Im letzten Monat ist die Debatte über die Sprachsituation an den Südtiroler Schulen und Kindergärten erneut aufgeflammt. Wie lernt man die zweite Sprache? Wie schützen wir das Recht auf Bildung aller Kinder? Führt die strenge Trennung nicht zu mehr Exklusion statt Inklusion? Oder wäre es nicht endlich an der Zeit, einen Kurswechsel zu vollziehen und das einzuführen, was die Gesellschaft in Südtirol schon lange fordert: die zweisprachige Schule?

„Südtirol ist ein mehrsprachiges Land. Wir verfügen über einen enormen Reichtum, nutzen ihn aber nicht ausreichend“, erklären die Grünen Landtagsabgeordneten Brigitte Foppa, Madeleine Rohrer und Zeno Oberkofler. Eine „tragische Konstante“ nahezu aller wissenschaftlichen Untersuchungen der vergangenen Jahre sei die Schwierigkeit des Spracherwerbs im offiziell mehrsprachigen Südtirol, so Foppa. Diese Einschätzung teilt auch die überwältigende Mehrheit der Befragten im Sprachenbarometer Südtirol 2025: 96 Prozent sprechen von erheblichen Problemen beim Erlernen der Zweitsprache. Als Hauptursachen nennen viele Befragte eine stark gespaltene Gesellschaft sowie ein „Schulsystem, das den Anforderungen nicht gerecht wird“ – dieser Meinung sind 46 Prozent der italienischen und 34 Prozent der deutschen Sprachgruppe.

Neu ist allerdings, dass nun verstärkt auch über Lösungen gesprochen wird: 60 Prozent der Befragten stehen der Einführung einer zweisprachigen Schulen als Zusatzangebot sehr oder eher positiv gegenüber.

Für die Grüne Landtagsfraktion ist damit der Zeitpunkt gekommen, den entsprechenden Gesetzentwurf, der im Februar im Südtiroler Landtag diskutiert wird, endlich in die Realität umzusetzten. Vorgesehen ist die Einführung von zweisprachigen Klassenzügen als Zusatzangebot, ohne die bestehende Struktur der Schulen in deutscher, italienischer und ladinischer Sprache zu verändern. Kurz gesagt:

  • Die zweisprachigen Klassen werden bei einer Mindestanzahl von Anmeldungen möglich gemacht: 14 im Kindergarten und 15 für die anderen Schulstufen.
  • Das Lehrpersonal wird sich aus Lehrer:innen beider Sprachgruppen zusammensetzen.
  • Der Unterricht der Fächer wird gleichmäßig zwischen den Sprachen aufgeteilt, mit der Möglichkeit, auch eine dritte Sprache zu integrieren.
  • Die Anmeldung zu diesen Abteilungen ist freiwillig und ersetzt nicht das bestehende Bildungsangebot.

Brigitte Foppa, Erstunterzeichnerin des Gesetzentwurfs, betont: „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass eine Sprache gelebt werden muss, um sie optimal zu erlernen: Ein gemeinsames schulisches Umfeld zwischen den Sprachgruppen könnte die Grundlage dafür schaffen.“

Die Einführung zweisprachiger Klassenzüge gilt als große Chance für die Ausbildung junger Südtirolerinnen und Südtiroler. Sie soll solide Sprachkompetenzen fördern und das interkulturelle Verständnis stärken. Zugleich will der Gesetzentwurf zusätzliche Wahlmöglichkeiten schaffen und ein Bildungssystem ermöglichen, das besser auf die Anforderungen der heutigen Gesellschaft zugeschnitten ist. Nicht zuletzt könnte er auch den Druck mindern, unter dem das Schulsystem derzeit steht. „Das starre Trennungssystem hat zu einer Art Do-it-yourself-Mehrsprachigkeit geführt, mit all den bekannten Folgen und noch besser bekannten politischen Debatten“, so Foppa.

„Mit diesem Gesetzentwurf wollen wir umsetzen, was in Europa längst Realität ist. Wir müssen uns den modernen Zeiten sowie den Bedürfnissen und Erwartungen der Familien anpassen“, schließen die Grünen Abgeordneten.

