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Ursachenforschung zu Plastikmüll in Fließgewässern

BESCHLUSSANTRAG.

Einleitung

Die Südtiroler Gemeinden verfügen über ein effizientes Müllsammelsystem und über eine gut funktionierende Mülltrennung. Jede Gemeinde hat zumindest einen Recyclinghof, der von den Bürgerinnen und Bürgern in regelmäßigen Abständen aufgesucht wird. Die getrennte Sammlung von Plastik hat sich etabliert, unsachgemäß entsorgter Plastikmüll in der Landschaft ist eine Seltenheit.
Und trotzdem fällt auf, dass in den Fließgewässern relativ viel Makroplastik vorhanden ist. Besonders augenscheinlich ist dies nach einem Hochwasser, weil das Plastik in der Ufervegetation für alle sichtbar hängen bleibt. Die Etsch zwischen Meran und Salurn scheint besonders stark unter der Verschmutzung durch Plastik zu leiden, bei den jährlichen Säuberungsaktionen in Terlan, in Neumarkt und andernorts kommen beträchtliche Mengen Plastikmüll zusammen.

Woher kommt der Plastikmüll?

Der Plastikmüll in der Etsch ist höchstwahrscheinlich nur Ausdruck eines landesweiten Phänomens, sämtliche Zubringer der Etsch dürften ebenfalls erhebliche Plastikmengen mit sich führen. Landesrat Vettorato hat der Grünen Fraktion folgende Antwort auf eine Landtagsanfrage bezüglich Ursache für das hohe Plastikaufkommen in der Etsch gegeben: „Zu den Hauptursachen für das Vorkommen von Plastikmüll und Mikroplastik in der Etsch bzw. in allen anderen Gewässern zählen der am Boden zurückgelassene Abfall, der durch atmosphärische Einflüsse (Regen, Schnee oder Wind) in Fließgewässer gelangen kann, synthetische Fasern aus dem Abwasser von Waschmaschinen, die von den Kläranlagen nicht vollständig zurückgehalten werden sowie Reifenabrieb auf dem Asphalt.“
Dies könnte eine mögliche Erklärung sein, die wir aber aufgrund von Beobachtungen und Dokumentationen eher als zweitrangig einstufen würden. Wahrscheinlicher erscheint uns eine andere Hauptursache, die auf der Homepage der Umweltagentur als „illegale Deponien für Haushalts- und Industrieabfälle sowie unsachgemäß geführte Deponien“ beschrieben wird.

Eine mögliche Erklärung

#Diese Vermutung ergibt sich aufgrund einer groben Sichtung des gesammelten Plastikmülls: dabei entsteht der Eindruck, dass die angeschwemmten Plastikflaschen, Hartplastikstücke, Teile von Planen, Gummireifen (siehe Foto) aus den siebziger Jahren stammen. Damals gab es auch bei uns viele „unsachgemäß geführte Deponien“, von denen wahrscheinlich noch lang nicht alle saniert wurden.
Oftmals lagen diese „unsachgemäß geführten Deponien“ in Gräben und auf Bachböschungen, vermutlich wurden sie noch in den siebziger oder frühen achtziger Jahren mit Erdmaterial abgedeckt und schließlich vergessen. Es kann also durchaus sein, dass Hochwasserereignisse von einer gewissen Größe bachnahe Deponien mobilisieren. Das Hochwasser erodiert zuerst die Erdschicht und reißt dann den Deponieinhalt mit sich.
Sollte diese Hypothese den Tatsachen entsprechen, müssten sämtliche wilde oder vergessene Deponien lokalisiert, klassifiziert und gemäß den zurzeit geltenden Umweltnormen saniert werden.

Daher beauftragt der Südtiroler Landtag die Landesregierung

Ein Forschungsprojekt in Auftrag zu geben, welches der Ursache für die beträchtlichen Mengen an Plastikmüll in der Etsch und in den Seitenbächen auf den Grund geht.

Bozen, 24.03.2021

Landtagsabgeordnete
Hanspeter Staffler
Brigitte Foppa
Riccardo Dello Sbarba

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Author: Heidi

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