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Die GRÜNEN–VERDI–VËRC Bozen haben ihr Programm im Rahmen ihrer offenen Arbeitsgruppen im letzten Jahr erarbeitet – auf Basis ihrer langjährigen Grundprinzipien: Respekt, Solidarität, Mehrsprachigkeit, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit. Mit unserer langjährigen Erfahrung in Regierungsverantwortung setzen wir uns mutig und mit Weitblick für stetige Verbesserungen hin zu einer Modellstadt für ökologische Nachhaltigkeit ein – mit sozialer Verantwortung und aktiven Maßnahmen gegen die Auswirkungen des Klimawandels. Wir sind uns bewusst: Unsere Gesellschaft ist und wird immer multikulturell sein. Deshalb arbeiten wir an einem friedlichen Miteinander aller Sprachgruppen und Kulturen, setzen uns für den Abbau von Ungleichheiten ein und kämpfen gegen Diskriminierung und Rassismus. Wir stehen für eine offene, solidarische und einladende Stadt. Für eine vorausschauende Kulturpolitik, für das Recht auf leistbares Wohnen und für den Schutz von Arbeit. Wir sind seit jeher ein Referenzpunkt für Umwelt-, Sozial- und Kulturpolitik, für den Schutz des Lebensraums und gegen Bodenverbrauch – mit einer nachhaltigen Mobilität, die Verkehr reduziert, Luftqualität sichert und die Gesundheit der Bevölkerung schützt. Im Mittelpunkt stehen für uns die Bedürfnisse der Menschen, verstanden als umfassendes Wohlbefinden für alle. Wir unterstützen eine innovative, nachhaltige und sozial gerechte Kreislaufwirtschaft. Wir treten für mehr Verantwortung, gesellschaftlichen Zusammenhalt, Solidarität und Frieden ein. Wir lehnen Kriege ab und fördern Friedensakteur*innen. Wir fördern Forschung, Wissenschaft und Kunst, unterstützen Jugendliche sowie Künstler*innen und Musiker*innen.
Die Grünen stehen seit jeher für Teamarbeit, Transparenz und offene, demokratische Prozesse. Ein Beispiel dafür sind die Beteiligungsverfahren mit Expert*innen, Interessensvertreter*innen und Bürger*innen zur Entwicklung von Plänen und Visionen für das Bozen von morgen. Mehrsprachigkeit ist für uns keine bloße Etikette, sondern eine gelebte Haltung – auch in unserem politischen Team – und soll in allen städtischen Politiken stärker verankert und aufgewertet werden. Unsere Stärke liegt in unserer Fähigkeit, uns weiterzuentwickeln, in die Zukunft zu blicken und neue gesellschaftliche Bedürfnisse anzuerkennen. Das zeigt auch unsere vielfältige Kandidatinnenliste mit gleich vielen Frauen und Männern, mit Vertreterinnen der LGBTQ-Community, vielen jungen Menschen, Angehörigen beider Sprachgruppen und weiterer Kulturen, aus Arbeitswelt, Wirtschaft, Genossenschaften, öffentlicher Verwaltung, Jugendkultur, Universität, Schule, Ehrenamt, Zivilgesellschaft, Ökologie, Solidarität und Friedensarbeit.
Um die Ziele nachhaltiger Entwicklung – in Umwelt, Gesellschaft und Stadtplanung – zu erreichen, auch im Interesse kommender Generationen, müssen wir die Begrenztheit der Ressourcen unseres Planeten anerkennen. Deshalb setzen wir auf Null-Bodenverbrauch, Konsumreduktion, Wiederverwendung, Recycling und Energieeffizienz. Ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit sind für uns untrennbar miteinander verbunden.
Der Kampf gegen den Klimawandel und für soziale Nachhaltigkeit ist für uns Priorität und zugleich Chance für die Förderung intelligenter und energieeffizienter Wirtschaft (z. B. Energiegemeinschaften), neuer Arbeitsplätze und Einsparungen, die die Energiekosten der Familien senken und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der Bozner Wirtschaft sichern können.
Angesichts der Migrationsbewegungen, die unsere Grenzstadt durchlaufen oder zum Ziel haben, setzen wir uns für eine menschenwürdige, strukturierte und nicht-notfallmäßige Aufnahme ein – für soziale Sicherheit und Integration. Menschen sollen nicht auf der Straße leben, sondern in würdigen Einrichtungen untergebracht sein. Wir lehnen Sicherheitsideologien, Räumungen und feindliche Architektur ab.