Weitere Informationen zum Gesetzentwurf

Landtagsabgeordnete

Brigitte Foppa
Madeleine Rohrer
Zeno Oberkofler

Die Tourismusdebatte darf sich nicht nur auf die Betten beschränken 

 „In der ganzen Debatte um den Bettenstopp, würde ich mir als Dolomitenbewohnerin wünschen, dass man auch das Thema einer Eingrenzung der Beförderungsleistung für die Aufstiegsanlagen, angeht. Der Bettenstopp allein wird es nicht tun, um Südtirol vom Massentourismus zu schützen. Wir müssen auf mehrere Fronten arbeiten, denn Tourismus ist vielschichtig und wird nicht nur mit Gästebetten betrieben.“, so die Co-Vorsitzende der Grünen Verdi Vërc Elide Mussner, zur aktuellen Bettendiskussion.

 Der Trend zeigt deutlich: ständig steigern die Aufstiegsanlagen ihre Kapazitäten Vom Vierersessellift zum Sechsersessellift, vom Sechsersessellift zur Umlaufbahn. Zum Teil werden sie sogar verdoppelt oder verdreifacht oder auch mehr. Die Liste ist lang: die Pläne zur neuen Furnes Seilbahn (Seceda) zum Beispiel, wo man von jetzigen 800 auf zukünftigen 2.360 Menschen pro Stunden gehen möchte. Dabei ist dieses Projekt doppelt interessant, denn um keine Saison zu verlieren, schlagen die Betreiber vor eine zweite Bergstation zu bauen, so könnte während der Bauarbeiten der neuen Bahn, die alte Bahn ungestört weiterlaufen. Ein anderes Beispiel ist der Ciampinoi Lift in Wolkenstein, wo man eine Erhöhung von 2.400 auf 3.600 Menschen pro Stunde anstrebt, oder der Steger Dellai Sessellift auf der Seiser Alm: von 1.200 auf 2.200 Personen pro Stunde. Ein +83% der Förderleistung.

 Der Anlass zu diesen Kapazität Steigerungen, sind sehr oft die Kosten der anstehenden Revisionen. Die Überlegung: wenn man schon so viel Geld investieren muss, dann besser gleich alles neu bauen und dabei noch schnell die Kapazitäten steigern. Je mehr Leute pro Stunde an den Gates piepsen, desto mehr wird auch verdient. Klingt fast schon wie die magische Formel für die Brotvermehrung.

Dabei vergisst man aber, dass unsere Berge keine unendliche Masse auffangen können. Der Platz ist bedingt, die Umstände auch. Es ist zum Teil fahrlässig so viele Menschen auf über 2.000 m Höhe zu befördern, Menschen, die sehr oft auf die extremen Verhältnisse einer alpinen Landschaft gar nicht vorbereitet sind. Berge sind kein Funpark! Dazu kommt noch: diese Menschenmassen müssen auch zu den Liftanlagen gelangen, meistens kommen sie per motorisiertem Verkehr, ob Auto oder Privatbus oder Hotelshuttle. Wird die Beförderungskapazität einer Liftanlage aber gesteigert, wird von den Liftbetreibern kein Mobilitätskonzept gefordert. Es ist, als würde man bei einem Hotel 100 neue Betten dazu bauen, aber keine Parkplätze dafür aufweisen müssen. 

 „Die Frage zur Menge ist ausschlaggebend. Wenn wir auf der einen Seite die Gästebetten eingrenzen, dann haben wir die Pflicht auch die Kapazitäten der Aufstiegsanlagen einzugrenzen. Wir können und dürfen nicht auf der einen Seite die Masse zulassen, und auf der anderen Seite die Masse stoppen wollen, das ist eine Kurzschluss Dynamik.“, so Elide Mussner.

 Eine sachliche und objektive Debatte zu diesem Thema, wäre wünschenswert und sehr dringlich.

