Südtirol und der Klimaschutz

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Es braucht Information, Maßnahmen, einen konkreten Gesamtplan – und Mut und Begeisterung zur Umsetzung!

DSC_0323  Heute beginnt in Paris COP21, die Internationale Klimakonferenz, auf der weltweit große Hoffnungen ruhen. Lange schon sorgt sich die Umweltbewegung international über die globale Klimaveränderung und weist auf die Fragilität der Erdatmosphäre hin. Ihr Engagement erzielte wichtige Erfolge, etwa das Verbot der Ozonkillergase, den Ausbau der erneuerbaren Energien, die Überwachung des Schadstoffausstoßes der Industrie usw. In den letzten Jahren, bedingt durch nicht mehr zu leugnende Auswirkungen des Treibhauseffekts, ist das Bewusstsein rund um die Erderwärmung (euphemistisch gerne „Klimawandel“ genannt) allgemein gestiegen. Man weiß inzwischen Bescheid über die fatalen Langzeitfolgen der allgegenwärtigen fossilen Verbrennung (CO2) und des Methanausstoßes.

Über die Handlungsnotwendigkeiten und deren Umsetzung hingegen besteht geringere Einigkeit.2015 11 30 marcia clima bz - ric+flor

Denn der krasse Widerspruch zwischen den Bedürfnissen der Natur (dazu gehört auch das Weltklima) und dem Wachstumsdiktat der Wirtschaft dauert leider weiterhin an. An der Handlungsfähigkeit der Politik und der Verantwortungsübernahme für die kommenden Generationen werden wir den Erfolg der Klimakonferenz und die internationale politische Führungsebene messen können.
Auch Südtirol, bekanntlich Teil der Welt, wird in diesen Tagen aufmerksam nach Paris schauen.
Es ist dies eine gute Gelegenheit, um unsere eigene Haltung und Glaubwürdigkeit als (zumindest wunschweise) nachhaltig lebende Alpenregion zu überprüfen. Denn einerseits wurde ein guter Weg beschritten, etwa im Hinblick auf erneuerbare Energien (durch die weitreichende Nutzung der Wasserkraft) oder in Sachen Mülltrennung (durch das aufmerksame Bewusstsein der Bevölkerung).
Andererseits wissen wir nicht, wie wir innerhalb der nächsten 4 Jahre das angepeilte CO2-Level von 4 t/Person/Jahr (s. Klimaplan 2050) erreichen sollen. Es finden sich übrigens im Internet wenige und widersprüchliche Zahlen zur derzeitigen Situation. Der letzte von uns gefundene Wert zur CO2-Emission in Südtirol ist der ASTAT-Wert von 6.3 t (2009). Der Klimaplan der Gemeinde Bozen allerdings geht von 9,7 t/Jahr aus – das sind gravierende Unterschiede, die wohl auch darauf zurückzuführen sind, ob man ehrlicherweise den Verkehr mit einrechnet.

Laut diesen Zahlen sind wir vom 4-t-Ziel weit entfernt und die Maßnahmen dringlichst anzugehen. Da die Gesamtemissionen der SüdtirolerInnen etwa je zu einem Drittel aus der Mobilität und aus elektrischer bzw. thermischer Energie stammen, ist klar, dass an vielen Faktoren anzusetzen ist.

Doch harrt der Klimaplan des Landes der Konkretisierung und konkreter Umsetzung, insbesondere was den CO2-Ausstoß durch Individual- und Schwerverkehr betrifft. Die Stickoxidgrenzwerte werden jährlich überschritten. Der von der Landesregierung vorgeschlagene Ausbau des Flugverkehrs straft leider alle hehren Aussagen zum Klimaschutz Lügen: Flugzeuge bleiben die größten Klimaschleudern unter den Verkehrsmitteln. (Vergleichszahlen laut Landesregierung: Flugzeug: 380 g/km/Person; Zug: 40 g/km/Person; Bus: 20 g/km/Person).DSC_0333

Doch auch am Heiz- und zunehmend, bedingt durch die wärmeren Sommer, auch am Kühlverbrauch der Gebäude wird anzusetzen sein. Die oft ins Feld geführte weiterreichende Nutzung der Abwärme der Bozner Müllverbrennungsanlage überzeugt uns in diesem Zusammenhang nicht, da sie im Gegensatz zu einer sinnhaften und nachhaltigen Müllsparpolitik steht. Allerdings warten wir auch in diesem Sektor auf Aktualisierung: Der Abfallbewirtschaftungsplan ist seit dem Jahr 2005 nicht mehr auf den laufenden Stand gebracht worden!
Klimaschutz ist nicht nur Aufgabe der Politik, sondern auch der Bevölkerung selbst. Alarmrufe und Solidaritätsbekundungen für das Weltklima in diesen Tagen zeigen, dass das Anliegen gefühlt ist. Wir erwarten uns daher von der Landesregierung, dass sie die Daten zur Südtiroler Klimabelastung umfassend bekannt macht, damit das Bewusstsein unser aller Verantwortung gestärkt wird.
Daneben bedarf es aber echter und dauerhafter politischer Anstrengung, die Ziele von Klimaplan Energie 2050 umzusetzen. Und ein wenig Mut und Begeisterung für eines der wichtigsten und langfristigsten Ziele von Politik und Gesellschaft – die sind wohl auch dringend gefragt.

Anlagen: Anfrage zum Stand der Umsetzung Klimaplan 2050 und zwei Beschlussanträge (Klimaschutz: bitte Türen schließen und Gärten als Menschenrecht), die wir in dieser Landtagssitzung zur Abstimmung bringen werden.

30.11.2015

L.Abg.
Brigitte Foppa
Hans Heiss
Riccardo Dello Sbarba

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