Nein zur Seilbahn ab Bahnhof, Ja zur Zukunft Brixens.

0 Flares Filament.io 0 Flares ×

Nein zur Seilbahn ab Bahnhof, für die verbesserte Busverbindung, Ja zur Zukunft Brixens.
Eine persönliche Stellungnahme.

linienfuehrung-seilbahn

Zur Frage der Volksabstimmung habe ich mir lange Zurückhaltung auferlegt: Zunächst aus parteipolitischen Rücksichten, da wir Landesgrüne der Bürgerliste Brixen nicht in ihr schwieriges Handwerk pfuschen wollten. Zum anderen aus familiärer Befangenheit, war doch mein Vater unter den Promotoren, die 1964 für die Seilbahn Brixen gerannt sind, unermüdlich, mit großen persönlichen und finanziellen Opfern. Zum dritten, weil es nicht leicht fällt, einem ökologischen Transportmittel wie einer Seilbahn mit einem „Nein“ zu begegnen.

Zur Orientierung nun in neun Punkten meine Haltung zur Abstimmung:

  • Der Überflug schafft Brixner erster und zweiter Klasse. Viele direkt vom Überflug Betroffene wehren sich nicht aus falscher Empfindlichkeit, sondern weil sie starke Einbußen an Lebensqualität und Wertminderung ihrer Wohnungen und Liegenschaften befürchten – völlig zu recht! Zu viele Personen sähen sich durch den Überflug zu Brixnern zweiter Klasse degradiert, die Stadt, Milland und St. Andrä wären gespalten in Überflogene und Nicht-Überflogene.
  • Brixens Stadtgestalt lebt von Kirchtürmen, nicht von Drahtseilakten. Keine andere Stadt Südtirols verfügt auf so engem Raum über so viele Kirchtürme wie die Bischofsstadt. Sie prägen Landschaftsbild und Ausstrahlung der Bischofsstadt. Eine das Sichtfeld beherrschende Seilbahn über den Talkessel würde nicht nur stören und die Landschaft entstellen, sondern wäre ein Verrat an Brixens Grundcharakter.
  • Der Standort Bahnhof ist verkehrlich ein Nadelöhr: Viele Bahnbenutzer würden nicht im Zug, sondern mit Auto anreisen; Staus im Stadtgebiet und rund um den dichtbefahrenen Bahnhof wären vorprogrammiert. Viele Bürger würden aus der Stadt, Milland und Nachbargemeinden mit dem PKW zur Seilbahn am Bahnhof fahren, jedes Parkhaus käme rasch an seine Kapazitätsgrenze. Viele Plosebesucher würden weiterhin direkt nach St. Andrä fahren, um den Wechsel zwischen beiden Verkehrsmitteln abzukürzen.
  • Würde der Wechsel von der Eisen- zur Seilbahn wirklich begeistert angenommen? Gewiss zu bestimmten Jahreszeiten, im Winter aber nicht durchwegs, da Schifahrer vor allem in Gruppen lieber mit eigenem Auto kommen: Das Beispiel des Bahnhofs Percha mit geringer Winter-Auslastung beweist, wie groß angekündigten Konzepten ein dürftiges Ergebnis folgt.
  • Der Kostenpunkt ist voll offener Fragen: Für die Seilbahn sollen 20 Mio. € sollen vom Land kommen, 10 Mio. € vom künftigen Konzessionär, 5 Mio. € von der Gemeinde Brixen. Wer aber saniert das bodenverseuchte Bahnhofsgelände, wer finanziert Infrastrukturen und Zufahrten zum Neuen Mobilitätszentrum? Plötzlich würden die 35 Mio. € ziemlich knapp werden. Auch über die Folgekosten ist nicht das letzte Wort gesprochen, auf wen greift der Betreiber der künftigen Bahn zurück, falls die Rechnung nicht aufginge?
  • Allen Wehklagen zum Trotz: Brixens Tourismus lebt! Brixen hat trotz aller Unkenrufe in den letzten Jahren touristisch zugelegt und hält mit ca. 550.000 Übernachtungen unter den Top 15 in Südtirol, auf dem Stand Bozens und vor dem viel gelobten Bruneck. Brixen soll nicht Meran oder Kastelruth werden, sondern eine Gemeinde mit wirtschaftlicher Vielfalt: Mit einem guten Mix von Landwirtschaft, Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistungen und einem starken, nicht überzogenen Anteil an Tourismus. Brixens Stadttourismus würde von der Seilbahn ab Bahnhof nur wenig profitieren, sondern allenfalls der Ploseberg.
  • Die Plose und der Berg verdienen planvolle Entwicklung, keine Lösung mit der Brechstange: Niemand wünscht die Schließung der Ploseseilbahn und den Ausstieg ihrer verdienstvollen Betreiber, niemand will den Bauern am Ploseberg den notwendigen Zuerwerb durch Bahn und Tourismus verwehren. Aber die erwünschte Entwicklung kann nicht auf Kosten anderer Stadtteile und vieler Bürgerinnen und Bürger gehen. Ein Standort mit leichten Nachteilen, aber weniger einschneidenden Folgen ist weit besser als eine technische Massivlösung wie jene ab Bahnhof.
  • Das Dreierpack der Fragestellung ist demokratisch fragwürdig. Der Blick auf die drei gestellten Fragen zeigt, dass sich die Alternativen zur besseren Busverbindung und zur Beibehaltung der heutigen Situation gegenseitig schwächen. Dagegen profitiert die erste Alternative zur Seilbahn ab Bahnhof von der Stimmenzersplitterung. Wer keine Seilbahnverbindung ab Bahnhof wünscht, sollte daher auf die verbesserte Busverbindung setzen.
  • Die Bürgerbefragung eröffnet eine neue Zukunftsdiskussion über Brixen: Brixen ist eine vitale Gemeinde mit vielen Stärken und großen Entwicklungschancen, es benötigt jedoch eine neue Sicht auf seine Zukunft: Als Gemeinde mit dem besten Bildungsangebot Südtirols, hoher industrieller Wertschöpfung, innovativen Arbeitsplatzen, und einem neu aufgestellten Tourismus mit mehr Naturnähe, Kultur und Kongresstätigkeit. Aber auch einem neuen Standard ökologischer Lebensqualität, kulturellen Kraftfeldern, einem großen sozialen Herzen.

