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Welche Energie für Südtirol?

Grüne Vordenker und grüne Politik fordern seit Jahrzehnten eine Dekarbonisierung der Wirtschaft und endlich ist die Notwendigkeit einer klimaneutralen Energiegewinnung auch in den Köpfen der Politiker der Mehrheitsparteien angekommen. Die Energiekrise, die durch den Krieg gegen die Ukraine ausgelöst wurde, hat inzwischen die allermeisten Skeptiker davon überzeugt, dass die Welt von den fossilen Energien abrücken muss. Doch kann die Wasserkraft eine brauchbare Alternative dazu sein? Kann die Wasserkraft in Südtirol künftig die Energieprobleme lösen?

Auf Initiative der Fachgruppe Wirtschaft fand eine Betriebsführung im Wasserkraftwerk St. Anton in Bozen statt. Es ist zwischen 2016 und 2019 erneuert und optimiert worden und kann seither jährlich ca. 300 GWh Strom produzieren, das entspricht laut Angaben der Betreiber dem Jahresverbrauch von 100.000 Haushalten. Es ist nun das fünftgrößte Kraftwerk Südtirols, gilt als das modernste Großwasserkraftwerk Italiens und wurde mehrfach für Innovation und Nachhaltigkeit ausgezeichnet. 

Die Eisackwerke GmbH hat vor ca. 10 Jahren zwei der öffentlichen Ausschreibungen für Großwasserableitungen in Südtirol gewonnen und hat dann die Konzession und das alte Kraftwerk St. Anton im Jahr 2015 nach längerem Rechtsstreit übernommen. Am 6. Mai 2019 wurde nach Abschluss von Planung, Bau, Ausstattung und Anschluss der Betrieb des neuen Kraftwerks aufgenommen.

Die Übernahme des Kraftwerks durch die Eisackwerke lässt sich als großartige Erfolgsgeschichte lesen:

Das Kraftwerk erzeugt nun im Vergleich zum Vorgängerkraftwerk mehr Energie unter Nutzung von weniger Wasser, was bedeutet, dass mehr Restwasser in den Wasserläufen verbleibt. 

Das gesamte Kraftwerk wurde außerdem in den Berg verlegt, demzufolge ist das Landschaftsbild verbessert und die Lärmbelästigung der Anrainer beseitigt. 

Verbessert wurde auch die ökologische Situation der Talfer, da das Ablassen des Wasser nach der Stromerzeugung nicht mehr zu großen Schwallereignissen im Flusslauf führt. Dafür hat man in den Berg zwei große Ausgleichsbecken gebaut, die eine kontrollierte Abgabe des Wassers ermöglichen. Zugleich wurde durch diese Maßnahme auch die Gefahr für die Bozner Bevölkerung reduziert.

Das Kraftwerk ist verpflichtet, 15% des Umsatzes oder mindestens 2 Mio Euro jährlich an die Anrainergemeinden für Umweltprojekte abzugeben, außerdem versorgt die Anlage landwirtschaftliche Betriebe des Guntschnaberges mit Wasser für die Bewässerung von Wein- und Obstanlagen.

Bei der Betriebsbesichtigung bekamen wir zunächst einen Film zu sehen, der die Baugeschichte und die wichtigsten Daten zum Unternehmen vermittelte, dann konnten wir das Werk im Berg sehen. Die imponierenden Bilder des Kurzfilms wurden natürlich vom Life-Erlebnis in den Schatten gestellt, beeindruckend war das Rauschen des Wassers, waren die Stollen und die Metallstege über den farbig beleuchteten Wasserbecken, die große Maschinenhalle und die neuen glänzenden Maschinen. 

Der leitende Ingenieur Thomas Fiechter, der uns durch das Kraftwerk führte, beantwortete unsere Fragen offen und klar. Normalerweise werden in Südtirols Kraftwerken jährlich rund 7 Terawatt Strom produziert und Südtirols Verbrauch liegt derzeit bei 3,5 Terawatt. In diesem trockenen Jahr wird die gesamte Südtiroler Produktion allerdings auf 3,5 Terawatt beschränkt bleiben und leider wird 2022 aufgrund des Klimawandels nicht das letzte trockene Jahr gewesen sein. Auf geschätzte 16 Terawatt wird in den nächsten Jahren der Bedarf Südtirols an elektrischer Energie anwachsen, denn auch Südtirol wird auch bei Mobilität und Gebäudeheizung ohne fossile Energien auskommen müssen. Woher soll diese Energie kommen? Südtirol kann die Wasserkraft nicht so stark hochfahren, eine Modernisierung der bestehenden Kraftwerke ist aber sinnvoll. Damit könnte Südtirols Energieproduktion nach Einschätzung Fiechters um 20% erhöht werden, ohne die Errichtung neuer Stauseen und Kraftwerke. An fehlenden finanziellen Mitteln dürfte es nicht scheitern, das Bespiel des Kraftwerkes St. Anton zeigt, dass sich Investitionen bereits nach einigen Jahren lohnen, besonders da weiterhin ein hoher Strompreis zu erwarten ist.

Tatsächlich gibt es Interesse an einer weitergehenden Nutzung der Wasserkraft in Südtirol. Der Südtiroler Energieverband (SEV) und die Handelskammer Bozen haben vor wenigen Tagen eine Studie vorgestellt, die die wirtschaftliche Rentabilität von mehreren Wasserkraftprojekten in Südtirol geprüft und positiv beurteilt hat. Sie bringen ein Investitionsvorhaben für Wasserkraftwerke von rund 594 Millionen Euro ins Spiel. Dafür fordern sie allerdings eine Änderung des Gewässerschutzplanes, der derzeit keine neuen Kraftwerke mehr vorsieht. Die Energie- und Klimakrise wird als Argument für ein Überdenken des Gewässerschutzes angeführt.

Südtirol wird in den nächsten Jahren nicht nur die Wasserkraft ökologisch vertretbar ausbauen müssen, sondern auch Photovoltaik und Windkraft und nicht zuletzt werden Effizienzsteigerungen und Energieeinsparungen in großem Ausmaß nötig sein.

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Author: Verena

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