Wir wollen eine Stadt, die alle Menschen gleich behandelt – trotz ihrer Unterschiede – und Diskriminierungen aufgrund von Herkunft, Religion, Sprache, sozialem Status, Geschlecht, Bildung, körperlichen, psychischen oder seelischen Fähigkeiten oder sexueller Orientierung überwindet. Wir glauben an Prävention und Fürsorge.
Auch die Arbeitswelt verändert sich in unserer Stadt. Arbeit muss stärker gewürdigt, besser bezahlt und weniger prekär sein – begleitet vom Recht auf Wohnen. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Arbeitssicherheit. Prekäre Arbeit und zu niedrige Löhne, kombiniert mit hohen Lebenshaltungskosten, führen zu Armut und neuen sozialen Notlagen.
Schließlich wollen wir eine Stadt, die von ihren Bürger*innen geliebt wird und sich um sie kümmert – ein Ort mit viel Grün, voller Schönheit und Lebensfreude. Eine Stadt, in der man sich sicher fühlt, wo sich Solidarität, Respekt und Verantwortung verbinden und Wohlbefinden – als die Fähigkeit und der Wunsch, gemeinsam gut zu leben – für alle möglich ist. Die folgenden Programmpunkte fassen unsere Visionen, unser Engagement und unsere konkreten Vorschläge thematisch zusammen.
Klimawandel bekämpfen und abmildern – mit wirksamen Maßnahmen
Die Klimakrise ist die größte Herausforderung unserer Zeit und muss ganz oben auf der politischen Agenda stehen. Wir sind die erste Generation, die die Auswirkungen des Klimawandels spürt und die letzte, die noch etwas dagegen tun kann. Es braucht ein weltweites Umdenken und einen grundlegenden Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft, auch auf lokaler Ebene. Bozen soll ein europäisches Modell für ökologische Nachhaltigkeit werden, mit Vorreiterschritten in nachhaltiger Mobilität, Gebäudesanierung, Energieversorgung und Bewusstseinsbildung. Wir fordern eine konsequente Umsetzung der Empfehlungen der Bürger*innenversammlung für das Klima, des Klima- und Energieaktionsplans (PAESC) sowie des städtischen Grünplans.
Eine grüne und frische Stadt mit…
Eine Stadt, die auf Effizienz, Sparsamkeit und erneuerbare Energien achtet, steht für…
Eine abfallfreie Stadt…
Eine Stadt mit Tierschutz…
Ein würdevolles Leben als Grundrecht für alle
Bozen gilt als eine wohlhabende Stadt mit einem hohen Lebensstandard. Ein Wohlstand, der jedoch nicht für alle zugänglich ist. Die sozialen Ungleichheiten nehmen zu. Die Komplexität der heutigen Welt und Gesellschaft erfordert ebenso komplexe Antworten. Im Sozialbereich fehlen Fachkräfte und innovative Lösungen, um auf bestehende und neue soziale Phänomene angemessen zu reagieren. Daher ist es notwendig, die erforderlichen professionellen Kompetenzen bereitzustellen, auszubilden und aufzuwerten, um neue und partizipative Antworten zu entwickeln, die Prävention stärken, die Gemeinschaft einbeziehen und soziale Maßnahmen und Politiken im Stadtentwicklungsprozess die gebührende Aufmerksamkeit schenken.
Für ein reguläres und nicht notfallorientiertes Management des Migrationsgeschehens
Migration ist ein globales und unumkehrbares Phänomen – eine Realität, die gestaltet werden muss, um die Zukunft gemeinsam zu bewältigen. Viele Menschen sind gezwungen, ihre Häuser und Heimatländer zu verlassen, um vor Krieg, Zerstörung, Verfolgung, Armut und sozialer Ungerechtigkeit zu fliehen. Diese Menschen brauchen unsere Hilfe und Solidarität. Daher sehen wir es als unsere Pflicht, konkrete und menschenwürdige Antworten auf das Migrationsgeschehen zu finden – nicht in Notfalllogik, sondern durch vorausschauende Strukturen.
