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Zum Unsinn der Kopftuchverbote

KopftuchKrampfhaft versuchen die KollegInnen der Rechtsparteien in periodischen Abständen die Kopftuchdebatte auf Südtirol auszudehnen. Diesmal offenbar mit einer Landtagsinitiative der Freiheitlichen, in der man das Tragen von Kopftüchern in öffentlichen Institutionen wie Bildungseinrichtungen, Schulen, Kindergärten, Ämter, Behörden und Gemeinderäten verbieten will.
Wir haben uns als Grüne Frauen schon seit Längerem mit dem Thema der Verschleierung auseinandergesetzt und haben dies, vermutlich im Unterschied zu Ulli Mair, in Zusammenarbeit mit Musliminnen getan. Wir sind aus mehreren Gründen gegen Kopftuchverbote:

  1. In Italien gilt seit 1975 (Gesetz Nr. 152) das Vermummungsverbot, weswegen das Verhüllen des Gesichtes außer bei Sportveranstaltungen sowieso schon verboten ist.
  2. In Südtirol hat das Kopftuch eine lange Tradition, zum Teil auch mit katholischem Hintergrund. Es wäre absurd, diese kopftuchtragenden Frauen durch ein generelles Kopftuchverbot aus den Institutionen auszuschließen – andererseits wäre es diskriminierend und verfassungswidrig, das Kopftuchverbot für eine einzige Religionsgemeinschaft auszusprechen.
  3. Aus feministischer Sicht könnte argumentiert werden, dass das Kopftuch Zeichen der Unfreiheit ist, weil es Mädchen und Frauen aufgezwungen wird. Dieser Fall ist möglich. Daneben es gibt viele muslimische Frauen, die das Kopftuch als Zeichen ihres Glaubens selbstbestimmt wählen. Die Situation der muslimischen Frauen ist oft durchaus problematisch. Diese Probleme, die daraus entstehen, dass sie sozusagen in einem „doppelten Patriarchat“ (also dem muslimischen und dem „abendländischen“) leben, werden aber durch ein Kopftuchverbot weder gelöst noch gemindert.
  4. Wir sind der Meinung, dass die Förderung von Frauen generelles Anliegen der Politik sein muss. In den meisten Fällen sind Forderungen von Kopftuchverboten nicht Aktionen FÜR Frauen, sondern vielmehr Aktionen GEGEN MigrantInnen. Wer sich also als BefreierIn der muslimischen Frauen aufspielt, arbeitet in Wirklichkeit gegen Aufgeschlossenheit und echte Inklusion.
  5. In jedem Fall ist das Thema gemeinsam mit den Musliminnen anzugehen. Nur dann entsteht Verständnis und Differenzierung. Gegen die politische Ausschlachtung eines so sensiblen Themas sprechen wir uns ganz ausdrücklich aus.

Die Grünen Frauen
Brigitte Foppa, Landtagsabgeordnete
Cecilia Stefanelli, Bürgermeisterkandidatin in Bozen
Evelyn Gruber-Fischnaller und Caterina Maurer, Co-Sprecherinnen Grüne Frauen
Patrizia Trincanato, Stadträtin in Bozen
Elda Letrari Cimadom, Stadträtin und Bürgermeisterkandidatin in Brixen
Cristina Kury, Landtagsabgeordnete a.D., Gemeinderätin in Meran
Azra Fetahovic, Maria Laura Lorenzini, Julia Psenner, Corinna Lorenzi, Gemeinderatskandidatinnen in Bozen

Politische Kultur, M
An ihren Taten sollt
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