Die Dolomiten als touristischer Köder
Die jüngsten Entwicklungen rund um die Marke der Stadt Brixen und Umgebung sind besorgniserregend. Ein Fauxpas der Eisacktaler TouristikerInnen, der die Absurdität der touristischen Entwicklung in unserem Land erneut deutlich macht.
In Südtirol wird die Illusion gepflegt, eine flächendeckende touristische Entwicklung sei möglich, indem einfach einige Tourismuszonen ausgewiesen, schöne Hotels in die Gegend gestellt und Betten zur Vermietung hinzaubert werden. Dabei ist ein touristisches Produkt weit mehr als nur Betten: Es braucht ein Konzept, eine funktionierende Infrastruktur und eine Idee von Gastlichkeit, die vor allem in der lokalen Bevölkerung verwurzelt sein und wachsen muss, um langfristig erfolgreich zu sein. Sich Sichtbarkeit zu verschaffen, indem man sich ein erfolgreiches Alleinstellungsmerkmal anderer Destinationen aneignet und es an den eigenen Namen anhängt, ist keine Strategie, sondern ein Markenschwindel.
„Brixen Dolomiten“ als Bezeichnung zur Vermarktung der Eisacktaler Destinationen ist ein solcher Markenschwindel. Was dabei besonders besorgniserregend ist: Die Ausnutzung der Dolomiten als Marketing-Köder schadet vor allem der lokalen Bevölkerung in den Dolomitentälern. Unsere Täler und Berge haben ihre Aufnahmekapazität längst erschöpft – alles, was darüber hinausgeht, führt unweigerlich zum Kollaps.
Wir Grüne weisen immer wieder auf den Ausnahmezustand der Grödner Mobilität hin, auf den Verlust der Lebensqualität vor Ort, der durch die täglichen Massen an Tagestourist*innen entsteht. Diese Tourist*innen reisen morgens aus benachbarten Destinationen an und verlassen das Tal abends wieder – so wird es ihnen kommuniziert, dazu werden sie regelrecht ermutigt. Und dies ist nur ein Aspekt der Fehlentwicklungen, die den Südtiroler Tourismus prägen.
Touristische Entwicklung ist willkommen, aber sie muss mit Bedacht und Weitsicht erfolgen. Vor allem muss sie auf den Prinzipien der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit basieren. Machen wir aus Gröden und den Dolomitentälern nicht das „Venedig Südtirols“! Solche kurzfristigen Vermarktungsstrategien werden letztendlich allen schaden.
Luca Bertolini & Elide Mussner
Co-Vorsitzende