Die Lösung ab Bahnhof stärkt nicht die Zukunftsqualitäten Brixens, sondern verbaut sie und unterbindet wirklich zukunftsweisende Lösungen. Das „Ja“ zu besseren Busverbindungen ist daher ein Kompromiss, der aber mit Nachdruck neue Perspektiven für Brixen einmahnt.

Hans Heiss

Brixen, 12. September 2014

Eine Antwort auf Nein zur Seilbahn ab Bahnhof, Ja zur Zukunft Brixens.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Überetscher Bahn, unser Beschlussantrag wurde angenommen. Die Überetscher Bahn wird unwiderruflich umgesetzt.

Überetscher Bahn, unser Beschlussantrag wurde angenommen. Die Überetscher Bahn wird unwiderruflich umgesetzt.

Die überarbeite Version unseres Beschlussantrages wurde auch von mehreren KollegInnen der SVP-Fraktion unterzeichnet. Durch ihn wird nicht nur die Schienenverbindung zwischen dem Überetsch und Bozen definitiv umgesetzt, sondern auch eine Straßenbahnv[...]
Doppelstaatsbürgerschaft oder: Wie Politik sich selbst Probleme schafft und unfähig ist, sie souverän zu lösen.

Doppelstaatsbürgerschaft oder: Wie Politik sich selbst Probleme schafft und unfähig ist, sie souverän zu lösen.

Wir fordern von den Regierungsparteien eine klare Linie und Berücksichtigung aller Südtiroler Sprachgruppen in der Diskussion um den Doppelpass Bei ihrem ersten Treffen mit AM Alfano in Rom hat Österreichs neue Außenministerin Karin Kneissl das Th[...]
Anfrage: „Bike & Ski” im Naturpark

Anfrage: „Bike & Ski” im Naturpark

Am 5. Jänner 2018 hat das Event „Bike & Ski” auf der Seiser Alm stattgefunden. Die Veranstaltung wurde von der Seiser Alm Marketing Gen. auf der Puflatsch-Piste durchgeführt: Ein Wettrennen zwischen Motorradfahrern, die den verschneiten und v[...]
Euregio-Verkehrsgipfel in Bozen: Drei konkrete Aktionen statt neuer Ankündigungen

Euregio-Verkehrsgipfel in Bozen: Drei konkrete Aktionen statt neuer Ankündigungen

Dass die Landeschefs und die zuständigen Verkehrs- und Umweltlandesrätinnen, die sich zum heutigen Euregio-Verkehrsgipfel treffen, den Ernst der Lage in der Transitfrage erkannt haben, ist anzunehmen: 2,25 Millionen Transit-LKW und ein sprunghaft ges[...]
Landesgesetzentwurf: Direkte Demokratie, Partizipation und politische Bildung