Anlässlich des Internationalen Gedenktages für die Opfer des Holocaust halten wir fest, dass Erinnern kein formales Ritual, sondern eine dauerhafte gesellschaftliche und politische Aufgabe ist. Es hilft, Hass, Intoleranz und Ängsten entgegenzutreten, die auch heute wieder in unserer Gesellschaft sichtbar werden. Der 27. Januar ist nicht nur ein Datum im Kalender, sondern eine Mahnung, wachsam zu bleiben.

In Bozen werden Kränze an Denkmälern niedergelegt, die an die Opfer der Konzentrationslager, an die Deportierten und an die während des Nationalsozialismus verfolgten Sinti erinnern. Diese Orte des Gedenkens, wie die Tafel „Gegen das Vergessen“ in der Reschenstraße an der Mauer des ehemaligen Lagers sowie die Denkmäler für die Deportierten und die Deportation, sind mehr als bloße Symbole. Sie sind Orte des Erinnerns und machen deutlich, wie gefährdet Demokratie ist, wenn Hass Raum gewinnt.

„Erinnerung ist politisches Engagement. Es reicht nicht, einmal im Jahr zu gedenken. Wir müssen die Erinnerung zu einer Orientierung für unser tägliches politisches und gesellschaftliches Handeln machen, um jede Form von Diskriminierung, die Angst vor dem Anderen und einen Populismus zu bekämpfen, der Gefühle anspricht statt Vernunft und Solidarität.“ So Luca Bertolini, Co Sprecher der Grünen Südtirol.

Heute, mehr als achtzig Jahre nach der Befreiung der Lager, heißt Erinnern auch anzuerkennen, dass der Einsatz gegen Rassismus, Antisemitismus und jede Form von Ausgrenzung weiterhin notwendig ist. Es bedeutet, an einer gerechteren, offeneren und solidarischen Gesellschaft zu arbeiten, in der die Menschenrechte geachtet und geschützt werden. Erinnerung darf nicht zur leeren Formel werden. Sie muss sich in Verantwortung, politischem Engagement und täglichem Handeln zeigen, auch hier in Südtirol.

Der Landtag genehmigt heute den Beschlussantrag der Grünen Fraktion, der faire Preise für studentischen Wohnraum in Südtirol schaffen möchte.

In den vergangenen Jahren sind die Kosten für Wohnungen und Zimmer in unserem Land für viele Studierende unerschwinglich geworden: Heute kostet ein Zimmer im Durchschnitt zwischen 450 und 700 Euro pro Monat. Eine Summe, die für viele Familien kaum zu stemmen ist.

„Die Zimmerpreise sind zu hoch, um das Recht auf Hochschulbildung zu gewährleisten. Mit der Annahme unseres Beschlussantrags ist es uns gelungen, ein konkretes Ergebnis zu erzielen, um auch auf die Preise auf den freien Markt Einfluss zu nehmen.“ erklären die Grünen Landtagsabgeordneten Zeno Oberkofler, Brigitte Foppa und Madeleine Rohrer.

Über eine Ausschreibung soll das Land einen finanziellen Beitrag leisten, um die Preise in Studierendenheimen zu senken. Konkret soll die Differenz zwischen einem durchschnittlichen Marktpreis und einem gedeckelten, niedrigeren Mietpreis vom Land bezuschusst werden.

Ein wichtiges Ergebnis auch für das neue Studentenwohnheim am Siegesplatz: Das Land hat sich verpflichtet, einen Mietzins von 360 Euro für ein Einzelzimmer zu garantieren. Außerdem wird die Möglichkeit geprüft, Investitionsbeiträge für Heime gemeinnütziger Organisationen wieder zu aktivieren.

„Das Recht auf Hochschulbildung darf nicht von Marktlogiken abhängig sein. Es braucht öffentliche Instrumente, um leistbare Zimmer zu garantieren und für junge Studierende attraktiv zu sein“, betont Zeno Oberkofler, Erstunterzeichner des heute im Landtag angenommenen Antrags.

