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Tönnies und Südtirol

ANFRAGE ZUR SCHRIFTLICHEN BEANTWORTUNG.

Die Ausbreitung von SARS-COV-2 in der ostwestfälischen Fleischfabrik Tönnies in Deutschland hat zutage geführt, unter welchen Bedingungen die Arbeiterinnen und Arbeiter dieser Fabrik dort arbeiten und sogar leben müssen. Diese Bedingungen sind höchst prekär und nicht vereinbar mit den Menschenrechtsstandards, denen wir uns in Europa verschrieben haben.

Nun hat die Firma Tönnies auch Fleisch nach Südtirol geliefert. Der Leiter des Südtiroler Speckkonsortiums, Matthias Messner, versicherte am 24.06.2020 auf Rai Südtirol, dass das importierte Fleisch von guter Qualität sei und kein Grund zur Sorge bestehe.

Und doch besteht Anlass zum Nachhaken: Wie viel wissen Südtirols Betriebe über die sanitären Standards und die Arbeitsbedingungen ihrer Zulieferer, bzw. wie viel wollen sie wissen? Gehören diese, sowie Menschenrechtsbedingungen im Allgemeinen zu den Auswahlkriterien eines Zulieferers?

Das Problem betrifft sicher nicht die Fleischverarbeitungsbranche alleine, sondern ist ein Thema, das heute aktueller ist denn je. Denn große Firmen, die ein Endprodukt jedweder Sorte produzieren bzw. vertreiben, geben häufig an, dass Arbeits- Menschen- und Umweltrechtsprobleme in ihrer Lieferkette das Problem der Zulieferer seien. Sie selbst wüssten davon nichts und hätten somit auch nichts verändern können.

Da Südtirol auf vielen Gebieten zu den Besten in den verschiedenen Sparten, Branchen usw. gehört, sind wir davon überzeugt, dass dies auch auf die Achtung der Arbeits- Menschen- und Umweltrechte in den Lieferketten der diversen Firmen zutrifft. Wie genau Südtirol diesen Problemen entgegenwirkt, möchten wir aus gegebenem Anlass erfahren.

Daher richten wir folgende Fragen an die Landesregierung:

  1. Kann ausgeschlossen werden, dass Fleisch der Firma Tönnies in Südtirols Ausspeisungen, Krankenhäusern, Seniorenheimen etc. auf den Tisch kommt?
  2. Gibt es Förderungen für Betriebe, die Fleisch verarbeiten (Speck inklusive)? Wenn ja, so bitten wir um die Auflistung dieser Förderungen in den Jahren 2016/17/18/19.
  3. Ist es der Landesregierung ein Anliegen, dass im Land so wenig wie möglich Fleisch verarbeitet wird, das aus Massentierhaltung kommt? Wenn ja, gilt die Herkunft der Tiere als Kriterium bei den Förderungen (etwa von fleischverarbeitenden Betrieben) oder Ausschreibungen (etwa für Gemeinschaftsverpflegung)?
  4. Fördert das Land Südtirol das Südtiroler Speckkonsortium? Wenn ja, bitten wir um Auflistung der Förderungen in den Jahren 2016/17/18/19.
  5. Südtirol-typische Produkte wie Speck sind zum Teil mit dem Logo der Dachmarke Südtirol Ist die Verwendung dieses Logos an die Einhaltung gewisser Standards von Menschen- Tier- Arbeits- oder Umweltrechten gebunden?
    • Wenn ja, wie kontrolliert die Dachmarke Südtirol die Einhaltung dieser Rechte und wie vereinbar mit diesen Standards war die Zusammenarbeit des Südtiroler Speckkonsortiums mit der Firma Tönnies?
    • Wenn nein, woran genau misst sich die Qualität, mit der die Dachmarke wirbt?
  6. Sind Südtirols Unternehmen dazu verpflichtet, Arbeitsrechts- Menschenrechts- und Umweltrechtverletzungen in ihren Lieferketten nachzuspüren? Sind Förderungen an diese Standards gebunden?

 

Bozen, 30.06.2020

Landtagsabgeordnete
Brigitte Foppa
Riccardo Dello Sbarba
Hanspeter Staffler

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Author: Heidi

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