Allzu oft wird Migration von der Politik benutzt, um tief verwurzelte Ängste in der Bevölkerung zu schüren: die Angst, die eigene „Identität“ zu verlieren oder dass fremde Menschen die Kultur und Traditionen des Landes „verunreinigen“ könnten. Der zunehmende Hass und die Verachtung gegenüber Migrantinnen ist seit Jahren deutlich sichtbar. Für uns Grüne gibt es keine Rassen, sondern nur eine Menschheit. Deshalb sehen wir Migrantinnen nicht als „Andere“, sondern als Menschen, die aufgenommen und integriert werden sollen.
Menschen mit besonderen Bedürfnissen sind nicht behindert – sie werden behindert.
Vielfalt, Unterschiedlichkeit und die vielen Formen menschlichen Seins sind für uns Grüne zentrale Werte. Jeder Mensch ist einzigartig und anders. Jeder Mensch ist wertvoll. Auch Menschen mit Behinderungen entwickeln Fähigkeiten – wenn man ihnen die passenden Bedingungen bietet. Wir alle können voneinander lernen. Nicht Mitleid prägt unsere Haltung gegenüber anderen Menschen, sondern Achtsamkeit und Respekt. Wir setzen uns für Begegnungen auf Augenhöhe ein. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sie den Bedürfnissen aller gerecht werden.
Ein gesundes und selbstbestimmtes Leben für alle
Wir brauchen gezielte Maßnahmen zur Prävention, Beratung, Begleitung sowie eine kompetente medizinische und sozialgesundheitliche Betreuung mit einem ganzheitlichen Blick auf die Person. Die Voraussetzungen für ein gesundes und selbstbestimmtes Leben betreffen alle Lebensbereiche – und somit auch die Politik. Gesundheitsförderung und Prävention müssen fester Bestandteil von Wirtschafts-, Mobilitäts-, Arbeits-, Bildungs- und Sozialpolitik sein – ebenso wie bei Freizeitgestaltung und Naturkontakt.
Wir unterstützen eine öffentliche Wohnungspolitik – fair, wirksam und durchdacht
Die hohen Mietpreise auf dem privaten Wohnungsmarkt gehören zu den Hauptursachen für die zunehmende Verarmung vieler Familien. Bozen zählt zu den Städten mit den höchsten Mieten und Quadratmeterpreisen in ganz Italien. Nicht nur die Mieten sind exorbitant – auch die Kaufpreise liegen deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Trotz vieler leerstehender Wohnungen ist es für die meisten schlichtweg unmöglich, eine leistbare Wohnung in der Stadt zu finden. Gleichzeitig stehen in Bozen etwa 4.000 Wohnungen leer, während Menschen verzweifelt nach bezahlbarem Wohnraum suchen.
Dem wollen wir mit konkreten Maßnahmen begegnen: durch die Einrichtung einer Task Force / Steuerungsgruppe, die sich diesem drängenden Bedürfnis widmet, und durch massive öffentliche Investitionen in den sozialen Wohnbau – auf bereits verbautem Boden.
Für das Recht auf nachhaltige, sichere und effiziente Mobilität
Bozen kämpft weiterhin mit dem Durchgangsverkehr, dem Pendelverkehr und dem Tourismusverkehr und setzt sich für die Reduzierung von Schadstoffemissionen und Lärmbelastung ein.
Bozen – eine offene Stadt
Bozen ist eine mehrsprachige und multikulturelle Stadt, in der Begegnung und Austausch zwischen verschiedenen Kulturen als Mehrwert gesehen werden müssen. Heute mehr denn je haben wir die Aufgabe, unser Zusammenleben zu stärken. In Bezug auf demokratische Prozesse hat Bozen noch Verbesserungspotenzial. Eine Gesellschaft ist nur dann wirklich demokratisch, wenn alle aktiv an ihrer Gestaltung teilhaben.
Frauenpolitik ist Gesellschaftspolitik
An der Gewährleistung von Chancengleichheit misst sich die Weitsicht einer fortschrittlichen und aufgeklärten Gesellschaft, die die Einzigartigkeit und Vielfalt jedes Menschen anerkennt und schätzt. Eine der edelsten Aufgaben ist es, alle Menschen als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft zu fördern und zu unterstützen – auf ihrem Weg zu einem selbstbestimmten Leben und in der Ausübung ihrer Rechte.