Weitere Informationen: Wohnraum für Studierende

Landtagsabgeordnete

Zeno Oberkofler
Brigitte Foppa
Madeleine Rohrer

Angesichts der Massaker im Iran und der brutalen Repression eines fundamentalistischen Regimes gegen friedliche Demonstrierende halten der Partito Democratico (PD) und die Grünen ein Schweigen für inakzeptabel. Deshalb wurde im Südtiroler Landtag ein gemeinsamer Antrag eingebracht, der Solidarität mit den Protestierenden ausdrückt.

Die Proteste im Iran sind Ausdruck einer tiefen Wirtschaftskrise: hohe Inflation, Engpässe bei lebenswichtigen Gütern und eine Energiekrise. Gleichzeitig fordern die Menschen mehr Freiheiten, soziale Gerechtigkeit und Frauenrechte. Die Reaktion des Regimes ist erneut Gewalt, Internetabschaltungen und die systematische Einschränkung grundlegender Freiheiten: ein Muster, das sich wiederholt.

Frauenrechte, persönliche Freiheit, körperliche Unversehrtheit, Meinungs- und Versammlungsfreiheit sowie das Recht auf ein menschenwürdiges Leben sind universell gültig. Sie sind in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und im Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte verankert. Obwohl der Iran diese Instrumente anerkannt hat, werden sie weiterhin missachtet. Schweigen oder fehlendes politisches Handeln stärkt nur ein System, das Gewalt als Herrschaftsinstrument einsetzt.

Der Begehrensantrag fordert, dass der Landtag eine klare, öffentliche und unmissverständliche Position zugunsten der iranischen Demonstrierenden einnimmt. Er soll sich eindeutig auf die Seite derjenigen stellen, die für Meinungsfreiheit, Frauenrechte und gegen Diskriminierung kämpfen – und gegen die repressiven Maßnahmen des Regimes.

Darüber hinaus soll die Landesregierung auf Staatsebene Initiativen unterstützen, die Menschenrechtsverletzungen verurteilen, die Freilassung willkürlich Inhaftierter fordern und den Schutz friedlicher Demonstrierender garantieren. Symbolische Akte und Sensibilisierungskampagnen sollen dazu beitragen, die institutionelle Aufmerksamkeit auf die Lage im Iran hochzuhalten.

Die Antragstellenden betonen, dass Stellungnahme angesichts der Ereignisse nicht nur politisches Handeln, sondern moralische Pflicht ist. Ziel des Antrags ist es, den iranischen Protestierenden zu zeigen, dass auch Südtirol ihre Proteste genau verfolgt und die Bevölkerung unterstützt, die Freiheit, Rechte und Gerechtigkeit einfordert.

Brigitte Foppa (Grüne Fraktion)
Zeno Oberkofler (Grüne Fraktion)
Madeleine Rohrer (Grüne Fraktion)

Der Südtiroler Landtag hat heute einen Beschlussantrag der Grünen zum Drug Checking abgelehnt. Politisch folgenlos bleibt die Debatte dennoch nicht. Denn Landesrat für Gesundheit Hubert Messner stellte im Plenum klar: Das Drug Checking soll auf Landesebene umgesetzt werden.

Ausgangspunkt des Antrags war die zunehmende Verbreitung synthetischer Drogen sowie die deutlich gestiegene Zahl von Menschen, die in Südtirol von Suchthilfediensten betreut werden. Die Grünen forderten ein strukturiertes und kostenloses Angebot, das es Konsumentinnen und Konsumenten ermöglicht, Substanzen anonym analysieren zu lassen. Ergänzt werden sollte dies durch fachliche Beratung zu Risiken, Dosierung und Inhaltsstoffen, sowie durch ein Frühwarnsystem für besonders gefährliche Stoffe.

In der Debatte im Landtag erkannten mehrere Abgeordnete den präventiven Wert des Drug Checkings an. Es fördere nicht den Drogenkonsum, so der Tenor, könne aber Risiken senken und Leben retten.

