Home2026August

Erst wollte uns die SVP weismachen, sie hätte von der Aufteilung des Wahlkreises Bozen-Unterland nichts gewusst. Dabei war das Ganze Teil des Deals mit Fratelli d’Italia. Jetzt kommt sie mit einem angeblichen “Plan B” daher – der noch schlimmer ist als der ursprüngliche Vorschlag von Alessandro Urzì.

Mit diesem Plan B wird die Logik von Urzìs Antrag nochmals verschärft: Der Wahlkreis wird noch stärker zugunsten der Rechten zugeschnitten – Trump lässt grüßen –, und gleichzeitig wird die ethnische Trennung der Sprachgruppen endgültig zementiert.

„Das wirft uns zurück in die Logik der 1970er Jahre, und zurück zum Dogma “Je deutlicher wir trennen, desto besser verstehen wir uns.” Es ist mehr als bedauerlich, wie rückwärtsgewandt die Regierungskoalition in dieser Frage argumentieren.“ so die CoSprecher der Grünen Zeno Oberkofler und Kathrin Werth.

 “Es ist dieselbe Koalition, die sich noch vor wenigen Monaten mit der Autonomireform gerühmt hat. Nun hat sich allzu schnell gezeigt, welchen Wert die Regierung und ihre regionalen Vertreter einem erfolgreichen Zusammenleben der Sprachgruppen in Südtirol tatsächlich beimessen.” So Kathrin Werth.

„Die SVP weiß offenbar selbst nicht, wie sie aus diesem selbstverschuldeten Schlamassel wieder herauskommt. Und weil ihr der Mut fehlt, den Fortbestand der Koalition auf den Verhandlungstisch zu legen, knickt sie jetzt sowohl vor Fratelli d’Italia und Forza Italia als auch vor den Freiheitlichen ein.“ so Oberkofler abschließend.

Oberkofler und Werth: „Wenn Urzì die Änderung nicht zurücknimmt, muss die SVP die Koalition beenden.“

Die Grünen fordern die SVP auf, Konsequenzen aus dem Vorstoß des Fratelli-d’Italia-Abgeordneten Alessandro Urzì zur Neuzuschneidung des Senatswahlkreises Bozen–Überetsch–Unterland zu ziehen. Sollte die Änderung nicht zurückgenommen werden, müsse die SVP die Koalition mit Fratelli d’Italia auf Landesebene beenden.

Landesrat Christian Bianchi hat sich zuletzt hinter den Vorstoß Urzìs gestellt und diesen vor allem mit dem Argument der sprachlichen Repräsentation verteidigt. Für die Grünen hält dieses Argument jedoch nicht stand.

„Hier geht es nicht um die Frage, ob ein italienischer oder ein deutscher Kandidat gewinnt. Es geht darum, dass mit einem maßgeschneiderten Wahlkreis die Mehrheitsverhältnisse zugunsten des rechten Lagers verändert werden sollen. Hätte man bei den letzten Parlamentswahlen bereits nach den von Urzì vorgeschlagenen Grenzen gewählt, wäre nicht einfach ein italienischer anstelle eines deutschen Kandidaten gewählt worden – es hätte das Mitte-rechts-Lager anstelle des Mitte-links-Kandidaten gewonnen“, erklärt Co-Sprecher der Grünen Zeno Oberkofler.

Urzì habe damit einen Wahlkreis entworfen, der gezielt Gemeinden mit starken Ergebnissen für Mitte-links oder die SVP aus dem bisherigen Wahlkreis herausnehme. Das ist klassisches Gerrymandering: Wahlkreisgrenzen werden so verändert, dass sie den politischen Interessen derjenigen nützen, die sie festlegen. Was wir bisher vor allem aus den USA kennen, wird nun auch in Südtirol versucht, mit dem Ziel, einen Sitz für das rechte Lager abzusichern.

„Wir dürfen die Bürgerinnen und Bürger nicht für dumm verkaufen. Das Unterland ist kein Spielball der Politik, den man je nach den Wahlinteressen von Fratelli d’Italia auf der Landkarte hin- und herschieben kann. Die ethnische Frage darf hier nicht einem Feigenblatt gleich vorgeschoben werden um für parteipolitischen Machterhalt instrumentalisiert zu werden. Das wirft uns in unseren Bemühungen um ein gutes Zusammenleben um Jahrzehnte zurück.“, erklären Zeno Oberkofler und Kathrin Werth, Co-Sprecher der Grünen.

Für die Grünen ist nun insbesondere die SVP gefordert. Die Partei habe in den vergangenen Jahren immer stillschweigend zugeschaut wie eine Rote Linie nach der anderen von den Koalitionspartner Fratelli d’Italia überschritten wurde ohne Konsequenzen zu ziehen – stets mit dem Argument, die Zusammenarbeit mit Fratelli d’Italia und der Regierung in Rom sei für die Weiterentwicklung der Autonomie notwendig.