Die vorgegebenen Rollenzuschreibungen aufgrund des Geschlechts führen zu Armut und Ausgrenzung, zu Sexismus und letztlich zu Gewalt – und schaden damit uns allen.
Die grünen Frauen Bozens engagieren sich in der Politik und in der Zivilgesellschaft – und bekennen sich zu Europa.
Sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität sind niemals rein private Angelegenheiten.
In einer offenen und solidarischen Gesellschaft wird Vielfalt wertgeschätzt und Selbstbestimmung auch in Bezug auf Sexualität und Geschlecht gefördert. Denn Sexualität und Geschlecht sind grundlegende Aspekte menschlicher Existenz, die die gesamte Gesellschaft prägen und nicht auf das Private beschränkt bleiben dürfen. Deshalb ist es essenziell, starre Geschlechterrollen, normative Kategorisierungen und auferlegte Hierarchien zu hinterfragen.
Gesetzliche und kulturelle Fortschritte sind ein kollektiver Erfolg und ein Gewinn für alle – hin zu einer gerechteren und inklusiveren Gesellschaft.
Freudvoll und demokratisch lernen – ein Leben lang
Bildung ist für uns eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die interdisziplinär gedacht werden muss: Lernen beginnt mit dem ersten Lebenstag und endet nie. In Bozen und der Provinz gibt es viele innovative Bildungsansätze, insbesondere in den Kindergärten, an der Universität mit ihrem trilingualen Modell sowie in der Berufsbildung.
Andererseits zeigt sich gerade in den Schulen eine Überforderung: überfüllte Klassen, prekäre Arbeitsverhältnisse, Migration, Leistungsdruck – dies sind nur einige der Herausforderungen, mit denen sich das Schulsystem in Bozen konfrontiert sieht.
Die Kultur als Herz einer lebendigen und inklusiven Gesellschaft
Wir Grüne sind überzeugt, dass Kultur ein zentrales Element einer menschlichen Gesellschaft ist. Kulturpolitik ist nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern vor allem ein sozialer und demokratischer Auftrag. Sie fördert das Zusammenleben, stärkt die Gemeinschaft und ist Motor einer nachhaltigen Entwicklung.
Raum für junge Menschen
In vielen Bereichen der Gesellschaft haben junge Menschen bereits soziale Barrieren überwunden. Spontane und innovative Initiativen junger Menschen dürfen nicht durch Verbote oder überbordende Bürokratie behindert werden – sie sollen vielmehr gefördert werden. Wir wollen eine lebendige Stadt, in der junge Menschen ihre Potenziale frei entfalten können.
Miteinander leben – nicht nebeneinander
Kultur und Bildung folgen in Bozen nach wie vor getrennten Wegen. Trotz der mehrsprachigen Realität sind Schulen, Kultur- und Sportvereine oft noch entlang sprachlicher Grenzen getrennt – die Gruppen leben nebeneinander statt miteinander.
Sport als gemeinsames Wachstum und gelebte Inklusion
Durch den Sport wollen wir gezielt in die Entwicklung und Bildung unserer Kinder und Jugendlichen investieren, um eine zunehmend solidarische und gemeinschaftliche Gesellschaft zu fördern, mit direkter Erfahrung von Zusammenarbeit und Inklusion. Sport, gemeinsam mit der Schule ist für uns ein zentrales Element auf dem Weg der Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen.
Für mehr Prävention
Eine Stadt, die ein gutes Angebot an Dienstleistungen, wirtschaftlichen Aktivitäten sowie Orte der Begegnung in Fußgängerzonen schafft und ein vielfältiges kulturelles Leben bietet, ist eine lebendige, sichere und auf das Wohlbefinden aller Bevölkerungsgruppen bedachte Stadt.
Für digitale Bürgerrechte
Wir erkennen das große Potenzial der Digitalisierung an – vom Internet bis zur künstlichen Intelligenz. Unser Ziel ist eine wirtschaftliche Entwicklung, die das digitale Gemeinwohl für kommende Generationen schützt und die Würde der Menschen achtet. Wir setzen uns für digitale Bürgerrechte ein und lehnen Kontrolle sowie Monopole ab, die unsere Grundrechte in Wirtschaft und Verwaltung gefährden.