Ein Tal im Ansturm: ein Numerus Clausus muss her
Was in diesen Tagen in Gröden vor sich geht, sprengt alle Grenzen des Zumutbaren. Verkehrschaos tagein tagaus, Tagestouristen, die in ihren Autos stundenlang die Mobilität ganzer Dörfer blockieren. Man will für 52 Euro pro Person zum Seceda, man will zu den Dolomitenpässe, man will sehen, abknipsen und dann wieder gehen. Mehr nicht. Die Bevölkerung vor Ort ist wütend und frustriert. „Ich wandere aus! So will ich hier nicht mehr leben!“, hat mir gestern eine Frau anvertraut.
Seceda ist zum Social-Media Hotspot geworden. Wieso weiß man nicht genau, weil das Foto der Fermedes von Apple als Screensaver verwendet wurde, weil das Bild da oben einfach wunderbar einmalig ist – keine Zweifel -, weil es einfach so passiert ist? Was auf und durch die Social-Media Plattformen von sich geht, scheint ja seit langem schon für uns Leihen unkontrollierbar, pure digitale Anarchie, die Wahlen manipuliert, Radikalismus fördert und eben auch Lebensräume zerstört. Man kennt das Beispiel von Hallstatt, wo man mit einem hohen Zaun versucht hat, die Fotoknipser einzudämmen. Man kennt es vom Pragserwildsee, wo man mit der Kontingentierung versucht, wieder Ordnung zu schaffen. Man kennt das Phänomen, aber man scheint keine Lösung zu kennen. Neulich hat mir ein Bekannter, der in London lebt, erzählt: „in Portobello Road hat man angefangen die Häuser schwarz anzumalen. Der Ansturm und das Benehmen der Fotoshooter:innen ist nicht mehr auszuhalten. Durch die schwarze Wandfarbe hofft man die Straße als Fotomotiv weniger attraktiv zu machen und endlich ein wenig Ruhe zurückzugewinnen.“
Die Bergspitzen am Seceda werden wir schlecht schwarz anmalen können, aber hier muss dringend was geschehen, denn dieser Menschenansturm ist schon lange nicht mehr tragbar und wird von Jahr zu Jahr dramatischer. Die Bauern am Seceda haben versucht, mit dem Drehkreuz am Weg, die Aufmerksamkeit zu gewinnen. Der Künstler Aron Demetz hat mit der Aktion der weiß-roten Schranke in Pontives am Taleingang, provoziert. Die Touristiker:Innen haben sich öffentlich zu Wort gemeldet.
Diese Situation ist als Notsituation zu behandeln. Ein Numerus Clausus für die Bergbahnen ist dringend und wäre umsetzbar. Schon jetzt ist es möglich die Tickets im Voraus online zu kaufen. Es ist nicht nachvollziehbar, dass man gefühlt unendlich viele Menschen auf die Berge chauffieren darf, ohne Rücksicht auf das Backlash auf die lokale Bevölkerung, auf die Grundbesitzer, auf die Umwelt, auf die Qualität des Tourismus. Wer Ohren hat, der höre endlich, bevor es wirklich zu spät ist.