„Wie oft hat sich die SVP von Fratelli d’Italia unter Druck setzen lassen? Wie oft hat die SVP zugeschaut, während der Koalitionspartner eine rote Linie nach der anderen überschritten hat, nur um die Autonomiereform nicht zu gefährden? Man hat alles hingenommen. Dass man zuletzt in der Abgeordnetenkammer in Rom nicht einmal imstande war, geschlossen gegen den Änderungsantrag von Urzì zu stimmen, und sogar noch versucht hat das Geschehen gegenüber der betroffenen Bevölkerung zu relativieren, ist nun der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Jetzt ist der Moment gekommen, dem Koalitionspartner klar und deutlich zu kommunizieren: Entweder diese Änderung wird zurückgenommen oder die Koalition ist am Tag danach beendet.“, so die Co-Sprecher der Grünen Zeno Oberkofler und Kathrin Werth.

Zeno Oberkofler und Kathrin Werth
Co-Sprecher*innen Verdi Grüne Vërc

 

Landtagsabgeordnete Foppa und Rechtsanwalt Valcanover nach Lokalaugenschein im Bozner Gefängnis: Überbelegung, Personalmangel und eine ungeeignete Struktur. Die Grünen fordern, endlich eine regionale Gefängnisbehörde für die gesamte Region einzurichten.

Wie mittlerweile jedes Jahr im August haben die Grünen auch heuer das Bozner Gefängnis besichtigt, um sich ein Bild von den herrschenden Bedingungen zu machen. „Wir sind jetzt wieder draußen, aber es gibt Menschen, die im Gefängnis drin bleiben. Ein Ort, der den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht wird“, so die Landtagsabgeordnete Brigitte Foppa beim Verlassen des Gefängnisses, das sie gemeinsam mit Rechtsanwalt Fabio Valcanover besucht hat.

Die Vollzugsanstalt Bozen hat weiterhin mit einer starken Überbelegung zu kämpfen: Derzeit sind 115 Häftlinge untergebracht, obwohl die Struktur lediglich für 88 Personen ausgerichtet ist. Hinzu kommt ein erheblicher Personalmangel. Von 84 Stellen sind tatsächlich nur 50 besetzt.

Für die Grünen ist die Qualität des Strafvollzugs ein wesentlicher Bestandteil der Sicherheitspolitik. Sämtliche staatliche und internationale Untersuchungen zeigen, dass die Verhinderung von Straftaten und die Verringerung der Rückfallquote in hohem Maße von den Haftbedingungen und den Möglichkeiten zur Wiedereingliederung durch Ausbildung und Arbeit abhängen. „Ein funktionierendes Gefängnis ist ein Sicherheitsfaktor für die gesamte Gesellschaft. Wenn wir die Rückfallquote senken wollen, müssen wir in die Haftbedingungen und vor allem in Möglichkeiten für Ausbildung, Arbeit und Wiedereingliederung investieren. Wir können nicht davon ausgehen, dass das Gefängnis eine von der übrigen Gesellschaft getrennte Welt ist“, betont Foppa.

Eine regionale Verwaltungsbehörde für Trentino-Südtirol

Aus diesem Grund fordert die Grüne Fraktion erneut eine Stärkung der Rolle der Autonomie beim Thema Gefängnis Bozen. Derzeit untersteht es der Verwaltungsbehörde mit Sitz in Padua, die auch für das Gefängnis von Trient sowie für die Einrichtungen in Venetien und im Friaul Julisch Venetien zuständig ist. „Das Gefängnis ist personell unterbesetzt, und das wenige vorhandene Personal hat Schwierigkeiten, in Bozen eine Wohnung zu finden: Eine näher gelegene Gefängnisverwaltung könnte mit der Politik zusammenarbeiten, um hierzu Lösungen zu finden. Ein weiteres Beispiel sind kleinere Ausgaben. Anschaffungen wie Waschmaschinen oder Ventilatoren, die gerade heute anhebracht wurden (von der Strafverteidigerkammer geschenkt oder von den Häftlingen selbst gekauft!), würden in den Zuständigkeitsbereich der Strafvollzugsverwaltung fallen. Doch weil diese zu weit entfernt ist, verlängern sich für Bozen sämtliche Bearbeitungszeiten.“ Auch Rechtsanwalt Valcanover betont diesen Punkt besonders. Er erinnert daran, dass der Antrag zur Einrichtung der regionalen Gefängnisgbehörde bereits vor acht Jahren im Regionalrat verabschiedet wurde. Sowohl SVP als auch der damalige Regionalratsabgeordnete Urzì hatten mit dafür gestimmt.

