichgelb und gelb gekennzeichnet.“ schreiben Lorenz, R., Hedrén, M., Kellenberger, R.T., Madl, J. & P.M. Schlüter (2020): Die bunten Brunellen vom Puflatsch in Südtirol – ein bedrohtes Naturwunder.- J. Eur. Orch. 52 (2-4): 249-278. Entsprechend bekannt ist diese Population bei Botaniker:innen und Ökolog:innen in ganz Europa.

Brunellen und Borstgrasweiden auf Puflatsch sind aber bereits seit Jahren durch Überweidung durch Pferde und durch Überdüngung gefährdet. Das Südtiroler Naturschutzgesetz schützt diese Standorte und die Orchideen zwar in abstrakter Art und Weise, konkret wurden bisher weder die Überweidung noch die Überdüngung im Sinne des Naturschutzgesetzes durch die Landesverwaltung geregelt. Durch die Säumigkeit der Landesregierung drohen die einmaligen Standorte zu degradieren.

Nun droht weiter Ungemach, wie das Wochenmagazin ff in der Ausgabe 23/2021 berichtete: „Zurzeit gibt es auf der Seiser Alm fünf kleine Speicherbecken mit einem Fassungsvermögen von insgesamt knapp 20.000 Kubikmetern. Das nun geplante Speicherbecken ist mit gut 36.000 Quadratmetern und über 82.000 Kubikmetern Fassungsvermögen von beeindruckender Größe und entspricht in etwa dem Ausmaß zweier Fußballfelder. Damit würde es in zwei von fünf Kernbereichen einer europaweit einzigartigen Orchideen-Population hineinreichen – den bunten Puflatsch-Brunellen. Baustelle und die Ablagerung des Aushubmaterials würden einen Großteil dieses Brunellenbestandes zerstören.“

Angesichts des Artensterbens, welches auch in Südtirol nie da gewesene Ausmaße erreicht hat, sind ökologisch störende Bewirtschaftungssysteme gesetzeskonform zu beenden und standortzerstörende Bauvorhaben nicht zu genehmigen. Alles andere wäre im reichsten Land weit und breit nicht nachvollziehbar und unverantwortlich der Natur, der Gesellschaft und den Nachkommen gegenüber.

Daher beauftragt der Südtiroler Landtag die Landesregierung

  1. Den Bau des Speicherbeckens am Puflatsch oder auf ökologisch ähnlich wertvollen Standorten nicht zu genehmigen;
  2. Für das Gebiet Puflatsch und für ökologisch ähnliche Standorte auf der Seiser Alm im Sinne des Naturschutzgesetzes ein modernes und ökologisch verträgliches Weidekonzept auszuarbeiten, vorzuschreiben und zu kontrollieren;
  3. Für das Gebiet Puflatsch und für ökologische ähnliche Standorte auf der Seiser Alm im Sinne des Naturschutzgesetzes ein Düngemanagement auszuarbeiten, vorzuschreiben und zu kontrollieren;

 

Bozen, 22. 09. 2021

Landtagsabgeordnete
Hanspeter Staffler
Brigitte Foppa
Riccardo Dello Sbarba

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Author: Heidi

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