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Impfpass – Ahnenpass?

KOMMENTAR VON BRIGITTE FOPPA.

Heute habe ich ein Whatsapp zugeschickt bekommen, das den Impfpass zum Zugang zu Museen etc. mit dem NS-Ahnenpass vergleicht.

Und hier muss ich ein Zeichen setzen und sagen: Das geht zu weit.

Ich verstehe Kritik an den sanitätspolitischen Maßnahmen.

Ich habe mich selber gerne impfen lassen. Zugleich bin ich skeptisch, ob ein wie auch immer gearteter Impfzwang die Impfbereitschaft erhöhen wird, ich würde auf Impfen&Testen setzen. Aber egal.

Was mich hier beschäftigt und wogegen ich mich erhebe, ist der Vergleich mit der NS-Zeit.

Denn Menschen zu verfolgen, zu quälen und zu töten, aufgrund ihrer Abstammung, ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Identität, ihrer religiösen oder politischen Zugehörigkeit, das IST NICHT DASSELBE, auch nicht im Ansatz oder in der Wurzel, wie ein Test- oder Impfnachweis, um in ein Museum zu kommen.

Ich stelle fest, dass es nur so wimmelt von Vergleichen mit der NS-Zeit, für immer weniger wird die NS-Zeit bemüht.

Es gab eine Zeit, da war man sehr vorsichtig, die NS-Zeit ins Felde zu führen, lange Zeit auch zu vorsichtig. Aber wie leichtfertig jetzt damit umgegangen wird, das kann ich nicht ertragen.

Wenn auf Anti-Corona-Demos der gelbe Stern getragen wird, dann tut man all jenen Unrecht, die den Stern wirklich haben tragen müssen. Ich war in Auschwitz, und die Verzweiflung, die mich als Nachfahrin dieser Zeit dort erfasst hat, wirkt in mir noch Jahre später nach.

Auschwitz banalisieren, wie es jetzt geschieht, das ist für mich nicht akzeptabel.

Ich habe bisher versucht, in der unerträglichen Polarisierung der gegenwärtigen Zeit weiterhin meinem Gegenüber zuzuhören und ihm oder ihr nicht meine Meinung aufzuzwingen.

Das werde ich auch weiterhin tun.

Wenn es klare Distanznahme braucht, dann muss sie erfolgen. Hier wird eine Grenze überschritten, und da sage ich: Halt.

Bleiben wir kritisch, bleiben wir aufmerksam, schützen wir unsere Gesundheit und unsere Demokratie (beides ist wichtig, und in dieser Zeit zerbrechlich).

Bleiben wir wachsam und respektvoll.

Und erkennen wir bitte weiterhin die Grenzen, vor denen wir Halt machen müssen.

 

BZ, 16.07.2021

Brigitte Foppa

 

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