„Die Ablehnung des Antrags ändert nichts am politischen Ergebnis dieser Diskussion“, sagt Zeno Oberkofler, Erstunterzeichner des Beschlussantrags. „Der Landesrat hat eine klare Zusage gemacht: Drug Checking wird in Südtirol in absehbarer Zeit umgesetzt. Die Auseinandersetzung war konstruktiv und hat gezeigt, dass das Problembewusstsein da ist und wächst.“

„Drogen und die damit verbunden Problematiken gehören auf die politische Agenda. Das hat auch die Landesregierung anerkannt. Wir werden die zeitnahe Einführung des Drug Checking als zentrales Instrument der öffentlichen Gesundheitsvorsorge verfolgen.”, betonen die Grünen-Abgeordneten Zeno Oberkofler, Brigitte Foppa und Madeleine Rohrer abschließend.

Weitere Informationen: Drug Checking in Südtirol

Landtagsabgeordnete

Zeno Oberkofler
Brigitte Foppa
Madeleine Rohrer

„Nach dem gestrigen Treffen im Ministerium besteht die Hoffnung, dass sich die Angelegenheit um die Stahlwerke Valbruna in den nächsten Tagen endgültig klären wird. An diesem Punkt ist der einzige mögliche Weg die Rücknahme einer Ausschreibung, die zu viele Aspekte des allgemeinen Interesses gefährdet hat. Die Provinz Bozen hat diese leider mit zu großer Ungenauigkeit behandelt.“

Dies bekräftigt in einer Mitteilung die Senatorin der Grünen – Südtirol, Aurora Floridia, von der Fraktion für Autonomie, die die Angelegenheit gemeinsam mit den Grünen von Bozen aufmerksam verfolgt.

„Die Priorität“, so Floridia weiter, „ist der Schutz der Arbeitsplätze, der sowohl das Werk in Bozen als auch das in Vicenza betrifft. Die Sorgen und Bedürfnisse der 570 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die mit einer ungewissen Zukunft konfrontiert sind, erfordern klare und zeitnahe Antworten. Nicht zu vergessen sind dabei das Thema des nationalen strategischen Interesses und die Notwendigkeit, der gesamten Zulieferindustrie, die ebenfalls einem Klima starker Unsicherheit ausgesetzt ist, diese Sicherheit wieder zu geben.

Es war ein Fehler, eine Ausschreibung zu erstellen, die diese wesentlichen Faktoren, die für den Schutz der Interessen der Gemeinschaft, des Produktionssystems und der Beschäftigung entscheidend sind, nicht berücksichtigt hat. Jetzt liegt die Verantwortung wieder in den Händen der Provinz. Aber die Zeit drängt: Die Frist für die Ausschreibung nähert sich, und es muss schnell und klar gehandelt werden, um irreversible Folgen zu vermeiden.“

In der Januarsitzung des Südtiroler Landtags bringt die Grüne Fraktion zwei Beschlussanträge ein: eine zur Stärkung der Gesundheits- und Drogenprävention und eine zur Analyse der langfristigen Auswirkungen der Olympischen Winterspiele 2026.

 

Drug Checking: Risiken senken, Leben schützen

Mit einem Beschlussantrag greift die Grüne Fraktion eine zunehmend dringliche gesundheitspolitische Herausforderung auf: den wachsenden Konsum synthetischer Drogen und die damit verbundenen schwer kalkulierbaren Risiken. Auch in Südtirol ist die Zahl der Menschen, die von den Suchthilfediensten betreut werden, in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, während neue Substanzen den Konsum gefährlicher machen.

Die Grünen fordern daher die Einführung eines strukturierten Drug-Checking-Angebots in Südtirol. Konsumierende sollen die Möglichkeit erhalten, Substanzen anonym analysieren zu lassen und gleichzeitig fachlich fundierte Beratung über Zusammensetzung, Dosierung und Risiken zu erhalten. Ziel ist es, gesundheitliche Schäden zu vermeiden, Überdosierungen vorzubeugen und frühzeitig vor besonders gefährlichen Stoffen zu warnen.

Ein solches Angebot würde auch wertvolle Daten liefern, um problematische Entwicklungen rasch zu erkennen und gezielt darauf reagieren zu können, etwa durch ein Frühwarnsystem für besonders riskante Substanzen. Internationale Erfahrungen zeigen, dass Drug Checking den Konsum nicht erhöht, sondern die Risikokompetenz stärkt und Menschen besser erreicht, die sonst keinen Kontakt zu Hilfsangeboten haben.