Landesgesetzentwurf: Direkte Demokratie, Partizipation und politische Bildung

Anbei der Landesgesetzentwurf zur Direkte Demokratie, der in einem weitläufigem Partizipationsprozess mit der Bevölkerung entstanden ist:[...]
Ökosozial in die Parlamentswahlen – Grüne Südtirols mit Liberi e Uguali

Ökosozial in die Parlamentswahlen – Grüne Südtirols mit Liberi e Uguali

Der Grüne Rat hat in der Sitzung vom 30. Dezember 2017 beschlossen, bei den kommenden Parlamentswahlen mit der Liste „Liberi e Uguali“ des Senatspräsidenten Pietro Grasso und der Kammerpräsidentin Laura Boldrini anzutreten. Die Entscheidung wurde mi[...]
6 Kritikpunkte zum neuen Landesgesetz für Raum und Landschaft

6 Kritikpunkte zum neuen Landesgesetz für Raum und Landschaft

Gefährdete Landschaft – Geschützte Lobby-Interessen 6 Kritikpunkte zum neuen Landesgesetz für Raum und Landschaft In seiner Rede zum Landeshaushalt 2018 hat LH Kompatscher unverblümt gesagt, wozu der von der Landesregierung heute genehmigte[...]
Die Folgen bedenken - Grünes Positionspapier zur doppelten Staatsbürgerschaft

Die Folgen bedenken - Grünes Positionspapier zur doppelten Staatsbürgerschaft

Grundsätzlich: Schon heute leben in Europa Tausende von Menschen, die eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzen. Diese Einzelpersonen haben, berechtigterweise, den Doppelpass aus geschichtlichen oder familiären Gründen erhalten, und zwar im Kontext e[...]
ÖVP-FPÖ-Regierung in Österreich steht: Damit startet ein langfristiger Umbau der Republik im Zeichen von Türkis-Blau – mit Folgen für Südtirol

ÖVP-FPÖ-Regierung in Österreich steht: Damit startet ein langfristiger Umbau der Republik im Zeichen von Türkis-Blau – mit Folgen für Südtirol

Die Spitze von ÖVP und FPÖ hat die Regierungsbildung in Wien zügig durchgezogen, exakt zwei Monate nach der Nationalratswahl steht das Kabinett Kurz-Strache. Die neue Regierung bietet personell dreierlei Überraschungen: Dabei sind viele Newcomer, mit[...]
Patientenverfügung: Dank Mina Schett Welby 

Patientenverfügung: Dank Mina Schett Welby 

Italiens Politik hat für einmal Verantwortung übernommen. Mit der Genehmigung durch den Senat ist die so genannte Patientenverfügung endlich Gesetz. Unheilbar Totkranke, ihre Angehörigen sowie Ärzte und Pflegepersonal müssen sich nicht länger um Unau[...]
AUS DEN GEMEINDEN
#floriankronbicher
Patientenverfügung: Dank Mina Schett Welby 

Patientenverfügung: Dank Mina Schett Welby 

Buero
Italiens Politik hat für einmal Verantwortung übernommen. Mit der Genehmigung durch den Senat ist di… Read More
 
Brenner-Grenze: Schutz vor solchen Schützern!

Brenner-Grenze: Schutz vor solchen Schützern!

Buero
Die Lage am Brenner ist nach meinen persönlichen Erkundungen bei Quästur und Grenzpolizei so, wie La… Read More
 
„Rosatellum“: Dieses Wahlgesetz ist ein Wahlsieggesetz für die SVP

„Rosatellum“: Dieses Wahlgesetz ist ein Wahlsiegge…

Buero
Mattarellum, Porcellum, Italicum und jetzt Rosatellum – Italiens Wahlgesetze ändern sich mit jeder W… Read More
 
Abschied von der Kohle

Abschied von der Kohle

Buero
Ein grüner Hoffnungsschimmer an Italiens Energie-Horizont: Wirtschaftsminister Carlo Calenda hat die… Read More
 
Zum Erdogan-Referendum in die Türkei

Zum Erdogan-Referendum in die Türkei

Buero
Diesen Sonntag, Ostersonntag, findet in der Türkei das Referendum über die so genannte Verfassungsre… Read More
 

Termine
30. Januar 2018
02. Februar 2018
08. März 2018