Eine konkrete Umsetzung ist jedoch nicht erfolgt. Deshalb wurde der Vorschlag in diesem Jahr von der Grünen Fraktion erneut eingebracht. Eine regionale Gefängnisbehörde könnte zentrale Zuständigkeiten in strategischen Bereichen übernehmen, etwa beim Bau und bei der Infrastruktur von Justizvollzugsanstalten, bei der Organisation der Arbeit innerhalb und außerhalb der Einrichtungen, bei der Mediation sowie bei der Koordination mit den Diensten vor Ort.

Im Frühjahr dieses Jahres hatte der Präsident der Region Arno Kompatscher darum gebeten, die Behandlung des Antrags auf den Herbst zu verschieben, damit zuvor einige Vereinbarungen mit dem Staat über die Justizvollzugsverwaltung abgeschlossen werden könnten. „Nun stehen der Herbst und die Septembersitzung vor der Tür. Wir erwarten, dass nach acht Jahren des Wartens endlich ein konkreter Schritt nach vorne gemacht werden kann. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, das Versprechen einzuhalten und über unseren Antrag abzustimmen“, schließt Foppa.

 

Landtagsabgeordnete

Brigitte Foppa
Madeleine Rohrer
Zeno Oberkofler

Wahlrecht ab 16 Jahren bei Referenden, Bürgerbefragungen und Volksinitiativen in allen Gemeinden von Trentino-Südtirol: Anlässlich des Internationalen Tag der Jugend betonen die Grünen ihre Forderung nach einer echten politischen Beteiligung junger Menschen.

Der Internationale Tag der Jugend, der jedes Jahr am 12. August begangen wird, hat dieses Jahr „Different Contexts, Common Aspirations“ (Unterschiedliche Kontexte, gemeinsame Ziele) zum Thema. So wird unterstrichen, dass junge Menschen auf der ganzen Welt gemeinsame Anliegen teilen: in Würde zu leben, eine nachhaltige Zukunft aufzubauen, Zugang zu Chancen zu haben und nicht zuletzt am öffentlichen Leben teilzunehmen;

„Die Beteiligung junger Menschen darf nicht nur ein Schlagwort sein, das einmal im Jahr gefeiert wird. Wenn wir eine lebendige Demokratie wollen, müssen wir den neuen Generationen konkrete Instrumente geben, mit denen sie Einfluss auf Entscheidungen nehmen können, die ihre Zukunft betreffen“, erklären die Regionalratsabgeordneten Zeno Oberkofler, Brigitte Foppa, Madeleine Rohrer und Lucia Coppola. „Oft heißt es: Die Jugend ist die Zukunft. Tatsächlich ist sie die Gegenwart, und es ist richtig, dass sie von Anfang an in Entscheidungen einbezogen wird“, sagt Zeno Oberkofler.

Für die Grünen muss sich diese Beteiligung auch in konkreten politischen Rechten niederschlagen. Deshalb haben sie im Regionalrat einen Gesetzentwurf eingebracht. Der Vorschlag zielt darauf ab, in der gesamten Region einheitlich das Wahlrecht ab 16 Jahren bei Referenden, Bürgerbefragungen und Volksinitiativen auf Gemeindeebene einzuführen. Der Vorschlag ändert den Kodex der örtlichen Körperschaften, hebt die derzeit den einzelnen Gemeinden überlassene Möglichkeit auf und beendet damit eine rechtliche Fragmentierung, die zu uneinheitlichen Regelungen in der gesamten Region geführt hat.

„Den 16-Jährigen die Teilnahme an Bürgerbefragungen zu ermöglichen ist ein Mehrwert für die Gemeinden. Wer weiß besser als junge Menschen, wie man für junge Menschen attraktiv sein kann? Die jüngeren Generationen werden unmittelbar von den Folgen der Entscheidungen betroffen sein, die wir heute treffen: von der Klimakrise über die Mobilität bis hin zu Wohnen und Schule. Deshalb ist es nur richtig, dass sie bei den Entscheidungen ihrer Gemeinschaft mitreden können“, betont Oberkofler.

Den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, an den Entscheidungen ihrer Gemeinde teilzunehmen, bedeutet, die Verbindung zu den Institutionen zu stärken, die neuen Generationen an die Politik heranzuführen und eine solidere demokratische Kultur aufzubauen.

„Am Tag, der der Jugend gewidmet ist, lautet die glaubwürdigste Antwort, welche die Politik geben kann: Nicht über junge Menschen sprechen, ohne junge Menschen einzubeziehen. Lassen wir sie mitmachen“, schließen die Grünen.

Weitere Informationen: https://www.regionalrat.tnst.it/de/aufgaben-funktionen/seiten/atto-politico/4859

 

Landtagsabgeordnete

Zeno Oberkofler
Brigitte Foppa
Madeleine Rohrer
Lucia Coppola