„Wir dürfen nicht wegschauen: wir haben in Südtirol ein Problem mit Drogenkonsum. Das Drug Checking ist eine Möglichkeit Risiken zu reduzieren und kann im Zweifel Leben retten. Ein wichtiger Baustein für eine landesweite Präventionsstrategie.” sagt Zeno Oberkofler, Erstunterzeichner des Beschlussantrag. Voraussetzung sei eine enge Anbindung an bestehende Suchthilfe- und Präventionsstrukturen sowie eine kontinuierliche fachliche Begleitung.

 

Olympische Spiele 2026: Blick über das Event hinaus

Mit einem zweiten Beschlussantrag richten die Grünen den Fokus auf die Zeit nach den in Südtirol erstmals stattfindenden Olympischen Winterspielen. Angesichts der enormen Investitionen in Infrastruktur und Sportanlagen fordern sie eine umfassende Bewertung der sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Folgen des Großevents.

Konkret soll erhoben werden, wie sich die Spiele auf Wohnungspreise und Tourismus im ganzen Land auswirken, um bei künftigen Großveranstaltungen ein weiteres Steigen der Kosten für den Lebensunterhalt und einen überbordenden Tourismus zu unterbinden. Zudem verlangen die Grünen eine umfassende Klimabilanz für Bau der Infrastrukturen und Durchführung der Spiele. Schließlich soll eine landesweite Sportstrategie entwickelt werden, die insbesondere Kinder, Menschen mit Behinderungen und Personen mit Migrationshintergrund stärker in den Breitensport einbindet.

“Diese Olympischen Spiele wurden als die nachhaltigsten aller Zeiten angekündigt. Dafür wurde nachhaltig viel Beton, Asphalt und Stahl verbaut. Jetzt muss endlich in die Software investiert werden: eine Grenze für Wohnungspreise und Tourismus, eine inklusivere Gesellschaft und ein besseres Klima”, erklärt Madeleine Rohrer, Erstunterzeichnerin des Beschlussantrags. Die Olympischen Spiele enden nicht mit dem Erlöschen der Flamme.

 

Weitere Informationen:

 

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Madeleine Rohrer
Zeno Oberkofler
Brigitte Foppa

Seit ein paar Wochen kann man die Empörung unter den BürgerInnen vom Gadertal spüren, eine Empörung, die Richtung Verzweiflung geht. Das Schloss, die Gran Ciasa in La Villa steht nun tatsächlich zum Verkauf. „Ein zeitloses Schloss im Herzen der Dolomiten“ kann man auf der Webseite von Sotheby‘s lesen. „Vertrauliche Verhandlung“, natürlich. Man munkelt von über 20 Millionen Euro.

Schon vor ein paar Jahren wollte man das Schloss verkaufen, an die Gemeinde. Eine von der Gemeinde beauftragte Schätzung hatte die historische Immobilie auf einen Wert von ca. 3,5 Millionen Euro geschätzt. Das Schloss steht unter Denkmalschutz, die Gemeinde hätte ein Vorverkaufsrecht. Aber wie kann eine Gemeinde eine Investition von 20 Millionen Euro für ein Schloss rechtfertigen? Das historische Erbe der Ladiner wird wohl in der Hand irgendeines Investitionsfonds oder eines superreichen Menschen landen. Der Ausverkauf der Heimat in seiner besten Weste.

„Es geht hier nicht darum, jene zu kritisieren, die diese Immobilie zum Verkauf freigeben, sondern die Perversität eines Systems aufzuzeigen, dass keine soziale Nachhaltigkeit mehr kennt. Das Immobiliensystem in Südtirol ist der Spekulation verfallen.”, so Elide Mussner, Co-Sprecherin der Südtiroler Grünen und Gemeinderätin in Abtei. Die Gründe sind mehrere, darüber könnte man viel – und wird auch viel – diskutieren. Unter anderem die weltweite Bekanntheit des Landes und im gleichen Moment die geringe Verfügbarkeit von Immobilien auf dem Markt, beide Faktoren lassen die Preise nach oben schnellen. 45 Quadratmeter für 500.000 Euro u.s.w. Wenn es dann um historische Gebäude geht, da fehlt es an öffentlicher Unterstützung. Es ist fast unmöglich geworden, ein historisches Gebäude wie die Gran Ciasa mit privaten Mitteln zu erhalten, außer, man könnte daraus ein Geschäft machen, alias ein Hotel. Der Bettenstopp lässt es im Moment aber nicht zu.

