Bettenstopp: kein Gießkannenprinzip
Am 26. März befasst sich der 2. Gesetzgebungsausschuss mit dem Bettenstopp und der geplanten Fristverlängerung für bereits eingetragene, aber nicht verwirklichte Tourismuszonen. Die Grüne Landtagsfraktion schlägt vor, die von der SVP beschlossenen Ausnahmen auf deutlich weniger Gemeinden zu begrenzen.
Die Vorgeschichte ist bekannt: Die Landesregierung hat 2022 einen „Bettenstopp“ beschlossen, samt einer vierjährigen Übergangsfrist für bereits genehmigte, aber noch nicht umgesetzte Tourismuszonen. In einer Art Torschlusspanik wurden vor dem Beschluss rund 90 Ansuchen für neue Tourismuszonen eingereicht. Nun soll diese Frist auf Vorschlag des Landesrats für Tourismus verlängert werden. Nach großer, auch parteiinterner Kritik einigte sich die SVP darauf, die Verlängerung nur für bestimmte Gemeinden zu gewähren – maximal 25 würden es sein, so SVP-Obmann Dieter Steger. Auf der Liste der Landesregierung stehen nun 56 Gemeinden: beinahe die Hälfte Südtirols. „Die zugrunde liegenden Kriterien sind so breit gefasst, dass auch touristisch gut entwickelte Gemeinden auf der Liste landen“, so Madeleine Rohrer, Vizepräsidentin des 2. Gesetzgebungsausschusses. „Die touristische Entwicklung gerät damit immer weiter aus dem Gleichgewicht.“
Kriterien verfehlen ihr Ziel
Das erste Kriterium lautet: weniger als 500.000 Übernachtungen im Jahr 2025. Nur 28 Südtiroler Tourismus-Hochburgen liegen über diesem Schwellenwert und werden ausgeschlossen. Das zweite Kriterium betrifft Bevölkerungsrückgang zwischen 2009 und 2024. Darunter fällt zum Beispiel Schnals, das trotz Abwanderung bereits hohe Nächtigungszahlen aufweist. Hinzu kommen „strukturschwache“ Gemeinden wie Gargazon, Sterzing oder Terlan. Einige davon kämpfen bereits jetzt mit akuter Wohnungsnot. „Gästebetten würden nach einem groben Gießkannenprinzip über dem Land ausgeschüttet. Da stimmt die Balance nicht mehr“, so Madeleine Rohrer. Im Ergebnis könnten nach dem Ablauf der Übergangsfrist noch weitere 7.000 Betten entstehen – nach einem Bettenstopp, der eigentlich eine Obergrenze setzen sollte.
Weniger Gemeinden, mehr touristisches Gleichgewicht
Madeleine Rohrer, Brigitte Foppa und Zeno Oberkofler schlagen vor, stattdessen die wissenschaftlich fundierte Gemeindeliste aus dem Tourismusentwicklungskonzept von 2021 heranzuziehen. Dieses teilt Gemeinden anhand anerkannter Indikatoren ein: Tourismusintensität (Nächtigungen pro Einwohner) und Tourismusdichte (Nächtigungen pro Fläche). Auf der Ausnahmenliste würden damit 28 Gemeinden landen (darunter Taufers, Kastelbell, Ulten, Pfatten und Prettau) und damit ungefähr so viele, wie die SVP ursprünglich versprochen hat.
Darüber hinaus stellen die Grünen zwei weitere Forderungen: Die Obergrenze von 150 Betten muss pro Zone gelten, nicht pro Betrieb. Sonst kann ein Investor mehrere formal eigenständige Betriebe auf demselben Grundstück errichten und die Regelung umgehen, zum Schaden der Familienbetriebe. Außerdem soll der Südtiroler Gemeindenverband eine öffentlich zugängliche Datenbank über alle noch nicht realisierten, aber genehmigten Betten führen. Da diese innerhalb von zehn Jahren ausgeglichen sein müssen, braucht es Transparenz und Kontrolle, um ein weiteres Aufweichen des Bettenstopps zu verhindern.
Landtagsabgeordnete
Madeleine Rohrer
Brigitte Foppa
Zeno Oberkofler