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Motorräder auf den Dolomitenpässen

BESCHLUSSANTRAG

Im Winterhalbjahr 2018/2019 haben sich Bürgerinnen und Bürger gemeldet, um ihren Unmut zur Verkehrssituation im Allgemeinen und ihre Besorgnis zum ständig anwachsenden Verkehr im Lande mitzuteilen. Dabei wird auffallend oft auf ein besonderes Phänomen rund um die Dolomitenpässe hingewiesen: Der Lärm, vor allem verursacht durch Motorräder, wird für die lokale Bevölkerung zu einer großen Belastung.

Lärmmessungen erfolgen im Allgemeinen nur nach Beanstandung. Dann wird vor allem im Ortsgebiet gemessen, wo bei Tag ein Grenzwert von 50 Dezibel festgelegt ist. Innerhalb der Ortschaften stellt die Lärmbelästigung, erzeugt von Personenkraftwagen oder Motorrädern nur selten ein Problem dar, da dort eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h besteht und sich die Verkehrsteilnehmer im Allgemeinen auch daran halten. Dort, wo das Lärmproblem am größten ist, nämlich außerhalb der Orte und vor allem auf den Passstraßen, kommen Lärmmessungen selten bis nie zum Einsatz. Hier spielen jedoch Geschwindigkeitsübertretungen viel öfters eine Rolle als dies in den Ortskernen der Fall ist.

Im Rahmen des Projektes #Dolomitesvives hat die Eurac hierzu eine sehr informative Studie herausgegeben („#DOLOMITESVIVES Vivere un’esperienza naturale sulle Dolomiti“).

Wie bereits bekannt, war das Sellajoch im Jahr 2017 an insgesamt 9 Tagen, nämlich jeweils am Mittwoch im Juli und August von 9-16 Uhr für den Privatverkehr gesperrt. Dies wirkte sich wie folgt auf die Lärmbelastung aus: An besagten Tagen war der Lärm zwischen 9 und 16 Uhr um ca. 10 Dezibel geringer als an den Tagen ohne Regulierung. Laut Eurac wird dieser Rückgang vom menschlichen Ohr als Halbierung des Geräuschpegels wahrgenommen.

Eine interessante Auswirkung hatte die Sperrung des Sellajochs auf das Grödnerjoch, das keiner besonderen Regulierung unterlag: Vor dem Start des Projektes #Dolomitesvives gab es die Befürchtung, die Schließung des Sellajochs könnte zu einem Anstieg des Verkehrs sowie des Lärms auf dem Grödnerjoch führen. Interessanterweise ist dieser Fall nicht eingetroffen. Der Verkehr auf dem Grödnerjoch stieg an besagten Mittwochen zwar leicht an, jedoch konnte ein Rückgang des Lärms beobachtet werden im Vergleich zu anderen Tagen wie Dienstag oder Donnerstag. Die Eurac führt diesen Lärmrückgang darauf zurück, dass an besagten Tagen insgesamt weniger Motorräder unterwegs waren.

Auf den Dolomitenpässen verkehren vor allem im Sommer sehr viele Motorräder. Auf dem Grödnerjoch wurden sie im Juli und August 2017 jeweils zwischen 9 und 16 Uhr gezählt. Täglich fuhren demnach zwischen 553 (geringste Zahl, gemessen an einem Mittwoch, an dem das Sellajoch für den Verkehr gesperrt war) und 1138 Motorräder über das Grödnerjoch. Dies entspricht im Durchschnitt zwischen 1,2 und 2,7 Motorrädern in der Minute! Wer mit der Lärmkurve eines sich nähernden bzw. sich entfernenden Motorrades vertraut ist, der weiß, dass diese Zahlen einem nie abschwellenden, kontinuierlich hohen Lärmpegel entsprechen.

Diese Daten gehen Hand in Hand mit jenen des Mobilitätskonzepts Welschnofen, welche bei einer Bürgerversammlung am 9. November 2018 vorgestellt wurden und zu ähnlichen Ergebnissen wie jene der Eurac kommen: Im Sommer 2018 wurde auf dem Karerpass am 9., 11. und 12. August zwischen 700 und 900 Motorräder gezählt.

Hinzu kommt noch ein weiteres Problem. Laut EU-Richtlinie darf ein Motorrad eine maximale Lautstärke von 80 Dezibel erzeugen. Jedoch sind die Testbereiche sehr begrenzt – so sind hohe Geschwindigkeiten bei den Lärmmessungen im Test nicht vorgesehen. Daher kann davon ausgegangen werden, dass regulär sich im Verkehr befindliche Motorräder in vielen Fällen lauter sind, als die als Höchstgrenze definierten 80 Dezibel vorschreiben. Es wäre demnach sinnvoll, vermehrt gezielte Geschwindigkeitskontrollen und Lärmmessungen auf beliebten Motorradrouten zu machen, um die Problematik besser in den Griff zu bekommen.

Ein zusätzliches Problem bei der Lärmbelästigung durch Motorräder sind die Manipulationen, welche Fahrzeughalter und Fahrzeughalterinnen oftmals an den Auspuffanlagen ihrer Krafträder vornehmen. Hierzu gibt es kaum Datenmaterial, aber Expertinnen und Experten schätzen, dass der Anteil solcher Manipulationen erheblich ist.

Die meisten Motorradfahrer und Motorradfahrerinnen haben auf den Passstraßen ein rücksichtsvolles Verkehrsverhalten und respektieren die vorgeschriebenen Geschwindigkeitsbegrenzungen. Ein kleinerer Teil jedoch beschleunigt in unverhältinismäßiger Art und Weise das Motorrad zwischen den Kehren und erzeugt dadurch jene Lärmkulisse, die von den Bürgerinnen und Bürgern als Zumutung empfunden wird.

Langfristig ist sicherlich für Mensch und Umwelt eine Lösung im Sinne einer Sperrung der Dolomitenpässe für den Privatverkehr anzustreben. Im Projekt #Dolomitesvives konnten wir beobachten, dass dies funktioniert und ein Mehr für die lokale Bevölkerung sowie für die Touristinnen und Touristen darstellt. Bis zum Erreichen dieses langfristigen Ziels soll jedoch Schritt für Schritt für Entlastung auf den Dolomitenpässen gesorgt werden, damit die Natur für uns alle wieder zu einem Ruhepol werden kann!

Daher beauftragt der Südtiroler Landtag die Landesregierung:

  1. In Absprache mit der Gemeinde- und Straßenpolizei, gezielte und immer wiederkehrende Verkehrskontrollen vor allem auf den Dolomitenpässen vornehmen zu lassen, um Manipulationen der Auspuffanlagen an den Motorrädern und gefährliche Geschwindigkeiten zu ahnden.
  2. Die gezielten Verkehrsontrollen auf Südtirols Pässen in einschlägigen Foren wie motorradonline.de anzukündigen.

Bozen, 24.04.2019

Landtagsabgeordnete

Hanspeter Staffler

Brigitte Foppa

Riccardo Dello Sbarba

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