Die Situation ist verzwickt. Die Menschen enttäuscht. „Unsere ladinische Identität wird verkauft“, heißt es unter den Bürgern.

Wenn das Land Südtirol gemeinsam mit den Gemeinden hier was tun könnte, wie aus dem Schloss einen öffentlich zugänglichen Raum machen, der Kultur, Kunst und Begegnung fördert. Für die LadinerInnen. Das wäre eine konkrete Investition in die soziale Nachhaltigkeit!

Elide Mussner
Co-Sprecherin Verdi Grüne Vërc
Gemeinderätin Abtei

Die Generalversammlung der FYEG federation of young european greens wird 2026 nach Südtirol kommen, sie ist das wichtigste Event für Entscheidungen und wird vom 28. – 30. Mai 2026 in Bozen stattfinden.

Die young greens southtyrol (YGS) haben etwas Großartiges geschafft. Sie wurden ausgewählt, die jährliche Generalversammlung der jungen Europäischen Grünen zu hosten. Die jungen europäischen Grünen sind junge, motivierte Menschen, die auf europäischem Level für die gleichen Ziele einstehen. Seit mehr als 30 Jahren kämpfen die Mitgliedsorganisationen zusammen für ein gerechteres Europa. Gemeinsam organisieren wir Kampagnen und setzen uns für Bildung ein. Zum Beispiel durch verschiedene Bildungskampagnen, wie dem Sommercamp zum Thema soziale Gerechtigkeit. Wir kämpfen für ein offenes und feministisches Europa, welches sich für queere und körperlich beeinträchtigte Personen stark macht und anti-rassistisch und anti-faschistisch ist. Wir wollen ein demokratisches Europa, welches die Rechte der Menschen schützt und sich dafür einsetzt, dass junge Menschen aktiv ihre Zukunft mitgestalten können.

Wir fordern eine grüne und gerechte Zukunft, die fundiert auf Wirtschaftsdemokratie, gerechter Verteilung von Reichtum, sozialer Gerechtigkeit und einem Austausch zwischen den Generationen. Die zwei Co-Sprecherinnen YGS, Camilla Cristofoletti und Lisa Wierer sind sehr erfreut darüber, dass Bozen ausgewählt wurde. Denn Südtirol ist Europa im Kleinen. Hier werden verschiedene Sprachen gesprochen, wir sind ein Melting Pot der Kulturen und darauf können wir stolz sein. Hier haben wir die Gelegenheit, dies auf europäischer Ebene zu zeigen.

„Es werden mehr als 120 Personen zu diesem Event anreisen und wir hoffen auch auf eine rege Beteiligung der Bevölkerung von Südtirol, lasst uns gemeinsam eine bessere Zukunft gestalten!“, so Camilla Cristofoletti. Lisa Wierer ergänzt: „Für die lokale Politik ist das DIE Gelegenheit, die Anliegen der jungen Menschen besser zu verstehen und anzupacken. Im Landtag sowie auch in der Gemeindepolitik sind die jungen Menschen von Südtirol kaum vertreten, vielleicht auch deshalb wandern so viele junge Menschen aus“.

„Es ist uns eine große Ehre, die nächste GA in Bozen halten zu dürfen, besonders als kleinstes Organisationsmitglied ist dies ein unglaublicher wichtiger Moment, vor allem auch dieses Jahr, wo Olympia stattfinden wird, ist es uns wichtig zu zeigen wie man respektvoll mit Menschen und Umwelt umgehen kann“, schließen Cristofoletti und Wierer.

Co Sprecherinnen der YGS
Camilla Cristofoletti
Lisa Wierer