Via al Verde!

BESCHLUSSANTRAG.

Wir leben in sprichwörtlich heißen Zeiten. Extreme Wetterereignisse sind auch in Südtirol angekommen. Es regnet entweder monatelang nicht oder aber der Regen kommt flutartig und versetzt uns in den Ausnahmezustand. Zudem steigen die Temperaturen. Die Sommer werden immer heißer. Laut Klimareport Südtirol 2018 ist die Temperatur in Südtirol seit den 1960er-Jahren insgesamt um 1,5 Grad Celsius angestiegen. In Bozen und Brixen ist es in den Sommermonaten seit den 60er-Jahren sogar um 3 Grad Celsius heißer geworden. Kurzum, in den Städten sind die Temperaturen im Sommer problematisch geworden, auch aus gesundheitlicher Sicht, für ältere Menschen, aber nicht nur. Selbst die Abende verschaffen oftmals wenig Linderung, zumal die so genannten Tropennächte stetig zunehmen. Dieses Phänomen wird uns aufgrund der klimatischen Veränderungen in den nächsten Jahren begleiten. Dem großen Szenario kann nur durch große Eingriffe entgegengesteuert werden. Drastische Verringerung der Treibhausgasemissionen, alternative Energiegewinnung usw. müssen auf die politische Agenda.

Parallel müssen Programme ausgearbeitet werden, die die Anpassungsnotwendigkeiten an die Erderwärmung skizzieren und auffangen. Dem zu erwartenden und bereits eingesetzten Leidensdruck muss im Großen wie im „Kleinen“ begegnet werden.

Ein Beispiel ist die Begrünung von Städten. Pflanzen üben einen kühlenden Effekt auf ihre Umwelt aus. Sie sorgen für bessere Luftqualität, auch wenn dieser positive Effekt nicht so einfach und direkt funktioniert, wie oft angenommen wird. Eine Begrünung der urbanen Zentren hat auf jeden Fall einen doppelt positiven Effekt. Nimmt man den ästhetischen und emotionalen Aspekt noch hinzu, ist der Effekt gleich ein dreifacher.

Denken wir an Begrünung, so stellen wir uns zuallererst die klassische horizontale Art vor: Parks, Gärten, Wiesen, Wälder usw. Diese ist fundamental wichtig und sorgt für eine höhere Lebensqualität der Bewohner:innen, welche die grünen Oasen in der Stadt nutzen. Vergleicht man europäische Großstädte in diesem Sinne, stellt man gleich große Unterschiede fest: So besteht laut „World City Culture Forum“ gut 45 % der Fläche Wiens aus öffentlichem Grün, während Paris nicht mal 10 % öffentliche Parks und Gärten sein Eigen nennt und Istanbul gar nur 2 % (Zahlen von 2013 bzw. 2014).

In Südtirols Städten ist es nicht schlecht um öffentliche Grünflächen bestellt. Laut stadteigenem Grünplan besteht beispielsweise Bozens Fläche zu zwei Dritteln aus Grünzonen, die es zu schützen gilt. Denn durch Umwandlung von landwirtschaftlichem Grün in Bauzonen droht eine zunehmende Versiegelung der Böden. Kurz zusammengefasst bedeutet dies, dass das Grün innerhalb der Stadt geschützt und ausgebaut werden muss. Dies gilt in ähnlichem Ausmaß auch für andere Großgemeinden Südtirols. Denn alpine Täler sind der Ausbreitung von Luftschadstoffen stark ausgeliefert. Südtirol weist daher vor allem in den urbanen Zentren eine hohe Konzentration von Stickoxiden, Staub, Kohlenstoffmonoxid usw. auf (Quelle: Südtiroler Sanitätsbetrieb). Will heißen, dass für den Mix aus Abgasen und heißen Temperaturen gar nicht genug Grünes Entgegenwirken geben kann.

Um so viel Grün wie möglich in eine Stadt zu bringen, kann nicht nur die horizontale, sondern auch die vertikale Fläche genutzt werden. So geschehen in Mexico City. Diese Riesenmetropole kämpft seit Jahren mit dem Verkehr. Die Bevölkerung leidet dementsprechend. Aus diesem Beweggrund entstand im Jahr 2016 das Projekt „Via Verde“. Ein Architekt hatte die Idee, die Betonpfeiler entlang der „Gürtelstraße“ in der Stadt mit speziellen Pflanzen zu begrünen. Diese sollten die Luft filtern und so vor allem die Abgase bekämpfen. Ziel war es, 1000 Betonpfeiler mit insgesamt 60.000 Quadratmetern Fläche zu bepflanzen. Das Projekt wurde umgesetzt und sorgte auch optisch für einen Aufheller.

Das Projekt wurde medial vielfach besprochen und gelobt. Dabei gab es auch kritische Stimmen. So merkte beispielsweise der Britische „Guardian“ an, dass vertikales Grün kein Ersatz für Parks, Wälder und Grünflächen sei, in welchen sich die Menschen erholen können. Auch sei durchaus kritisch anzumerken, dass die Umwandlung von CO2 in Sauerstoff ein sehr komplexer Prozess ist, den nicht jede Art von Pflanze so umsetzen kann, wie von den Betreibern der „Via Verde“ proklamiert. Dies vorausgeschickt, um zu konstatieren, dass „Vertikales Grün“ auf keinen Fall als Ersatz zu „horizontalem Grün“ verstanden werden darf. Vielmehr ist es eine zusätzliche Hilfe, welche die Basis – also jene von Bäumen, Parks etc. – nie ersetzen kann und darf.

Auch Südtirol könnte sich die positiven Effekte zu Eigen machen: Denn neben einer überregionalen Autobahn und einer Schnellstraße durchziehen Staatsstraßen und diverse andere innerstädtische und heftig befahrene Straßen unser Land. Aus diesem Grund ist Südtirol prädestiniert für eine vertikale Begrünung. Diese würde vor allem den Menschen in den urbanen Zentren zugutekommen. Denn Städte leiden besonders stark unter Abgasen und hohen Temperaturen im Sommer. Durch schnell erreichbare Wälder und Parks als Naherholungszentren sind kleinere Gemeinden davor vielfach geschützt. Zudem staut sich in höher gelegenen Dörfern und Tälern die Hitze nicht so wie in den Ballungszentren im Tal. Die vertikale Begrünung könnte daher vor allem für Südtirols Stadtgemeinden eine gute Lösung darstellen.

Daher beauftragt der Südtiroler Landtag die Landesregierung

  1. Ein Pilotprojekt zu starten, bei dem in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Gemeinden in Bozen, Meran, Brixen, Sterzing, Bruneck und Leifers Betonpfeiler und Wände nahe viel befahrener Straßen nach Vorbild von Mexico City begrünt werden.
  2. Bei der Begrünung vor allem solche Pflanzen zu verwenden, die für die Verbesserung der Luftqualität gut geeignet sind.

Bozen, 26.07.2022

Landtagsabgeordnete

Brigitte Foppa

Hanspeter Staffler

Riccardo Dello Sbarba

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