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„Age Management“ für die Unterstützung des Südtiroler Arbeitsmarktes

BESCHLUSSANTRAG.

Der Südtiroler Arbeitsmarkt verändert sich

Die Lebenserwartung der europäischen Bevölkerung ist seit dem Jahr 1900 stark angestiegen. Moderne Hygiene, größerer Wohlstand, bessere medizinische Versorgung und ein gutes Sozialsystem sorgen dafür, dass die Gesellschaft immer älter wird.

In Südtirol beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung bei Männern 81 Jahre und bei Frauen 86 Jahre. Die Geburtenrate beläuft sich bei uns auf rund 10 Kinder je 1000 Einwohner und ist somit die höchste in Italien, wo im Durchschnitt 7,4 Kinder je 1000 Einwohner zur Welt kommen. Die Sterberate hingegen beläuft sich heute in Südtirol auf 8,3 Personen je 1000 Einwohner, Tendenz steigend (siehe Astatinfo 26, 04/2019, Bevölkerungsentwicklung 2018).

Das durchschnittliche Alter der Südtiroler Gesellschaft lag im Jahr 2018 bei 42,8 Jahren, das sind vier Jahre mehr als im Jahr 1998. Daher steuert Südtirol auf eine Situation zu, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat und wir deshalb auch nicht auf bestehendes Erfahrungswissen zurückgreifen können. Das Verhältnis zwischen jenen, die einer Arbeit nachgehen und jenen, die noch nicht oder nicht mehr arbeiten, verschiebt sich zunehmend zugunsten der zweiten Gruppe.

Aufgrund der demographischen Entwicklung bewegt sich der Südtiroler Arbeitsmarkt auf eine schwierige Lage zu. Die allgemeine Pensionierungswelle der Babyboom-Generation hat bereits eingesetzt und wird bis ins Jahr 2030 weitergehen. Bereits heutzutage gestaltet es sich als schwierig, die pensionierten Mitarbeitenden durch junge und qualifizierte Mitarbeitende zu ersetzen. Dieser Trend wird sich aller Voraussicht nach fortsetzen.

Es kommt also nicht nur zu einem Fachkräftemangel, sondern ganz generell zu einem Arbeitskräftemangel: Zukünftig fehlen nicht nur die Fachkompetenzen, sondern es fehlen Personen, die die Arbeiten durchführen. Jährlich werden mehr ältere Menschen aus dem Arbeitsleben aussteigen als junge Menschen einsteigen. Dieses Phänomen lässt sich nicht nur bei uns, sondern auch in der gesamten westlichen Welt beobachten. und daher wird es immer schwieriger, qualifizierte Arbeitskräfte aus dem europäischen Ausland anzuwerben.

Um diese Entwicklung abfedern zu können, bedarf es einer Reihe von Maßnahmen wie attraktive Arbeitsverträge, gutes Betriebsklima, leistbares Wohnen, offene Gesellschaft oder „Age Management“, um nur einige Stoßrichtungen zu nennen. Einige Maßnahmen lassen sich langfristig, andere kurzfristig angehen: Konzepte zu Age Management können in sehr kurzer Zeit ausgearbeitet werden.

Gutes Age Management verschafft dem Arbeitsmarkt etwas Luft

Age Management betrifft nicht nur ältere Arbeitende sondern soll mit „alternsgerechten“ Maßnahmen darauf abzielen, quer durch alle Altersgruppen dafür zu sorgen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gut und gerne arbeiten. Dafür kann an verschiedenen Punkten angesetzt werden. Durch Teilzeitarbeit oder Sabbatjahre wird für Beschäftigte einerseits eine ausgewogene Work-Life-Balance geschaffen. Gesundheitsmaßnahmen sollen darauf abzielen, die körperliche und geistige Belastung bei der Arbeit auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Dazu zählen schon die Schaffung von Ruheräumen im Betrieb oder von Kursangeboten. Noch dazu kommen Qualifizierungsmaßnahmen als weiterer wichtiger Punkt hinzu. Nicht nur junge oder jüngere Mitarbeiter sollen von ihnen profitieren können. Ältere Arbeiterinnen und Arbeiter sollen gezielt weitergebildet werden, um in der sich rasant verändernden Arbeitswelt nicht auf der Strecke bleiben zu müssen. Solche und ähnliche Mittel, die gezielt ältere Mitarbeitende ansprechen, gehören zu den so genannten „altersgerechten Maßnahmen“.

Befolgen Betriebe diese anhand konkreter Beispiele aufgezeigten alternsgerechten und altersgerechten Maßnahmen, so ist dies letztendlich ein Gewinn für das Arbeitsumfeld, in dem verschiedene Personen verschiedenen Alters und unterschiedlichen Backgrounds zur einer gesteigerten Produktivität eines jeden Unternehmens beitragen können.

Age Management setzt also eine neue Kultur am Arbeitsplatz voraus: UnternehmerInnen, Führungskräfte, Gewerkschaftsvertreterinnen, Mitarbeitende im öffentlichen und privaten Sektor sollten baldmöglichst auf neue Konzepte und entsprechende Maßnahmen bauen. Nur so lässt sich möglicherweise der bevorstehende Abgang der Babyboomer-Generation etwas hinauszögern, was für den gesamten Südtiroler Arbeitsmarkt ein großes Mehr wäre.

Daher beauftragt der Südtiroler Landtag die Landesregierung

  1. Einen ständigen Arbeitstisch „Age Management“ mit den Sozialpartnern zu organisieren, um gemeinsam für den Südtiroler Arbeitsmarkt Analysen, Zieldefinitionen und Maßnahmen zu erstellen;
  2. Innerhalb von 18 Monaten einen Bereichsübergreifenden Kollektivvertrag für den öffentlichen Dienst zum Thema Age Management abzuschließen;
  3. Innerhalb von drei Jahren entsprechende Bereichsverträge zum Thema Age Management abzuschließen;
  4. Age Management als Entwicklungsschwerpunkt in den Performance Plan der Südtiroler Landesverwaltung für die Jahre 2021-2023 aufzunehmen;
  5. Die Organisationseinheiten der Südtiroler Landesverwaltung bei der Ausarbeitung von Maßnahmen zu unterstützen und zu begleiten.

Bozen, 17.02.2020

Landtagsabgeordnete
Hanspeter Staffler
Brigitte Foppa
Riccardo Dello Sbarba

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Author: Heidi

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