Die wieder neu aufgeflammten Diskussionen rund um den Einsturz von Teilen des Gerichtsgebäudes in Bozen bestätigen, dass bisher keine Einigkeit darüber herrscht, wie in Südtirol mit Gebäuden und öffentlichen Räumen aus der Zeit des Faschismus umgegangen werden soll.
„Diese Gebäude erzählen eine Geschichte, es ist zweifelsfrei eine schwierige Geschichte,“ sagt die Landtagsabgeordnete Brigitte Foppa. Sie hat gemeinsam mit ihren Kollegen der Grünen Fraktion, Madeleine Rohrer und Zeno Oberkofler, einen Antrag eingebracht, der einen Ausweg aus der oft sehr polemisch geführten Diskussion rund um die Denkmäler bietet.
„Jenseits von völlig überzogenen, ja verächtlichen und menschenfeindlichen Äußerungen, wie wir sie kürzlich beim tragischen Einsturz des Gerichtsgebäudes haben vernehmen müssen, geht es darum, einen sachlichen und zukunftsorientierten Ansatz zu den steinernen Zeugen der faschistischen Diktatur zu finden,“ so Foppa.
Dazu gehört die Klärung – und die Einordnung in einen größeren Kontext.
In Südtirol sind, wie in anderen Ländern, bis heute zahlreiche Zeugnisse der Diktaturen des 20. Jahrhunderts erhalten geblieben, die insbesondere Städte wie Bozen tiefgreifend verändert haben.
„Die Spuren des Faschismus sind Teil unserer leidvollen Geschichte. Sie dürfen weder ignoriert noch einfach beseitigt werden. Vielmehr müssen sie erklärt und historisch eingeordnet werden, damit sie zu Orten des Wissens und der kritischen Auseinandersetzung werden, und nicht der Verherrlichung“, erklärt Brigitte Foppa.
Vor diesem Hintergrund bringt die Grüne Landtagsfraktion einen Antrag im Südtiroler Landtag ein, die den Beitritt Südtirols zur europäischen Kulturroute ATRIUM vorsieht. Die Route widmet sich Orten und Bauwerken aus der Zeit der totalitären Regime des 20. Jahrhunderts.
„Das europäische ATRIUM-Netzwerk bietet die Möglichkeit, die Südtiroler Erfahrung mit jener anderer europäischer Städte zu vergleichen, die das bauliche Erbe der Diktaturen des 20. Jahrhunderts bewahren und erschließen. Dem beizutreten bedeutet, in Erinnerungskultur und historisches Bewusstsein zu investieren und damit zu einem Europa beizutragen, das auf Demokratie und Menschenrechten gründet“, erklären die Grünen Landtagsabgeordneten Brigitte Foppa, Madeleine Rohrer und Zeno Oberkofler, und schließen mit einem Ausblick: „Wir werden auch feststellen: Wir sind nicht allein. Die Spur der Diktaturen zieht sich durch ganz Europa, und das wird uns helfen, die anderen besser zu verstehen – ebenso wie uns selbst.“
Landtagsabgeordnete
Brigitte Foppa
Madeleine Rohrer
Zeno Oberkofler