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Ehrendes Gedenken für Franz Thaler

Südtiroler Kronzeuge für die Kraft der Erinnerung.

FRRanz

Franz Thaler ist gestern in Sarnthein nach kurzer Krankheit im hohen Alter von 90 Jahren verstorben. 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, 100 Jahre nach Beginn des Großen Krieges auch in Tirol hat ein großer Zeitzeuge des 20. Jahrhunderts sein Leben beendet.
Franz Thaler ist einer der letzten Kronzeugen des Widerstands gegen den Nationalsozialismus in Südtirol, dessen brutale Verfolgung er als 19-jähriger Wehrdienstverweigerer im Konzentrationslager Dachau in aller Härte erleben musste. Aus der furchtbaren Jugenderfahrung machte er das Beste, was nur möglich war: Er trug seine Erinnerungen und Überzeugungen in die Öffentlichkeit und legte sie in einem Buch nieder, das zu den wichtigsten Südtirols zählt.
Das 1988 erschienene „Unvergessen“ belebte die allzu lange blockierte Erinnerung an Option, Nationalsozialismus und Widerstand und wurde für zahlreiche LeserInnen weit über Südtirol hinaus zum Schlüsseltext. Die klare Sicht auf die 1944/45 erlittene Verfolgung, das scharfe Urteil über die Verantwortung, die auch Einheimische an der NS-Verfolgung trugen, erhoben „Unvergessen“ zur eindringlichen Lektion über Südtirols Zeitgeschichte, die Erfahrung und den Mut eines Einzelnen.
Die Glaubwürdigkeit Thalers rührte auch daraus, dass er keine öffentliche Person war, kein Intellektueller, sondern ein einfacher Federkielsticker, dessen Erinnerungskraft, Wille zur Wahrheit und Versöhnungsbereitschaft tief überzeugend wirkten. Diesem Ziel blieb er verpflichtet: „Ich hab mir meine Meinung nie nehmen lassen. Es war mit immer wichtig, die Wahrheit zu sagen.“
Mehr als viele Publikationen und Zeitzeugen hat Franz Thaler zur Bearbeitung einer schwierigen Vergangenheit beigetragen. Sein Beitrag dazu, dass in der Erinnerung Südtirols nicht nur der Opferstatus „unter“ Faschismus und Nationalsozialismus, sondern auch die eigene Mitverantwortung zumindest teilweise erkannt und angenommen wurden, ist nicht hoch genug anzuschlagen.
In den letzten Jahren haben Verantwortungsträger auf Staats-, Landes- und Gemeindeebene die Verdienste von Franz Thaler gewürdigt.
Der bescheidene Mann aus dem Sarntal bleibt einer der Großen unseres Landes, das ihm zu bleibender Dankbarkeit verpflichtet bleibt.
Auch seiner Familie, seiner Frau und den Töchtern, die die Ideale von Franz Thaler überzeugt mitgetragen haben, gilt unsere herzliche Anteilnahme.

Bozen, 30. Oktober 2015
L.Abg.
Hans Heiss                                                       
Brigitte Foppa                                 
Riccardo Dello Sbarba

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